Jesko Raffin: «Alle Investitionen waren umsonst»

Von Günther Wiesinger
Moto2
Jesko Raffin wurde wegen «mangelnder fahrerischer Kompetenz» für 2018 aus der Moto2-WM ausgeschlossen, während weniger erfolgreiche Piloten weitermachen dürfen. Im SPEEDWEEK.com-Interview nimmt er Stellung.

Muss der 21-jährige Schweizer Jesko Raffin seine Moto2-WM-Karriere nach drei Jahren beenden? Der Kalex-Pilot aus dem Schweizer Garage Plus Interwetten-Team holte in dieser Saison von Mitte April (Argentinien-GP) bis Mitte September in Misano keinen Punkt und wurde deshalb zu diesem Zeitpunkt wegen «mangelnder fahrerischer Kompetenz» für 2018 aus der Moto2-WM ausgeschlossen.

Das kommt bei einem Profirennfahrer einem Arbeitsverbot gleich.

Wer vom Selektionskomitee diesen Stempel aufgedrückt bekommt, darf von keinem Team mehr als WM-Fahrer nominiert werden.

Seltsam ist nur: Der Belgier Xavier Siméon liegt in der WM drei Plätze hinter dem WM-Neunzehnten Raffin, der bei 26 Zählern hält, Siméon bei 16.

Und jetzt der Hammer: Siméon darf weiter in der Weltmeisterschaft sein Unwesen treiben. Er darf dank einer 700.000-Euro-Mitgift sogar 2018 bei Avintia Ducati die MotoGP-WM fahren.

Und beim 22-jährigen Isaac Viñales (bisher 14 Punkte) zweifelt auch niemand das Fahrkönnen an. Vielleicht weil er Spanier ist, einen berühmten Cousin hat, vier Grands Prix in Spanien stattfinden und der GP-Promoter Dorna in Spanien beheimatet ist.

Möglicherweise hat der aus Zürich kommende Raffin einfach den falschen Pass.

Fakt ist, dass sein Aufbäumen wahrscheinlich zu spät kommt. Er fuhr bei den letzten vier Grand Prix dreimal in die Punkte: In Misano auf Platz 10, in Phillip Island auf Platz 4 und in Sepang auf Platz 15.

IRTA-Präsident Hervé Poncharal tröstete Raffin vor dem Malaysia-GP: «Zeig weiter Leistungen wie in Australien, dann wird sich die Situation ändern.»

Aber Raffin weiß: Die Teams sind alle besetzt, sein Schweizer Team bekommt für 2018 nur noch zwei statt drei Startplätze. Also droht trotz eines gültigen Vertrags das Karriereende. Mit 21 Jahren.

Jesko Raffin nimmt im Interview mit SPEEDWEEK.com Stellung.

Jesko, die Beurteilung «mangelnder fahrerischer Kompetenz» vom Selektionskomitee kommt einem Arbeitsverbot gleich.

Ja, streng genommen stimmt das.

Du warst ja bereits im vergangenen Jahr in einer ähnlichen Situation wie jetzt. Wie schwierig ist es, dabei trotzdem starke Ergebnisse wie den vierten Platz in Australien zu erzielen?

Dieses Ergebnis zeigt, dass ich schnell bin, dass es in mir steckt. Am Saisonbeginn war ich auch gleich schnell, im Qualifying von Argentinien war ich zum Beispiel Fünfter, und auch in Misano bin ich im Regen sitzen geblieben und Zehnter geworden.

In Australien hast du auch gezeigt, dass du auch im Trockenen schnell sein kannst.

Wir waren konstant schnell, ob im Nassen oder Trockenen, das hat keine Rolle gespielt. Und das gibt mir natürlich auch das Selbstvertrauen, allen zu beweisen, dass es nicht nur ein Rennen im Jahr ist, das richtig gut läuft, sondern dass ich generell schnell bin. Was alles noch im Hintergrund läuft, muss ich sicher ausblenden, denn jetzt muss ich mich aufs Fahren konzentrieren.

Ab Aragón hast du auch gewusst, dass jetzt ohnehin alles zu spät ist und du unbelastet fahren kannst. Das ganz auszublenden ist sicher schwierig. Aber die Ergebnisse wurden erst besser, als es zu spät war,

Nein, es hat sicher nichts damit zu tun, dass ich jetzt nicht mehr  Druck stehe und deshalb besser fahre. Du denkst schon daran, was nächstes Jahr geht, weil für mich bedeutet die Entscheidung das Karriere-Ende. Alles, was meine Eltern investiert haben, war letztlich umsonst.

Wie viele Jahre haben sie dich unterstützt?

Ich habe als Sechsjähriger mit dem Motorsport angefangen, also ist das bereits 15 Jahre her. Klar, irgendwann mussten meine Eltern dann aufhören, weil es teuer wurde. Mein Manager Marco Rodrigo hat mich dann seit Beginn meiner internationalen Karriere finanziell gefördert.

Was hat das Ganze gekostet?

Das kann ich nicht sagen. Aber es kostet für alle Fahrer etwa gleich viel, in die WM zu kommen. Ich schätze mal, die Zahl bewegt sich zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Euro. Vielleicht sogar mehr, ich weiss es nicht.

Sorgt das für zusätzlichen Druck, wenn man in der WM ist? Denkt man sich da, dass man das jetzt zurückzahlen muss?

Nein, gar nicht, ans Geld denke ich nie. Du musst dich wirklich aufs Fahren konzentrieren. Schliesslich ist das die WM, da hast du keine Zeit, an sonstwas zu denken.

Es stellt sich die Frage, warum dein Garage Plus Interwetten-Team auf Iker Lecuona setzt, der bisher nur zwei Punkte geholt hat, und nicht auf dich, zumal du einen gültigen Vertrag hast.

Er ist halt noch sehr jung.

Du bist mit 21 Jahren auch nicht gerade uralt.

Sagen wir es so: Er ist jünger als ich und hat es nicht allzu schlecht gemacht in seinem ersten vollen Jahr. Aber letztlich ist das eine Frage, die Fred (Corminboeuf, Anm.) am besten beantworten kann.

Am Ende ist es nicht mein Job, mit ihm darüber zu diskutieren. Ich muss mich jetzt wirklich aufs Rennfahren konzentrieren.

Passt die letzte Piste in Valencia zu deinem Fahrstil?

Letztlich muss dir als Fahrer jede Piste passen, sonst hast du ein Problem. Ich bin auf jeden Fall topmotiviert und bereit.

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