Valentino Rossi: Die zwei mageren Ducati-Jahre

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Vor der Saison 2011 stellte Valentino Rossi die Yamaha-Chefs vor die Wahl: «Lorenzo oder ich.» Als der Spanier einen neuen Vertrag bekam, nahm Rossi Reißaus und ging zu Ducati. Das erwies sich als schwerer Fehler.

Valentino Rossi gewann die MotoGP-Weltmeisterschaft für Yamaha 2004, 2005, dann triumphierten Nicky Hayden auf Honda und Casey Stoner auf Ducati, ehe der Superstar 2008 und 2009 die nächsten zwei Titel abräumte.

Aber nach dem ersten Titelgewinn seines jungen und aufmüpfigen Teamkollegen Jorge Lorenzo im Jahr 2010 nahm VR bei Yamaha beleidigt Reißaus. Er entschied sich für Ducati, die italienischen Medien bejubelten eine «himmlische Ehe», aber sie blieb erfolglos. «Schade, denn es ist das Höchste der Gefühle, als Italiener auf einem italienischen Fabrikat zu gewinnen. Das weiß ich aus meiner Aprilia-Zeit», seufzte der Superstar.

Rossi fuhr 2010 mit der Yamaha beim GP-Finale in Valencia auf Rang 3, tags darauf landete er beim ersten Test mit der widerspenstigen Ducati Desmosedic i nur auf Platz 17. Da wusste er, was es geschlagen hat und dass ihm zwei mühselige Jahre bevorstanden.

Es wurden zwei trostlose Jahre, in denen Valentino bewusst wurde, dass Yamaha auch an die Zukunft hatte denken müssen, als sie seinen Quälgeist Lorenzo ins Team holten.

Aber man sagte ihm damals nach, er habe die in seinem Besitz befindliche seine WM-Yamaha von 2009 aus Tavullia nach Borgo Panigale bringen lassen, Ducati habe dann das Alu-Chassis kopiert, das Karbon-Monocoque von Ing. Filippo Preziosio wurde ad acta gelegt.

Vor seinem Wechsel zu Ducati hatte Rossi die Yamaha-Rennmanager trotzig vor die Wahl gestellt: «Ihr müsst euch entscheiden – Lorenzo oder ich.»

Als Yamaha den Vertrag mit Lorenzo unbekümmert verlängerte, blieb VR46 nichts anderes übrig – er musste gehen. Aber nach zwei Ducati-Jahren konnte ihn nicht einmal mehr ein 17-Mio-Euro Angebot der Italiener locken – er kehrte zu Yamaha zurück, als Teamkollege von Lorenzo der 2012 abermals die WM gewonnen hatte.

In den Jahren 2011 und 2012 musste der damalige Ducati-Konstrukteur Ing. Filippo Prezioso (er sitzt seit einem Motorradunfall im Rollstuhl) von seinem Karbon-Monocoque Chassis Abstand nehmen, es wurden bei Suter, FTR und in Italien unterschiedliche Versionen eines Alu-Chassis gebaut. Bei Ducati gab es dazu kein Know-how, denn Casey Stoner hatte die WM 2007 noch mit einem Gitterrohrstahlrahmen gewonnen.

Rossi schaffte bei Ducati zwei Jahre keinen Sieg. So eine Schmach war ihm in der WM seit 1996 nie widerfahren. Bei Yamaha dauerte es 13 Jahre, bis er 2018 erstmals sieglos blieb.

Immerhin reichte es bei den Roten für drei Podestplätze: 2012 wurde er in Le Mans (im Regen) und Misano Zweiter, 2011 in Le Mans (im Regen) Dritter. In der Gesamtwertung kam Rossi bei Ducati über die Ränge 7 und 6 (mit 139 und 163 Punkten) nicht hinaus. Mit Yamaha sammelte er 2010 immerhin 233 Punkte, 2013 wieder 237, 2015 sogar 325 – also 23 mehr als in den zwei Ducati-Jahren zusammen.

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