Superbike-WM in Finnland? Ab 2017 ist alles möglich

Von Günther Wiesinger
Superbike-WM
So soll der Kymi Ring aussehen

So soll der Kymi Ring aussehen

In Skandinavien sahen wir erst zweimal Rennen der Superbike-WM: 1991 und 1993 im schwedischen Anderstorp. Jetzt wird 110 km nordöstlich der finnischen Hauptstadt Helsinki der «Kymi Motorsport Parks» gebaut.

Bis 1982 fand auf dem gefährlichen Straßenkurs von Imatra, rund 4 km von der russischen Staatsgrenze entfernt, der finnische Motorrad-GP statt, traditionellerweise immer eine Woche nach dem Schweden-GP von Karlskoga oder Anderstorp.

Imatra/Finnland war von 1964 bis 1982 GP-Schauplatz, vorher wurde 1962 und 1963 in Tampere gefahren.

Doch danach wurden nur noch permanente Rennstrecken für die Grands Prix homologiert, und im Gegensatz zu anderen Ländern wie Kroatien (Rijeka) und Tschechien (Brünn) brachte Finnland kein GP-würdiges Autodrom zustande.

Die Entwicklungen in der Superbike-WM verliefen ähnlich, seit 1993 im schwedischen Anderstorp fanden in Skandinavien keine WM-Läufe mehr statt.

Verhandlungen laufen

Jetzt verhandelt Dorna Sports mit den Hintermännern des Kymi Motorsport Parks, die rund 110 km nordöstlich von Helsinki in Kausala eine 4,8 km lange Rennstrecke planen, bauen und finanzieren.

Nach der Fertigstellung im Laufe des Jahres 2016 wird der «Kymi Ring» die erste «FIA Grade 2»-Rennstrecke in Finnland sein. Die Streckenbetreiber bemühen sich um einen Motorrad-GP für die Saison 2017, auch an der Superbike-WM besteht Interesse.

«Die Finnen arbeiten sehr professionell, sie haben alle Pläne und Unterlagen, die wir verlangt haben, sehr pünktlich eingereicht und geliefert», sagte Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

Aber bisher sind die Baukosten nicht restlos gesichert, obwohl die Landesregierung und alle zuständigen Minister hinter dem Rennstreckenbau stehen. Außerdem muss ein Promoter gefunden werden, welcher der Dorna die Austragungsgebühr zusichert.

Kein Interesse an Formel 1

Die Finnen sprechen von einem «state of the art»-Schauplatz, die Piste soll allen Anforderungen genügen, und könnte sogar jenen der Formel 1 gerecht werden. Trotzdem rechnet vorläufig niemand mit einem finnischen Formel-1-GP.

«Der Kymi Ring wird zwar sicher für die Formel 1 homologiert werden, aber ein Grand Prix der Formel 1 ist nicht Bestandteil unserer Pläne und war es auch nie», erklärte Kari O. Sohlberg, Präsident des finnischen Motorsportverbands, gegenüber omnicorse.it. «Die Formel 1 ist kein realistisches Ziel für uns, weil jedes Jahr eine Unmenge Geld dafür aufgebracht werden muss. Es wäre für uns unmöglich, diese Riesenbeträge für die GP-Austragungsrechte zu finanzieren. Diese Summen lassen sich in Finnland nicht auftreiben. Aber Rennserien wie MotoGP und Superbike-WM, GP2, GP3 oder DTM würden perfekt zu uns passen.»

Schon 2009 existierten in Finnland von Pohjola Racing Rennstreckenpläne, diese wurden jetzt von den Kymi Ring-Betreibern teilweise übernommen und den neuen Anforderungen der FIA und FIM angepasst. Es soll möglichst wenig Land für die Rennstrecke beansprucht werden, außerdem soll die Arena für eine möglichst breite Palette von Veranstaltungen genutzt werden können, zumindest auch für Rallyecross, Supermoto und so weiter.

Die finnische Regierung und die Regionalregierung von Kuovola und Iltti unterstützen das Projekt seit 2014, die Bauarbeiten sind weit fortgeschritten. Der 4,8 kam lange Kurs wird 15 Kurven beinhalten und soll fahrerisch und bei den Sicherheitsvorkehrungen den höchsten Ansprüchen genügen.

Übrigens: Der «Kymi Ring» hat nichts mit Ferrari-Star Kimi Raikkönen zu tun, er wurde nach einer angrenzenden Ortschaft benannt.

In der Superbike-WM 2016 sehen wir 14 Austragungsorte, mehr als 15 sollen es laut Dorna nie werden. Problematisch für Finnland: Das dünn besiedelte Land (nur 5,5 Millionen Einwohner) hat für die Hersteller der seriennahen Meisterschaft keine Marktrelevanz. BMW, Ducati und den japanischen Firmen sind Rennen in Asien wesentlich wichtiger, vor allem eines in Indonesien. Auch Rennen in Südamerika oder Südafrika genießen eine höhere Priorität. Sicher ist: 2017 wird erstmals in Indien gefahren.

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