Peter Öttl (Schedl-Team): Moto2-WM für 2017 geplant?

Von Günther Wiesinger
Moto3

Peter Öttl betreibt jetzt das Schedl GP Racing-Team in der Moto3-WM selbst. Wenn Sohn Philipp 2016 einige Podestplätze gelingen, wird über einen Klassenwechsel nachgedacht.

Für den 19-jährigen Philipp «Phil» Öttl gab es vor Weihnachten wenig Gelegenheit, die besinnliche Adventszeit zu geniessen und auszuspannen. Am vorletzten Wochenende trainierte er in Friedrichshafen Indoor-Supermoto, dann brach er für drei Tage zum Motocross-Training nach Italien auf. Er trainierte in Ottobiano südöich von Mailand. «Dort kann Philipp Motocross, Enduro und Supermoto fahren», erzählte Teamchef Peter Öttl.

Philipp Öttl, der KTM-Werkspilot aus dem bayerischen Ainring, hat beim Moto3-WM-Lauf 2015 in Indianapolis mit Platz 3 seinen ersten Podestplatz errungen und die WM 2015 mit 63 Punkten und insgesamt sieben Top-Ten-Plätzen als Gesamt-Fünfzehnter beendet.

Papa Peter Öttl, selbst fünffacher GP-Sieger (80 und 125 ccm), hat das Team Schedl GP Racing jetzt übernommen und bereitet sich auf die vierte Moto3-WM-Saison seines Sohnes vor. Das 700.000-Euro-Jahresbudget ist grossteils gesichert.

Peter, während der Saison 2016 wird sich irgendwann die Frage stellen, ob Philipp für 2017 in die Moto2-WM aufsteigen soll. Ist dieses Thema im Hinterkopf schon vorhanden? Würdest du deinen Rennstall dann für die Moto2-WM adaptieren?

Philipp muss zuerst in der Moto3-WM alles lernen, was ein Rennfahrer können muss – du das bis zur Perfektion.
Solange er nicht so weit ist, ist die Moto2 aus unserer Sicht kein Thema.
Die meisten Fahrer, die in der Moto3-KLasse Weltmeister werden, brauchen fünf oder sechs Jahre dazu. Es gibt nur wenige Ausnahmen wie Marc Márquez und Alex Rins, die es im dritten Jahr geschafft haben. Normal braucht man fünf Jahre, um in den Bereich zu kommen, in dem man Weltmeister werden kann. Das haben wir 2015 auch bei Danny Kent gesehen, der seine fünfte WM-Saison absolviert hat.
Der Philipp hat noch einiges zu lernen. Es ist besser, wenn er das n der Moto3 lernt. Wenn er einmal konstant Erfolg hat, kann man über die Moto2 reden. Wann das sein wird, das weiss ich nicht.
Wir wollen zuerst einmal die Saison 2016 beginnen, dann können wir schauen.

Anderseits war ein Casey Stoner weder in der 125er noch in der 250er-Klasse Weltmeister. Er hat erst in der MotoGP-WM sein wahres Können gezeigt und zwei Titel gewonnen.

Phillip muss ja auch nicht Weltmeister werden. Aber er muss sich noch steigern. Wir wissen, Philipp hat mittlerweile den Speed, aber er kann in gewissen Bereichen noch dazu lernen.
Wenn man erkennt, dass er alles gut beherrscht, können wir über einen Aufstieg nachdenken. Denn wenn er aufsteigt, soll er in der Moto2 nicht ganz hinten anfangen. Er soll sich wie beispielsweise Jonas Folger in der Moto3-WM so etabliert haben, dass ihm der Umstieg leichter fällt.

Das heisst, Philipp soll im Idealfall Rennen gewonnen haben, bevor er die Klasse wechselt?

Ja, ja. Oder er soll zumindest im Idealfall mehrere Podiumsplätze erreicht haben. Dann kann man sagen: Jetzt bist du so weit.
Wenn man in der Moto3-WM mehrere Podiumsplätze erringst, kann man sagen: Okay, jetzt weisst du schon, wie das Ganze funktioniert. das möchte ich abwarten.
Und von der Statur her mit 174 cm und 58 kg ist Philipp in der Moto3-Klasse körperlich nicht benachteiligt.

Stefan Bradl hat in der 125-ccm-Weltmeisterschaft zwei nur Rennen und sich dann in der Moto2-WM im zweiten Jahr als Weltmeister durchgesetzt.

