Nach schwerem Crash: Matteo Bertelle und der Weg zurück an die Moto3-Spitze
Moto3-Pilot Matteo Bertelle spricht im Podcast «Mig Babol» so ausführlich wie nie über die Folgen seines Unfalls im Frühjahr 2025, über einen Körper außer Kontrolle und den Wunsch Moto2.
Es war der stärkste italienische Auftritt der bisherigen Moto3-Saison 2026: Auf dem Sachsenring holte Matteo Bertelle mit sieben Tausendstelsekunden Vorsprung auf Marco Morelli Platz 3. Nach Le Mans war es das zweite Podest des Jahres, diesmal im Trockenen. Im Podcast «Mig Babol» von Andrea Migno hat der 22-Jährige aus Monselice nun gemeinsam mit Teammanager Alessandro Tonucci und Cheftechniker Federico «Frigno» Fernani über das gesprochen, was zwischen diesen Podestplätzen und seinem Karrierehoch vom Frühjahr 2025 liegt.
Der Unfall bleibt eine Zäsur im Leben von Bertelle
Bertelle war 2025 mit zwei Pole-Positions in Thailand und Argentinien sowie Rang 3 in Austin gestartet, als ihn am 6. April ein Unfall stoppte. LEVELUP MTA bestätigte damals Brüche im rechten Schienbein und am linken Oberarm, doch zum Hergang gab das Team nie Auskunft, die Familie hatte um Diskretion gebeten.
Auch im Podcast blieb dieser Punkt offen. Bertelle erzählte vom Motocross-Training, vom Waschen der Maschine zu Hause, die Schilderung des Unfallhergangs ließ er bewusst aus: «Mein Bruder war da und hat meinen Papa gerufen. Dann hat mein Papa den Notruf gewählt, und der Helikopter kam.» Geflogen wurde er nach Padua.
Wie gravierend die Kopfverletzungen waren, wurde erst im Sommer 2025 öffentlich: Bertelle lag im künstlichen Koma. Die Wochen danach beschreibt er nun selbst. Es ging nicht darum, Rennen zu fahren, sondern wieder aufrecht zu stehen. «Ich hatte Mühe zu stehen», sagte er über die ersten Tage. Bei den Heimbesuchen aus dem Spital habe er im Auto kapitulieren müssen: «Wenn mein Papa fuhr, musste ich die Augen schließen, sonst…» Über die Clinica Mobile kam der Kontakt zu einer Ärztin zustande, dann folgten Gleichgewichtsübungen. Alle drei, vier Tage war der Fortschritt messbar. Im Mai verließ er das Spital, im Juli/August war er nach eigener Aussage wieder bereit. Das Comeback gelang in Motegi.
Gewichtszunahme bremste ihn aus
Hinzu kam ein zweites Problem, über das er bisher nicht öffentlich gesprochen hatte. Von August bis November 2025 legte er zu, ohne sein Körpergewicht kontrollieren zu können. «Ich war ein Ball, ein Ballon. Ich war bei über 65 Kilo und habe nicht verstanden, warum mein Körper nicht abschwoll, obwohl ich nichts gegessen habe.» Inzwischen liege er wieder bei 60 bis 61 Kilo. Was das in der Moto3 bedeutet, rechnete er über eine Runde vor: Das Mindestgewicht von Fahrer, Bekleidung und Motorrad beträgt 152 kg, die KTM allein wiegt laut Fernani 82 bis 85 kg, Kombi, Helm und Stiefel nochmals rund 10 bis 11 kg. Bleiben etwa 59 Kilo – nackt. Dass die Klasse mit dieser Rechnung ein strukturelles Problem hat, ist im Paddock seit Jahren Thema. Vorschläge, das Fahrergewicht mit einem Pauschalwert einzusetzen, liegen seit der Anhebung des Mindestalters auf 18 Jahre auf dem Tisch.
Bertelle macht kein Geheimnis daraus, wohin er will: Die Moto3 werde ihm zu klein, zu Hause trainiere er nicht, um besser zu werden, sondern um leicht zu bleiben. Tonucci, 2012 in Motegi selbst auf dem Moto3-Podest und seit 2016 im Management, hält dagegen: In die Moto2 gehöre man erst, wenn man in der Moto3 wirklich vorne war und bei einem guten Team einsteigen könne, sonst komme der Aufstieg zur Unzeit. Aktuell ist Bertelle WM-Neunter und bester Italiener der Klasse. Sein erklärtes Saisonziel sind die Top-5.
Ohne die Vertragsverlängerung mit LEVELUP MTA nach dem Unfall, sagte Bertelle, wäre er heute wohl zu Hause bei seinem Vater – und würde Mortadella schneiden.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach






