Ducati mit Hinterrad-Spoiler: Das Verbot kam sofort

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM

Weil das Regelwerk für die Superbike-WM gewisse Freiheiten bei der Gestaltung der Verkleidung lässt, kam Ducati mit einem «Wasserabweiser» nach Imola. Und musste ihn nach nur einem freien Training wieder abmontieren.

Weil Gigi Dall’Igna, General Manager Ducati Corse, als Einziger das technische Reglement wortgetreu las, wurde der beim MotoGP-Auftakt im März in Katar erstmals eingesetzte Spoiler, an der Schwinge vor dem Hinterreifen montiert, für legal erklärt.

Im Aerodynamik-Regelwerk der MotoGP-Klasse heißt es: Der Flügel darf nicht mit der vorrangigen Absicht angebaut werden, dass er einen aerodynamischen Effekt erzielt. Dall’Igna hielt fest, der erzeugte Anpressdruck betrage nur 3 bis 4 Kilogramm bei 180 km/h. Aber der Hinterreifen werde um durchschnittlich 7 Grad abgekühlt. Und das sei der Hauptgrund für die Verwendung des Hinterradflügels, den sich Ducati in Valencia 2018 bei Yamaha abgeschaut hat. Dort wurde er als «Wasserabweiser» definiert.

Im dritten freien Training bei der Superbike-WM in Imola tauchte Ducati am vergangenen Samstag zum ersten Mal mit einem ähnlichen Flügel an den V4R des Werksteams auf. Dieser ist aber nicht an der Einarmschwinge befestigt, sondern ein Fortsatz der unteren Verkleidung.

Wieder einmal hat Dall’Igna eine Lücke im Reglement gefunden. In Paragraph 2.4.10.11. heißt es, die Verkleidung muss +/- 15 mm jener des homologierten Serienmotorrads entsprechen, womit ein solches Anbauteil nicht erlaubt wäre.

Doch es gibt eine Grauzone.

«Das Unterteil der Verkleidung muss laut Reglement geschlossen sein, einige der Bikes haben in Serie dort aber keine Verkleidung», erklärte Scott Smart, SBK Technical Director des Motorrad-Weltverbands FIM. «Man kann also nicht sagen, dass dieser Verkleidungsbereich wie am Serienmotorrad gestaltet sein muss. Deshalb gibt es dort eine gewisse Flexibilität bei der Auslegung des Erlaubten – doch es gibt ein Limit. Hersteller und Teams haben in der Vergangenheit in diesem Bereich schon öfters einen Wasserabweiser angebracht, das ist kein aerodynamisches Hilfsmittel.»

Der Engländer gegenüber SPEEDWEEK.com weiter: «Wenn es regnet, spritzt das Wasser vom Vorderrad unter der Verkleidung nach hinten aufs Hinterrad, das soll dadurch verhindert werden. Also fragte Ducati zu Saisonbeginn auf Phillip Island, ob sie einen Wasserabweiser anbringen dürfen. Ich sagte ja, zum ersten Mal sah ich dieses recht große Anbauteil in Imola am Motorrad. Im Gegensatz zur MotoGP-WM haben wir diese Aerodynamik-Diskussionen nicht, weil die Verkleidung plus/minus jener der Serienmaschine entsprechen muss – außer im unteren Bereich.»

Dazu sagt Absatz a) des angesprochenen Regelparagraphen, dass die Verkleidung und Kotflügel «grundsätzlich» jenen der homologierten Serienmaschine entsprechen müssen.

Weil dieser Punkt gewisse Freiheiten lässt, unterscheidet die FIM zwischen Superstock, Supersport und Superbike. Superstock muss mit dem Serienbike identisch sein. Supersport erlaubt eine gewisse Flexibilität der Gestaltung der Verkleidung, Superbike noch mehr.

Kritiker sagen, die Umschreibung «grundsätzlich» nehme dem Regelwerk die Entscheidungsgewalt ab und spiele sie in die Hände der FIM-Offiziellen. «Das ist richtig», stimmte Smart zu. «Am Ende muss jemand entscheiden, wenn es so extreme Lösungen gibt. Die besten Beispiele sind die alten Ducati Panigale oder Yamaha R1. Dort musste der gesamte Unterzug gestaltet werden, dafür braucht es eine gewisse Flexibilität in den Regeln. Letztlich habe ich Ducati in Imola nicht erlaubt damit zu fahren. Diese Woche werden wir der Herstellervereinigung MSMA mitteilen, dass wir die Regeln in diesem Punkt für nächstes Jahr konkretisieren möchten, dann sind sie für jeden klar.»

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