Stefan Pierer (KTM): «Mich interessiert nur Zarco»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Das Red Bull-KTM-MotoGP-Team macht sich bereits über die Fahrerfrage für 2019 Gedanken. KTM-Chef Stefan Pierer will Pol Espargaró behalten. Superstars wie Márquez kommen nicht in Frage. KTM liebäugelt mit Johann Zarco.

Das Red Bull KTM-Team zählte zu den positiven Überraschungen der MotoGP-Saison 2017.

Pol Espargaró sorgte für vier Top-Ten-Plätze, Bradley Smith für zwei, dazu sicherte der Engländer gestern mit Platz 11 für KTM den fünften Platz in der Konstrukteurs-WM. Und Mika Kallio glänzte bei seinen vier Wildcard-Einsätzen mit Rang 10 in Spielberg und Rang 11 in Aragón.

Insgesamt ist KTM bei den letzten elf Rennen seit Assen immer zumindest mit einem Fahrer auf die Ränge 9 bis 11 gefahren.

Für die Saison 2018 bleibt das KTM-MotoGP-Aufgebot unverändert. Pol Espargaró und Bradley Smith bilden die Stammfahrer-Formation, Mika Kallio bleibt Testfahrer und wird bis zu sechs Wildcard-Einsätze absolvieren.

Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender der KTM Group, hat am Wochenende den Valencia-GP besucht und gegenüber SPEEDWEEK.com bestätigt, dass sich das KTM-Management längst Gedanken über die Fahrerfrage für 2019 macht.

«Ich habe die klare Absicht, Pol Espargaró für 2019 zu behalten», versicherte Stefan Pierer. «Das sage ich ganz offen. Er hat es verdient. Und außerdem passt er sehr gut in unser Team.»

Der KTM-Firmenchef beteuert, dass man Marc Márquez für 2019 kein Angebot machen wird. «Nein, das mache ich mit Sicherheit nicht. Ich bin da ganz ehrlich: Márquez ist so ein Überfahrer, er bewegt sich in seiner eigenen Liga. Gewinnt er, ist es der Márquez. Verliert er, ist mein Motorradl schuld. Außerdem wäre so eine Verpflichtung kontraproduktiv für unser Junior-Programm, das wir so sorgfältig aufgebaut haben. Wir haben jetzt mit Oliveira und Binder so ein erfolgreiches Moto2-Team. Diese zwei Fahrer sind für 2019 MotoGP-fähig. Langfristig wird auch Brad Binder ein MotoGP-Spitzenfahrer werden. Er ist auf der Bremse ein Gott. Davon habe ich mich am Samstag in Valencia an der Strecke draußen wieder überzeugt. Ich will nicht so viel Geld für einen Fahrer wie Márquez investieren und unsere MotoGP-Plätze dadurch für unseren eigenen Nachwuchs blockieren.»

Stefan Pierer kann dem Ducati-System, einen dreifachen MotoGP-Weltmeister wie Jorge Lorenzo mit 12,5 Millionen Euro Jahresgage zu ködern, nichts abgewinnen.

Pierer: «Schau' dir Ducati an. Ich gönne dem Dovi den Erfolg aufrichtig. Er ist so ein lieber Kerl, ihm ist der Knopf richtig aufgegangen. Der andere verdient 12,5 Millionen. So eine Situation will ich bei KTM nicht.»

Pierer weiter: «Wir werden 2019 ein MotoGP-Satellitenteam beliefern. Mir schwebt vor, dass dieses Team mit identischem Material wie das Werksteam beliefert wird, nicht mit Vorjahresmaschinen. Wir möchten das Kundenteam 2019 wie ein Junior-Team betreiben. Wir könnten dort die Fahrer aus der Moto2 raufholen und sie Erfahrung sammeln lassen, Oliveira und Binder. So ist das gedacht. Jeder Moto2-Fahrer braucht das eine oder andere Jahr, um MotoGP-Erfahrung zu sammeln.»

KTM plant eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem künftigen MotoGP-Kundenteam, die Wahl könnte durchaus auf Marc VDS fallen.

«Wir werden Werksmaterial liefern und möchten auch Techniker von uns bereitstellen. Denn nur so kriegen wir den Input fürs Werk. In diesem Bereich werden wir das Team sicher unterstützen, das ist kein Thema», versichert der Steirer.

Wer soll dann neben Pol Espargaró 2019 im Red Bull-KTM-Werksteam fahren? «Wer 2018 bei uns Moto2-Weltmeister wird, ist für die MotoGP-WM 2019 gesetzt», verriet Pierer. «Das kann aber auch für das Satellitenteam sein.»

Welchen Topfahrer würde Stefan Pierer gerne 2019 im MotoGP-Werksteam sehen? «Wenn ich mir die WM-Tabelle ansehe, fällt mir außer Zarco keiner ein, ganz ehrlich. Er ist bei Aki Ajo zwei Jahre lang die Moto2-WM gefahren, er hat auf KTM den Red Bull-Rookies-Cup gewonnen. Er weiß, worauf er sich bei KTM einlässt. Wenn du mich fragst, dann sage ich: Das ist der einzige MotoGP-Fahrer, über den ich für 2019 seriös nachdenke.»

Pierer lässt durchblicken, dass bereits Gespräche mit Johann Zarco und dessen Manager Laurent Fellon laufen. «Ja, klar. Das ist so. Aber er ist der einzige.»

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