Auch wenn die Resultate in der Moto3-WM nicht sooo perfekt sind, kommt vom Fahrer irgendwann der Wunsch, dass er gern aufsteigt, weil er nach fünf Jahren eine neue Herausforderung braucht. Philipp hat jetzt drei Moto3-Jahre hinter sich.
Ich glaube, ein Umstieg nach fünf Moto3-Jahren ist nicht zu spät. Phillip hat ja mit 16 Jahren in der WM angefangen.

Du willst mit deinem Team auf jeden Fall eines Tages samt Phillip in die Moto2?

Ja, ich habe schon den Wunsch, das Team längerfristig zu betreiben. Das heisst, dass wir uns vorstellen können, mit diesem Team auch die Klasse zu wechseln.

Und da dein Fahrer zufällig ein relativ naher Verwandter ist, wird er dann auch für die grössere Klasse in Betracht gezogen?

(Er schmunzelt). Ja, den Fahrer nehmen wir dann auch mit. Unser Team ist zwar immer noch sehr familiär, aber die Aufgaben sind so verteilt, dass Phillip nicht nur mit seinem Vater zusammenarbeitet. Eher im Gegenteil. Er hat seine Trainer, er hat Stefan Kirsch als Crew-Chief, er hat gute Leute um sich herum.
Der Unterschied, ob Philipp jetzt bei uns fährt oder in einem «fremden» Team, der ist nicht gross.

Im Juni beim Assen-GP hast du festgestellt, dass es bei Philipp vor allem an der Qualifying-Performance mangelt.

Ja. Ich sage mal, auf Strecken, wo man keinen Windschatten braucht, ist er bereits schnell genug. Das hat man beim fünften Startplatz in Jerez gesehen. Auf Strecken, auf denen man im Zeittraining Windschatten braucht, da haben wir noch Nachholbedarf. Aber das weiss Philipp, daran arbeiten wir auch. Ich bin mir sicher, dass er sich auf diesem gebiet verbessert. Man sieht ja: In den freien Trainings, in denen wenig Windschatten gefahren wird, ist er oft vorn. Im Qualifying, wenn Windschatten gefragt ist, da muss er sich steigern.
Er hat nach wie vor noch Defizite in der Startaufstellung. Aber es ist bei weitem nicht mehr so schlecht wie in den ersten zwei Jahren.

Die Konstanz fehlt noch. Philipp ist bisher selten über drei oder vier Rennen hindurch konstant Richtung Top-Ten unterwegs gewesen? Und in den Qualifyings gab es manchmal Durchhänger?

Mit der Konstanz bin ich nicht ganz unzufrieden. Philipp ist bei 13 von 18 Rennen in die Punkte gefahren. Und wenn er die zwei technischen Defekte nicht gehabt hätte, da war er jeweils kurz vorher noch in den Punkterängen, dann wäre er 15 Mal in die Punkte gefahren. Danny Kent hat auch nur 15 Mal gepunktet... Aber er hatte natürlich bessere Resultate.

Dein Spruch aus der ersten GP-Saison von 2013 hat immer noch Bestand. Damals hast du anerkennend gesagt: «Philipp ist besser als ich, weil er schmeisst's nicht so oft weg wie ich...» Er hat bisher 125 Strassenrennen absolviert und nur einen selbstverschuldeten Rennsturz fabriziert. Eine eindrucksvolle Bilanz.

Ja, ich glaube, dass der Philipp schon um einiges mehr Potenzial hat als ich. Weil er einfach mehr Talent hat. Er geht es auf seine Art und Weise an. Und ich bin eigentlich ganz froh, dass er es nicht so macht wie ich...

Aber das liegt auch am Umfeld. Hat Philipp ein professionelleres Team und konkurrenzfähigeres Material als du?
Ausserdem hattest du keinen fünffachen GP-Sieger als Vater?

Na gut, die Zeiten haben sich halt auch geändert. Ich war mit 21 Jahren bei meinem ersten WM-Lauf, Phil mit 16. In diesem Alter ist man noch nicht in der Lage, selbst ein Team zu gestalten und alles richtig zu machen. Deshalb brauchen die Jungen heute ein Umfeld, das die wichtigen Sachen alle erledigt. Das trifft auf die anderen jungen Fahrer genau so zu.

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