Überraschung: Marcus Eschenbacher von Aprilia zu KTM

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Das MotoGP-Werksteam von Aprilia verliert Crew-Chief Marcus Eschenbacher nach dieser Saison an KTM und Johann Zarco. Aprilia bleibt auch 2018 deutlich hinter den Erwartungen.

Aprilia-Renndirektor Romano Albesiano befindet sich ihn keiner beneidenswerten Situation. Er kündigte bei der Teampräsentation im März 2017 an, man strebe in der MotoGP-WM einen Platz unter den Top-5 der Gesamtwertung an.

Als Aleix Espargaró nach der Sommerpause hoffnungslos zurücklag, stellte Albesiano beim Brünn-GP 2917 fest: «Der WM-Stand spiegelt nicht unsere wahre Stärke wider.»

Tat er dies zumindest nach dem Saisonende 2017? Damals lag Aleix Espargaró mit 62 Punkten aus 18 Rennen auf dem 15. Endrang; Sam Lowes mit 5 Punkten an. 25. Stelle. Kein Fixstarter kassierte im Vorjahr weniger Punkte ein als der Bruchpilot aus England.

Roberto Colaninno, schwerreicher Präsident der Piaggio Group, zu der auch Aprilia gehört, sprühte auch vor der MotoGP-Saison 2018 vor Zuversicht. «Wir haben junge Talente gefunden, die vor Enthusiasmus sprühen», sagte er. «Unser Rennchef Romano Albesiano hat ein großartiges Team zusammengefügt. Wir hoffen, dass diese Mannschaft unsere Träume erfüllen wird. Was haben wir genau vor? Klar, wir wollen keine letzten Plätze einfahren. Gleichzeitig kann ich nicht sagen, wir wollen die Nummer 1 werden. Das wäre hochtrabend. Aber bei Aprilia haben wir 80 junge Ingenieure, die Tag für Tag nach dem Erfolg jagen. Wir wachsen weiter. Wir greifen nach den Sternen. Eines Tages werden wir einfach fliegen...»

Bisher erfüllten sich die Hoffnungen von Colaninno nicht. Nach 7 von 19 Rennen blickt Aprilia auf die WM-Ränge 18 (Espargaró) und 20 (Redding). Aleix hat fünf Nuller und 13 Punkte vorzuweisen, Scott fünf Nuller und 9 Punkte.

Albesiano hat beim Sepang-Test 2015 und auf dem Sachsenring 2016 selbstsicher betont: «Unser MotoGP-Motorrad hat keine Schwachstelen.»

Viertes Jahr, keine Erfolge

Aprilia hat in seiner Geschichte 54 WM-Titel gewonnen, seit dem Weggang von Gigi Dall’Igna nur noch den Superbike-WM-Titel 2014 mit Sylvain Guintoli, auf einem Motorrad, dass noch von Dall’Igna gestaltet worden war.

Das Aprilia Racing Team Gresini bestreitet 2018 das vierte gemeinsame MotoGP-Jahr, die Ausbeute und die Performance wird von Jahr zu Jahr trister.

Ob Andrea Iannone mit der RS-GP künftig Wunder wirken kann, wird sich zeigen.

Der personelle Aderlass bei Aprilia geht an die Substanz.

Nach Dall’Igna nahmen etliche andere Spitzentechniker Reißaus. Im Mai 2017 wechselte MotoGP-Projektleiter Marco Bertolatti für fünf Jahre zu KTM. Er galt als rechte Hand von Albesiano.

Nach der Saison 2016 verabschiedeten sich bereits Crew-Chief Diego Gubellini (nach 20 Jahren bei Gresini) zu Marc VDS, Alcaro Bautista nahm seinen Crew-Chief zu Aspar-Ducati mit, und Bradls Chefmechaniker Andrea Bonassoli wechselte zu Pata-Yamaha in die Superbike-WM, er arbeitet dort für Michael van der Mark.

Der Personalschwund bei Aprilia nimmt kein Ende. Der deutsche Techniker Marcus Eschenbacher, seit dem Saisonstart 2017 Crew-Chief bei Aleix Espargaró, wechselt nach dieser Saison zu Red Bull KTM und wird dort für Johann Zarco arbeiten. Er wird vom finnischen Electronic-Engineer Erkki Siukola zu Zarco begleitet, der schon für Ben Spies gearbeitet hat und in der Moto3-Klasse für das Husqvarna-Ajo-Werksteam.

Immer mehr zeichnet sich ab, dass Aprilia im Piaggio-Konzern die finanziellen Mittel und das Know-how fehlen, um gegen die anderen fünf MotoGP-Hersteller zu bestehen.

KTM besiegte Aprilia 2017 Jahr schon im ersten Jahr in der Marken-WM; für 2018 bahnt sich ein ähnliches Dilemma an.

Den Italienern fehlt wegen der mangelnden Erfolge ein zahlungskräftiger Sponsor. Die zahlreichen Defekte (auch im vierten Jahr) deuten auf eine verbesserungsfähige Qualitätskontrolle hin.

Manche Weiterentwicklungen werden offenbar zu rasch in den Rennbetrieb übernommen, ohne ausgiebige Ausdauertests.

Ein Testteam, das seinen Namen verdient, hat Aprilia in der MotoGP-WM seit 2015 nie gehabt. 2016 erwies sich Testfahrer Mike di Meglio als Reinfall. 2017 sollte Eugene Laverty diese Aufgabe übernehmen, aber er hatte neben der Superbike-WM nie ausreichend Zeit oder Interesse. In Sepang wollte er 2017 auch nicht für den verletzten Aleix Espargaró einspringen.

Für 2018 wurde Matteo Baiocco als MotoGP-Testfahrer von Aprilia engagiert.

Diese Neuigkeit rief bei den Mitbewerbern nur ein mitleidiges Schmunzeln hervor.

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