Honda: Lohnt sich das Risiko mit Magneti Marelli?

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Leon Camier mit seinem Crew-Chief Dino Acocella

Leon Camier mit seinem Crew-Chief Dino Acocella

Um sich ein klareres Bild von der Leistungsfähigkeit der Magneti-Marelli-Elektronik zu machen, testet Red Bull Honda vor dem Europa-Auftakt der Superbike-WM in Spanien zwei Tage in Assen.

Vor dem Europastart vom 13. bis 15. April im MotorLand Aragón muss Honda die Elektronik für die Superbike-WM 2018 homologieren. Entweder geht es mit der bisherigen von Cosworth weiter, oder es wird zu Marktführer Magneti Marelli gewechselt.

Das Reglement schreibt vor, dass alle Teams eines Herstellers mit derselben Hard- und Software ausrücken müssen, seit Jahren gibt es einen Kostendeckel für die Elektronik. So wird gewährleistet, dass die Kosten nicht ausufern, und dass Kundenteams über das gleiche Material wie die Nummer-1-Teams verfügen.

Problematisch für Honda: Während Leon Camier und Jake Gagne aus dem Red-Bull-Team die ersten vier Rennen in Australien und Thailand mit Cosworth bestritten, verwendete das Satelliten-Team Triple-M mit Patrick Jacobsen Magneti Marelli.

Honda hatte dafür vom Motorrad-Weltverband FIM eine Ausnahmegenehmigung. Kein Unikum: Auch bei Crescent Suzuki wurde schon mal ein Auge zugedrückt.

Doch bis Aragón muss sich Honda auf ein System festlegen.

«Das ist eine schwierige Entscheidung», stöhnte Camier im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Es ist nicht so, dass man das Marelli-System anstöpselt und es läuft. Es braucht viel Zeit, um alles einzustellen. Ich muss den Technikern genau erklären, wie die Traktionskontrolle arbeiten soll, in welchen Momenten sie wie eingreifen soll. Dasselbe gilt für die Motorbremse. Wenn wir auf Marelli umsteigen, dann werden wir einige Rennen zu kämpfen haben. Vielleicht eines, vielleicht zwei, ich kann es nicht sagen. Das ist frustrierend, aber Marelli hat mehr Potenzial. Vielleicht haben wir einige Rennen Probleme, stehen dann aber besser da. Wir müssen eventuell einen Schritt zurück machen, um später ein bisschen besser zu sein. Vielleicht ist Marelli aber auch besser, als wir jetzt denken. Ich bin ja schon damit gefahren, da gab es Raum für Verbesserungen.»

Es zeichnet sich ab, dass auch 2019 alle Hersteller mit ihrer eigenen Elektronik fahren können und es kein einheitliches Steuergerät geben wird.

Ist es in Anbetracht dessen gescheiter, mit Cosworth weiterzumachen? «Ich habe keine Antwort darauf», gab der Engländer zu. «Bleiben wir bei etwas das gut arbeitet, oder wechseln wir zu etwas, das in der Zukunft potenziell besser ist? So lange wir nicht an dem Punkt angelangt sind, wissen wir nicht, um wie viel Marelli besser ist oder sein kann. Als ich letztmals damit fuhr, war das System nicht besser.»

Du bist vor deiner Honda-Zeit mit der Werkselektronik von Aprilia gefahren, bei Suzuki mit Motec, bei MV Agusta mit Magneti Marelli und auch die Elektronik von BMW lerntest du schon kennen. Wie gut ist die Cosworth-Elektronik? Camier: «Sie ist gut – gut genug, um konkurrenzfähig zu sein. Das haben wir die letzten Events bewiesen. So lange wir nichts haben, was wirklich besser funktioniert… Die Traktionskontrolle und Motorbremse bekommen wir mit Marelli wahrscheinlich schnell gut zum Arbeiten. Mal sehen, wie der Assen-Test läuft.»

Jacobsen leistete mit seinem Triple-M-Team die letzten Wochen viel Vorarbeit mit der Marelli-Elektronik, hat auf die Entscheidung aber keinen Einfluss. Der New Yorker nimmt es, wie es kommt: «Das ist die Entscheidung von Honda. Keine Ahnung, wie diese aussehen wird. Ich bin Angestellter von Honda, das Team ist hier um Rennen zu fahren, wir fahren, wie immer die Entscheidung getroffen wird. Bislang war ich alleine mit dem System von Magneti Marelli und habe es zusammen mit dem Team entwickelt. Red Bull arbeitet seit vielen Jahren mit Cosworth, sie haben viele Daten. Aber wir sind mit dem Marelli-System inzwischen an einem Punkt angelangt, wo es recht gut funktioniert.»

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