«Wiggy war der letzte grosse Trompeter»

Kolumne von Egon Müller
Speedway
Simon Wigg (33) verstand sich zu vermarkten

Simon Wigg (33) verstand sich zu vermarkten

Wie armselig es um die deutschen Speedway-Fahrer bestellt ist, wird mir öfters vor Augen geführt. Die Fahrer heute sind nicht mehr so hungrig, wie wir es früher waren.

Letztes Jahr bin ich bei einem Showrennen bei den German Polo Masters auf Sylt gegen ein Pferd um die Wette gefahren – und schon war ich auf drei Titelseiten norddeutscher Zeitungen.

Von den aktuellen Fahrern sehe ich höchstens 2-Spalter, maximal mit Schwarzweiss-Foto. Dass der Bahnsport weiterhin auf die Bedeutungslosigkeit zurast, ist zu einem guten Teil Schuld der Fahrer. Das grösste Problem, weshalb bei ihnen nichts vorwärts geht, ist, dass bei ihnen der Kühlschrank voll ist. Sie machen nichts falsch – sie machen nur nichts.

Wir haben jede Menge Fahrer, die kompetent genug sind, in meine Fussstapfen zu treten – zumindest von den Sprüchen her. Du kannst aber nur eine grosse Klappe haben, wenn du auch gewinnst. Doch was nützt es dem Sport, wenn die Weltmeister keiner kennt, weil sie die Zähne nicht auseinander bekommen?

Karl Maier hat Fans und Medien unterhalten, Martin Smolinski macht mit guten Geschichten wie zuletzt in «Galileo» auf ProSieben auf sich aufmerksam. Der letzte grosse Trompeter nach Ende meiner Karriere war aber Simon Wigg. Er hat verstanden, worum es im Sport geht.

Vielen heutigen Fahrern würde es gut tun, sich intensiver mit den Medien zu beschäftigen, so wie ich damals. Ich würde ihnen raten, von Montag bis Freitag vor dem NDR herumzulungern, bis ihnen mal ein Sportredakteur über den Weg läuft. Den müssen sie dann belabern und belegen, dass sie eine ganz grosse Nummer sind und jedes Wochenende zu den Besten der Welt gehören.

Ich habe mal eine Studie erhoben, wie viele Zuschauer mich in einem Jahr gesehen haben und kam auf die irre Zahl von 720 000. Als es noch keine Handys gab, habe ich mir selbst eins gebaut und bin den Redakteuren so lange auf den Sack gegangen, bis die Titelseiten voll waren.

Anstatt ihre Arbeit richtig zu machen, geht es den heutigen Fahrern eher darum, einen riesigen Sprinter mit einer Disco-Boxenanlage drin zu fahren. Dann kommt das Gejammer mit den Motoren. Die jetzigen Bahnmotoren haben alle so um die 70 PS. Viele meinen, ihr Geld den Tunern in den Rachen werfen zu müssen, damit sie schneller werden. In erster Linie kommt es aber darauf an, was man mit dem Gasgriff anstellt.

Ich kann all das Gelaber nicht mehr hören, viele haben keine Ahnung, wie der Sport funktioniert. Auch von der Fitness sind die meisten auf einem miesen Stand. Wenn ich mit ihnen mal Fitnesstraining gemacht habe, fingen sie schon an zu heulen, als der Oberarm 2 mm dicker wurde; danach haben sie das Handtuch geworfen. Worin alle gleich sind, ist die Prozedur nach dem Rennen. Erster Stopp nach der Rennbahn ist immer McDonald’s: schön Ein-Euro-Burger-Wettessen. Und dann wundern sie sich, dass die Muskulatur ab- und nicht aufbaut.

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