Martin Wimmer: Wegen Insolvenzverschleppung bestraft

Von Günther Wiesinger
Moto2
Mit MZ gescheitert: Martin Wimmer

Mit MZ gescheitert: Martin Wimmer

Der gescheiterte MZ-Retter Martin Wimmer (57) ist vom Amtsgericht Chemnitz wegen Insolvenzverschleppung verurteilt worden. Er war auch wegen Veruntreuung angeklagt.

Martin Wimmer, ehemalige 250-ccm-GP-Pilot auf Yamaha, Aprilia und Suzuki und dreifacher GP-Sieger, hat den sächsischen Motorradhersteller MZ im September 2012 endgültig in den Ruin geführt. Jetzt ist der ehemalige Geschäftsführer des Zschopauer Motorradherstellers MZ vom Amtsgericht Chemnitz wegen Insolvenzverschleppung verurteilt worden. Der Bayer wurde zu einer Geldstrafe von 5400 Euro verurteilt.

Ein Gutachten förderte zutage, dass der Motorrad-Hersteller MZ bereits Ende 2011 unter Miteigentümer Martin Wimmer zahlungsunfähig war. Wimmer hatte die Rennsportaktivitäten wegen finanzieller Probleme im Februar 2012 zurückgefahren und Jonas Folger trotz Moto3-Werksvertrag vor dem Saisonstart entlassen.

Im Jahr 2012 war dauernd bei MZ von unbezahlten Rechnungen die Rede. «Ich muss das Kerngeschäft retten und am Leben halten», gab Wimmer im Frühjahr 2012 gegenüber SPEEDWEED.com zu.

Erst im September 2012 meldete Wimmer Insolvenz an. Aber selbst zu diesem Zeitpunkt leistete er sich noch einen pompösen Auftritt auf der Zweiradmesse Intermot, faselte von neuen Patenten und neuen Projekten.

Im Februar 2009 hatte Wimmer die von Petr-Karel Korous in die Pleite geführte Traditionsmarke MZ gekauft, gemeinsam mit seiner damaligen Frau Dr. Martina Haeger, Ralf Waldmann und Investor Peter Ertel. Aber MZ hat unter der Regie von Wimmer in dreieinhalb Jahren keinen einzigen Roller und kein einziges Motorrad zur Serienreife gebracht. Es existierten keine Händler, keine Landesimporteure, keine Produkte – aber dafür ein GP-Team.

MZ leistete er sich Teams in der Moto2- und Moto3-WM mit Fahrern wie Anthony West, Max Neukirchner und Toni Finsterbusch und eine eigene MZ-Rennfirma mit Sitz in Hongkong.

Die Liste der Gläubiger wurde immer länger, nicht nur im Rennsport. Dietmar Franzen, Warren Willing, das Racing Team Germany, Max Neukirchner, das italienische Pro-Ride-Team und so weiter blieben auf ihren Forderungen sitzen.

Am zweiten Prozesstag in Chemnitz kamen die Gutachter zu Wort. Der Sachverständige Michael Harz kam dabei zu dem Schluss, dass das Unternehmen MZ bereits am 31. Dezember 2011 zahlungsunfähig gewesen sei, berichtet die «Freie Presse».

Wimmer legte zwar nicht sämtliche betriebswirtschaftlichen Unterlagen vor, anhand der Kontenführung konnten der Insolvenzvollstrecker und der Gutachter aber die Zahlungsaus- und -eingänge nachvollziehen.

Martin Wimmer wird Betriebsblindheit vorgeworfen. Er habe den Ernst der Lage entweder nicht erkannt oder nicht wahrhaben wollen, heisst es. Er habe die Situation unablässig schön geredet und sich eingebildet, es existiere nur eine vorübergehende Krise, ein kurzfristiger finanzieller Engpass.

Dabei wurden kaum Produkte verkauft, es gab keine Innovation, lediglich der Absatz alter Ersatzteile aus der Korous-Ära brachte etwas Einnahmen.Wimmer wollte eine Biogasanlage errichten und Elektro-Dreiräder für die Post verkaufen, alle Projekte verliefen im Sand.

«Sie waren Anfang 2012 nicht in der Krise, sondern bereits zahlungsunfähig», musste sich Wimmer vom renommierten Sachverständigen vorwerfen lassen, der unter anderem auch die Schlecker-Pleite bewertet hatte.

Der uneinsichtige Wimmer, der einige Semester Jura studiert hat, zweifelte mehrmals die Arbeit des Gutachters an.

«Sie haben keine falsche Arbeit geleistet, sondern falsche Voraussetzungen angenommen», ging Wimmer gegenüber dem Gutachter Michael Harz in die Offensive.

Der gescheiterte MZ-Retter wirft seiner Hausbank Münchner Merkur vor, durch das Zurückhalten von nicht notwendigen Sicherheiten die Insolvenz mutwillig herbeigeführt zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte den 57-Jährigen Wimmer wegen Insolvenzverschleppung, Veruntreuung von Sozialversicherungsbeiträgen, Bankrott und Untreue angeklagt. Die näheren Umstände der Insolvenz sollen jetzt auch 2015 vor dem Landgericht München geklärt werden.

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