Kawasaki: Heftige Kritik an Superbike-Promoter Dorna

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Obwohl Weltmeister Jonathan Rea bei der Superbike-WM in Buriram einen Sieg und einen vierten Platz einfahren konnte und die WM-Führung übernahm, wird die Kritik von Kawasaki am Reglement immer lauter.

Nach den ersten beiden Events der Superbike-WM 2018 in Australien und Thailand wird immer deutlicher: Die von Promoter Dorna durchgesetzten technischen Regeländerungen sorgen dafür, dass sich die Leistungsdichte erhöht hat und die Dominanz von Kawasaki dahin ist.

Während die ZX-10RR von Weltmeister Jonathan Rea und Teamkollege Tom Sykes auf langen Geraden relativ leicht zu überholen sind, haben die beiden Briten fast keine Chance aus dem Windschatten heraus. Ihnen bleiben nur brutale Bremsmanöver als Mittel zum Überholen. «Ich habe in Buriram nur einen Fahrer aus dem Windschatten überholt, meinen Teamkollegen», spottete Rea.

In Buriram führte das dazu, dass die Bremsanlage an Sykes’ Bike im ersten Rennen überhitzte und der Engländer bis auf Platz 6 durchgereicht wurde. Rea hatte im zweiten Rennen dasselbe Problem, wurde aber immerhin Vierter und übernahm damit die WM-Führung.

«Wir haben ein unglaublich gutes Chassis, dieses erlaubt unseren Fahrern sehr spät und stark zu bremsen», schilderte Sykes’ Crew-Chief Marcel Duinker SPEEDWEEK.com. «In Buriram musste Tom die mangelnde Motorperformance, den von der Dorna durch die Regeln verordneten langsamen Motor, durch noch extremeres Bremsen kompensieren. Das hat die Bremsen überfordert. Wir reden von den letzten Prozent. Wenn die Bremse bis zu einer gewissen Temperatur funktioniert, und sie wird dann zehn Grad heißer, dann ist sie nicht mehr okay. Das sind Details, aber sie machen den Unterschied aus. Buriram ist wegen der Temperatur die schlimmste Strecke für die Bremsen. 2017 waren wir bereits am Limit, mit dem langsamen Motor dieses Jahr haben wir das Limit überschritten.»

Problematisch: Weil es seit Jahren einen Kostendeckel für die Bremsen gibt und sowohl Brembo als auch Nissin mit den Selbstkosten am Limit operieren, gibt es keine Entwicklung mehr.

Alle im Buriram-Fahrerlager waren der Meinung, dass Jonathan Reas Sieg im ersten Rennen letzten Samstag alleine auf seine fahrerische Extraklasse zurückzuführen ist. In aller Bescheidenheit wollte das der dreifache Champion so nicht hinnehmen: «Wenn man das gesamte Wochenende betrachtet, dann gab es bis zu fünf Piloten, die den Speed für den Sieg hatten. Ich glaube, im ersten Lauf war die Renneinteilung das Entscheidende. Ich war schnell und konstant.»

Promoter Dorna hat also erreicht, was sie wollten? Die Kawasaki-Dominanz ist gebrochen und die bisherigen Rennen waren allesamt spannend – sehr zur Freude der Fans.

«Ja, es scheint zu funktionieren, ich musste mir für den Sieg den Arsch aufreißen», meinte Rea. «Ich meine, auch 2017 war kein Selbstläufer, ich musste jede Runde auf dem Bike 100 Prozent geben. Ich habe zwar manchmal mit großem Vorsprung gewonnen, da habe ich aber auch alles gegeben. Jetzt ist es im Grunde dasselbe, ich muss aus der ZX-10RR alles herausholen, komme aber nur noch mit 1,5 sec Vorsprung ins Ziel. Ich wäre schon froh, wenn wir nur dieselbe Drehzahl wie die anderen Vierzylinder-Maschinen hätten.»

Die erlaubten Maximaldrehzahlen 2018:

Aprilia 14.700/min
BMW 14.700/min
MV Agusta 14.700/min
Yamaha 14.700/min
Suzuki 14.700/min
Honda 14.300/min
Kawasaki 14.100/min
Ducati Twin 12.400/min

«Alle Vierzylinder-Maschinen dürfen dieses Jahr mit 14.700/min fahren, nur Kawasaki hat man auf 14.100/min eingebremst», kritisiert Kawasakis Superbike-Projektleiter Yoshimoto Matsuda. «Wir haben 600/min weniger als unsere härtesten Gegner. Sollten wir sehr erfolgreich sein, müssen wir die Drehzahl um weitere 250/min reduzieren. Kawasaki bekommt diese Herausforderung aufgebrummt, weil wir zu erfolgreich waren. Aber wir hatten schon immer eine kämpferische Einstellung. Wir geben niemals auf, wir haben den Ninja Spirit!»

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