SBK-Reglement: Das 1000 ccm Hubraumlimit wackelt

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Die Aprilia RSV4 Factory darf nicht in der Superbike-WM starten

Die Aprilia RSV4 Factory darf nicht in der Superbike-WM starten

Bei Serienmotorrädern zeichnet sich der Trend zu immer mehr Hubraum ab. Um Hersteller wie Aprilia nicht dauerhaft zu verlieren, ist mittelfristig eine Anpassung des Superbike-Reglements zu erwarten.

Bei seinen Superbikes mit V2-Motoren ist Ducati im Serientrimm bei gewaltigen 1299 ccm angekommen, für die Superbike-WM war aber nur die Panigale R mit 1199 ccm homologationsfähig. Um mit dem neuen V4-Bike startberechtigt zu sein, musste der Hersteller aus Bologna das Sondermodell V4R mit 998 ccm auflegen – das Standard-Modell hat 1103 ccm.

Auch Aprilia hat den Hubraum der RSV4 für das Modelljahr 2019 auf 1078 ccm erhöht. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die japanischen Hersteller und BMW in diese Region vorstoßen werden. Neu ist der Ansatz nicht: Die exotische Norton V4 hat 1200 ccm. MV Agusta hat den Vierzylinder-Motor der Brutale 1090 mit 1078 ccm, diesen aber nie in eine F4 transplantiert.

Entscheiden sich die Hersteller zunehmend für mehr als 1000 ccm, muss entweder mittelfristig das Reglement der Superbike-WM angepasst und der Hubraum erhöht werden, oder die Motorradmanufakturen müssen Sonderserien bauen. Bisher legen Kawasaki und Yamaha zwar Kleinserien ihrer Serienmotorräder auf, die für die Superbike-WM optimierten Modifikationen sind aber eher geringfügig. Nur Ducati entwickelte sein Motorrad speziell für die Rennstrecke.

Da aktuell nur noch 500 Maschinen innerhalb zwei Jahre für eine Homologation gebaut sein müssen, kann sich daraus sogar ein lukratives Geschäft entwickeln, wie Ducatis Sportdirektor Paolo Ciabatti weiß.

«Ducati ist bekannt dafür, spezielle Sportmotorräder zu bauen», erzählte der Italiener SPEEDWEEK.com. «Wann immer wir eine besondere Maschine mit Technik auf dem letzten Stand gebaut haben gab es Kunden, die glücklich darüber waren dieses Produkt zu kaufen. Das begann mit den SP-Modellen, dann kam die SPS und so weiter. Wir bauten die Superleggera, die um die 80.000 Euro kostete. Deren Auflage von 500 Stück verkauften wir sehr schnell. Deshalb ist auch die Panigale V4R eine gute technische Fingerübung, mit der Akrapovic-Auspuffanlage hat sie 234 PS. Für uns ist es nicht so schwierig, solche Motorräder zu verkaufen. Und sie geben uns die Möglichkeit spezielle Modelle zu bauen, die auch guten Gewinn für die Firma abwerfen. Es zeigt sich zunehmend, dass das heutige Hubraumlimit von 1000 ccm immer weniger Sinn macht. Wenn du die Leistung und das Drehmoment mit 100 ccm mehr leicht steigern und damit ein sehr gutes Sportmotorrad für normale Kunden bauen kannst, warum nicht? Deshalb wurde die V4 als 1100er gebaut.»

Habt ihr bei SBK-Promoter Dorna oder dem Motorrad-Weltverband FIM wegen einer Hubraumerhöhung angefragt? «Bislang nicht», so Ciabatti. «Ich weiß auch nicht, ob es so kommen wird. Das hängt davon ab, ob alle Hersteller diesbezüglich die gleichen Vorstellungen haben. Wenn mehrere Hersteller diese Idee haben, dann werden wir das untereinander diskutieren und es anschließend eventuell der FIM und Dorna vorschlagen. Im Moment ist das Thema aber nicht auf dem Tisch, weil die Japaner ihre Bikes nach wie vor mit 1000 ccm bauen.»


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