Marc van der Straten (VDS): Milliardär und Mäzen

Von Enrico Borghi
MotoGP
Teambesitzer Marc van der Straten mit Michael Bartholemy

Teambesitzer Marc van der Straten mit Michael Bartholemy

Als Brauerei-Unternehmer ist Marc van der Straten (Marc VDS) steinreich geworden. Sein Team ist mittlerweile in den Klassen Moto2 und MotoGP vertreten. Lesen Sie hier Teil 1 des großen Interviews.

Er ist ein exzentrischer Mäzen, der seinen Reichtum unter anderem dazu verwendet, Spass zu haben. Und er demonstriert zugleich sein Talent zur Selbstlosigkeit. Denn er stellt sich nicht in den Vordergrund.

Probier' mal ein Getränk abzulehnen, das dir ein Nachkomme der belgischen Bierdynastie Stella Artois, die schliesslich zum weltweit grössten Brauerei-Konzern wurde. Offeriert von Graf Marc van der Straten persönlich.

«Es ist korrekt, ich stamme aus einer Familie, die eine multinationale Brauerei gegründet hat», rückt Milliardär van der Straten mit der Sprache heraus.

Heute ist aus dieser Brauerei ein riesiger börsennotierter Konzern namens Anheuser-Busch InBev geworden, früher hiess er Interbrew. Die belgisch-brasilianische InBev-Gruppe ging im November 2008 durch die Übernahme der Anheuser-Busch Companies in der Anheuser-Busch InBev auf, zu denen 200 Biermarken gehören. Ihre bekanntesten Sorten heissen Budweiser, Corona, Jupiler, Stella Artois und Becks.

Marc van der Stratens Urgossvater hat einst mit der Marke Stella begonnen.

InBev war gemessen am Umsatz (2007: 14,43 Milliarden Euro) und am Gesamtausstoss (2007: 270,6 Millionen Hektoliter) die größte Brauereigruppe der Welt (vor SABMiller). Diese führende Position kam durch den Zusammenschluss mit der brasilianischen Companhia de Bebidas das Américas (= AmBev, zuvor weltweit die Nummer 5) zustande.

«Marc vidi es», wie InBev-Grossaktionär Marc van der Straten die Abkürzung seines Nachnamens auf Englisch selber ausspricht. Aber dann zieht es der Belgier vor, das Interview in französischer Sprache zu führen. «Es ist die elegantere Sprache», meint er.

Auf eine gewisse Art stellt Marc VDS eine faszinierende Persönlichkeit dar. Er wirkt wie ein illustrer Mäzen des Motorradrennsports, seine adelige Abstammung, sein Reichtum, sein exzentrischer Lebensstil, seine Vorliebe für Schmuck und seine Leidenschaft für Rennwagen, für die er schon Millionen investiert hat, heben ihn hervor. Er gibt viel Geld für den Motorsport aus, sei es für die Konstruktion der Autos oder auch für die Karriere von Fahrern. So ist er zum Lord Hesketh der Motorräder geworden.

«Schon seit Jahren höre ich das Wort Mäzen. Aber glauben sie mir, die Zeit des Mäzenatentums ist vorbei», betont Marc van der Straten.

Trotzdem erscheint Marc VDS in der Welt des Motorradsports als Mäzen, hat er doch ein Moto2-Team von Grund auf finanziert, er hat alles aus seiner eigenen Tasche bezahlt, hat nie nach Sponsoren gesucht und 2014 hat er Esteve «Tito» Rabat den WM-Titel in der Moto2 ermöglicht.

Ausserdem finanzierte er jahrelang die Karriere von Scott Redding, der 2016 aus dem Marc VDS-MotoGP-Team zu Pramac Ducati wechselte. «Eine Person, die ich so gerne habe, wie wenn sie zur Familie gehören würde», betont Marc, der das Kürzel VDS im Motorsport zu seinem Markenzeichen gemacht hat.

Für Redding hat Marc VDS 2015 auch den grossen Sprung in die MotoGP gewagt. Er erinnert an die Wichtigkeit des englischen Piloten für das Team. «Als wir das Team gründeten, war unser Ziel, in fünf Jahren den Moto2-Titel zu holen. Das haben wir geschafft. Im fünften Jahr. Wir hätten es auch schon 2013 schaffen können, wenn Scott nicht so viel Pech gehabt hätte.»

2017 treten für das Moto2-Team Estrella Galicia 0,0 Marc VDS die erfolgreichen Piloten Franco Morbidelli und Alex Márquez an. Morbidelli führt die Moto2-Wertung nach neun von 18 Rennen an, Márquez liegt auf Rang 4. In der MotoGP-Klasse setzt das Team 2017 erneut zwei Fahrer ein: Tito Rabat und Jack Miller auf Honda. 2016 gewann Miller den Assen-GP für Marc VDS. In der Gesamtwertung liegen Miller und Rabat aktuell aber nur auf den Plätzen 12 und 17.

Im Automobilsport hat Marc VDS Racing hingegen bereits ein kleines Imperium erben können, mit dem sein Vater in den 1960er-Jahren begonnen hatte. «Mein Vater Rudolph, alle nannten ihn Rudy, hatte eine grosse Leidenschaft für Automobile und hat 1964 das Team in Belgien gegründet. Ich habe später einen Belgier namens Tony Gillet unterstützt und fühlte mich damals schon ein wenig wie ein Mäzen. 1997 gründete ich mein eigenes Team. Wir haben mit vielen grossen Firmen zusammengearbeitet.»

Trotz seines Alters freut sich Marc van der Straten wie ein kleines Kind, auch wenn seine Spielsachen eher teuer sind. Aber es handelt sich schliesslich um sein Geld, er kreiert damit Arbeitsplätze und gibt jungen Fahrern eine Chance. Und sein Reichtum wird nie zur Schau gestellt.

2009 begann bei Marc VDS das Kapitel Motorrad. «Es war in Hockenheim, da kam ein gewisser Michael Bartholemy auf mich zu. Ich hatte schon den Gedanken gefasst, auch in dieser Richtung etwas zu machen, und er hat mich davon überzeugen können», erzählt van der Straten. «Belgien hat auch auf dem Motorradsektor eine gewisse Tradition. Michael hatte eben sein Abenteuer in der MotoGP mit Kawasaki beendet und suchte eine neue Herausforderung. Er dachte zuerst an ein Endurance-Team, es wurde dann die Moto2. Nach ein paar Monaten stand das Team. Bartholemy ist Belgier wie ich auch. Am Anfang garantierte uns die Dorna nur einen Platz – und wir entschieden uns für Scott Redding.»

Michael Bartholemy ist ein erfahrener Manager, er kennt sich in der Szene bestens aus.

Er ist ein Teammanager, der einen Marc van der Straten zufrieden stellen kann. Auf dessen Reichtum angesprochen, sagt Michael: «Tito wollte ein Motorrad, mit dem er in Almeria trainieren konnte. Also kaufte ihm Marc damals eine Kalex, die er an der Strecke lassen konnte, um jeweils zwischen den Rennen damit zu trainieren.»

Auf dieses Angebot angesprochen, entgegnete der heutige MotoGP-Pilot Rabat: «Durch diese Geste wurde mir klar, die haben mich wirklich ins Herz geschlossen. Dieses Gefühl habe ich bislang noch in keinem Team erlebt. Es hat mich zusätzlich motiviert, immer das Beste zu geben.»

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