Cal Crutchlow: «Gutes Jahr, um MotoGP zu verfolgen»

Von Frank Aday
MotoGP

Cal Crutchlow ist überzeugt, dass das Potenzial der neuen Honda RC213V noch nicht ansatzweise ausgeschöpft werden konnte. Zudem glaubt er, dass eine spannende Saison vor Fahrern und Fans liegt.

2015 sammelte Cal Crutchlow in der MotoGP-WM insgesamt 125 Punkte, er sicherte den achten Gesamtrang und war Dritter in Argentinien. 2016 tritt der Brite erneut für das LCR-Honda-Team an. Vor dem Test auf Phillip Island sprach er mit «motogp.com»

Den letzten Tag des Sepang-Tests hast du als Vierter beendet, als alle auf dem harten Reifen unterwegs waren. In der kombinierten Zeitenliste warst du Sechster. Glaubst du, dass das ein Anzeichen dafür ist, wo du 2016 stehen wirst?

Ich weiß es nicht. Ich war in der Gesamtwertung schon einmal Fünfter, es gibt also keinen Grund, warum mir das nicht wieder gelingen sollte. Es wird aber Jahr für Jahr schwerer, denn es scheinen alle immer schneller zu werden. Wir haben jetzt auch einige großartige junge Talente in der MotoGP-Klasse, wie Maverick [Viñales] zum Beispiel, die auch sehr schnell sind. Es wird schwieriger, in die Top-5 zu fahren, aber sie sind trotzdem mein Ziel.

Ich hatte zuhause eine gute Winter-Pause und habe versucht herauszufinden, wie ich schneller werde kann. Das betraf nicht meinen Fahrstil, sondern die Art, wie das Team alles angeht, ich arbeitete im Winter eng mit ihnen zusammen. Wir haben im Winter geschaut, wie wir uns steigern können. Darum dreht sich hier alles, nicht nur um das Motorrad, sondern auch um dich selbst als Fahrer. Wir schauen, wo sich alle verbessern können, nicht nur ich oder der Hersteller oder das Team.

Es gibt keinen Grund, warum wir nicht vorne mitmischen sollten. Natürlich wissen wir, dass es eine schwierige Aufgabe wäre, um den WM-Titel zu fahren, das muss eigentlich nicht gesagt werden. Ich bin realistisch. Dieses Jahr wäre das sowieso nicht möglich, aber das bedeutet ja nicht, dass ich es nicht trotzdem versuchen kann. Das bedeutet nicht, dass ich nicht daran glaube, dass wir in der Meisterschaft vorn dabei sein können. Schauen wir uns ein paar Ergebnisse vom letzten Jahr an, sage ich klar nein, aber bei manchen anderen sage ich, dass es möglich wäre. Wir werden sehen. Ich denke, dass es dieses Jahr viel offener ist, denn die Ducati-Fahrer werden sehr stark und viel konstanter sein. Honda hat noch Arbeit vor sich, aber wir werden in Katar definitiv mitkämpfen – hoffentlich. Yamaha ist immer da. Das wird für die Fans ein interessantes Jahr – im TV wie an der Strecke. Es wird ein gutes Jahr, um die MotoGP-WM zu verfolgen.

Welche Updates hast du in Sepang für die HRC getestet?

Ich habe einen neuen Motor getestet, das war aber nicht der Motor, den Marc und Dani hatten. Ich hatte am letzten Tag das Privileg, dass Honda mich gefragt hat, ob ich helfen könnte, denn das war überhaupt nicht geplant, sie haben das aber auch Tito [Rabat] gefragt. Das zeigt, wie sehr sie wirklich pushen und entwickeln wollen, denn Tito ist nicht gerade jemand, der im Moment sehr viel helfen kann, da er sich noch umstellen muss, aber sie wollten trotzdem seine Informationen.

Ich war in einer guten Position, um ihnen Daten zu liefern, denn ich war mit dem Motorrad die ganze letzte Saison unterwegs und dann die ersten beiden Tage. Am letzten Tag bin ich mit dem neuen Motor gefahren, oder besser gesagt mit einer Mittelversion der beiden. Nicht das neueste Update, aber den, den sie bei den Tests in Valencia und Jerez 2015 hatten. Daher konnte ich etwas Feedback dazu liefern. Wir haben ein paar Chassis-Abstimmungen probiert, aber abgesehen vom Motor keine anderen neuen Teile gehabt. Es waren aber nützliche Informationen für Honda, denn all ihre Fahrer haben unterschiedliche Fahrstile und sie müssen sich all diese Stile anschauen, damit sie den besten Weg herausarbeiten können.

Wir wissen, dass Marc in den letzten Jahren der schnellste von diesen Jungs war, aber vielleicht ist sein Fahrstil nicht der beste, um Motorräder zu entwickeln, das liegt Dani vielleicht mehr. Sie hören sich alle Stimmen an. Es ist ausgezeichnet, dass sie bei der Entwicklung ihr Vertrauen auch in die Satelliten-Fahrer setzen und dafür geben wir ihnen die bestmöglichen Informationen. Ich weiß, dass Honda darauf hört, was wir sagen. Es ist gut für sie, dass sie noch ein paar zusätzliche Informations-Quellen haben.

Wie sieht der Plan für den Test auf Phillip Island aus? Mehr Arbeit für das Werk oder konzentriert ihr euch auf das eigene Programm?

Wir sind uns momentan noch nicht sicher. Ich würde gern sehen, was wir testen können, aber ich würde sagen, dass der Motor, neben der Elektronik, Priorität hat. Wir müssen die Elektronik auf den Motor abstimmen. Sogar mit dem letztjährigen Motor hat die neue Elektronik nicht so gut funktioniert. Ich denke, dass die Priorität auf der Bewertung des Motors und der Anpassung der Elektronik liegt. Denn in Sepang waren wir alle auf der Honda ziemlich weit zurück. Ich denke aber, dass wir wichtige Informationen gesammelt haben und sie seither viel arbeiten. Ob ich dann den letztjährigen, mittleren oder diesjährigen Motor bekomme, das weiß ich momentan noch nicht, aber auf Phillip Island haben wir genug zu testen.

Es sind noch Dinge übrig, welche wir nicht mal letztes Jahr probieren konnten, dann haben wir unser Chassis noch nicht einmal abgestimmt. Das hat im Moment auch keine Priorität. Darum denke ich, dass die Honda viel mehr Potenzial hat, denn wenn man sich anschaut, auf was wir uns eigentlich konzentriert haben, wenn wir das alles auf einen Nenner bringen und auch in der Saison noch ein paar Änderungen an Schwinge oder am Chassis machen, dann könnte die Kombination aus allem richtig gut funktionieren. Auch das letztjährige Chassis ist im Moment ziemlich gut, darum arbeiten wir als Team und mit Honda nach einem täglich neuen Plan. Wir müssen nur geduldig sein, Geduld ist im Moment eine der wichtigsten Sachen. Wir wissen, dass viele andere Bikes um uns herum im Vergleich schon weiter sind. Darum sage ich, dass das Potenzial unglaublich groß ist, auch wenn wir im Moment noch einen langen Weg vor uns haben.

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