NRT-Boss Vafi Khan: «Reynders hat mir viel gestohlen»

Von Ivo Schützbach
Supersport-WM

NRT-Eigentümer Vafi Khan hat SPEEDWEEK.com E-Mails, WhatsApp-Nachrichten, Verträge und Kontoauszüge zur Verfügung gestellt, die aufzeigen sollen, dass er im Streit mit seinem Ex-Teammanager Gary Reynders im Recht ist.

«Ich bin 29 Jahre jung und neu im Fahrerlager, niemand kennt mich», sagt Vafi Khan, ein seit zwölf Jahren in Dubai lebender Inder, der dort ein Motorradgeschäft betreibt, selbst Rennen fährt und sich mit dem Supersport-WM-Team NRT Yamaha mit Jules Cluzel und Thomas Gradinger einen Lebenstraum erfüllt hat. «Ich bin dankbar, dass mir das Team hilft und mir vertraut. Wir sind kein Werksteam mit Millionenbudget, wir haben nicht mal einen Hauptsponsor. Wir haben lediglich einige technische Partner, die uns unterstützen. Ich habe meine ganzen Ersparnisse zusammengerafft und lebe jetzt meinen Traum.»

Seit Mitte April, dem Europa-Auftakt in Aragón, lastet ein Schatten auf diesem Traum. Zwischen Khan und dem ehemaligen Teammanager Gary Reynders gibt es einen heftigen Streit über die Eigentumsverhältnisse des Materials.

«Die Motorräder und Frachtkisten gehören mir, sie laufen alle auf meinen Namen», sagt Reynders. «70 Prozent aller Ersatzteile gehören ebenfalls mir. Und der Lkw-Auflieger.»

Gary Reynders und Vafi Khan legten SPEEDWEEK.com verschiedene Dokumente vor, die beweisen sollen, wer der Eigentümer ist. Kontodetails wurden von SPEEDWEEK.com geschwärzt.

So gibt es die Rechnungen 121 bis 126/05.12.2017 für den Kauf von sechs Yamaha YZF-R6R 2017, ausgestellt von der Firma Yart GmbH in Heimschuh und adressiert an Gary Reynders Firma Gaz66 Ltd in Leicester. Pro Motorrad wurden netto 9500 Euro in Rechnung gestellt, gesamt 57.000 Euro.

Von der Splitlath Group wurde am 5. Dezember 2017 die Rechnung 507 für den Lkw-Auflieger über 54.000 Pfund (inkl. Mwst.) ausgestellt, ebenfalls an die Firma von Gary Reynders.

Von beiden Firmen gibt es Rechnungen mit vorhergehenden Rechnungsnummern oder jüngeren Datums über die gleichen Teile an die Rechnungsadresse von Nerds Motorcycle Repairing Garage LLC in Dubai.

Khan legte SPEEDWEEK.com eine Rechnung von Gary Reynders Frau Andrea Reynders vom 4. Dezember 2017 über 120.773 Pfund vor, in der die sechs Motorräder und der Lkw-Auflieger aus den oben genannten Rechnungen aufgeführt sind.

Andrea und Gary Reynders bezeichnen diese Rechnung übereinstimmend als Fälschung und versichern, diese nie gestellt zu haben.

Wurde diese Rechnung beglichen, was SPEEDWEEK.com wegen fehlender Bankauszüge nicht überprüfen kann, ist Khan der mutmaßliche Eigentümer.

Eigentümer ist für gewöhnlich, wem das für das Material aufgewendete Geld gehört hat. Khan unterstreicht, dass sein Geld, mehrere hunderttausend Euro, nie als Sponsoring gedacht war, sondern um das nötige Material zu kaufen. Reynders hingegen spricht von Sponsorgeld.

Ein Schriftstück, in dem von reinem Sponsoring die Rede ist, legte keine der beiden Parteien vor.

Außerdem stellt sich die Frage, weshalb Vafi Khan seinem angestellten Teammanager Spsonsorgeld bezahlen soll, wo doch dem Inder das Team gehört.

SPEEDWEEK.com sprach mit Vafi Khan, dem Mann hinter dem Team NRT Yamaha.

Vafi, du wirfst Gary Reynders vor, dass er Dokumente gefälscht hat. Kannst du das näher erklären?

Mein Wohnsitz ist in Dubai, ich habe keine Firma in Europa. Wenn du mir als Firma eine Rechnung schreibst, überweise ich das Geld und bezahle damit die Rechnung. Technisch gesehen gehört das Gekaufte mir.

Ich habe Geld an Gary überwiesen, damit er Rechnungen bezahlen kann, weil er in Europa lebt. Wir mussten den Auflieger bezahlen, die Motorräder und so weiter.

Gary ging zu Zulieferern und sagte diesen, dass ich in Schwierigkeiten stecke und nicht in der Lage wäre, Geld zu schicken. Deshalb hat er Rechnungen auf seinen Namen ausstellen lassen. Er hatte das Geld aber bereits von mir erhalten und hat mit meinem Geld bezahlt.

Ist es richtig, dass in Aragón die Polizei Reynders gestoppt und ihn gezwungen hat, den Lkw zurück ins Fahrerlager zu bringen?

Das stimmt. Thomas Kubiak und Eric Mahé, der Manager von Cluzel, haben mir sehr geholfen. Sie gingen in Aragón zur Polizei und meldeten den Truck und seinen Inhalt als gestohlen.

Würde der Truck Reynders gehören: Warum hätte ihn die Polizei gestoppt? Warum haben sie ihn gezwungen, den Lkw zurück zu fahren?

Reynders wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen?

Wir hatten zwei Möglichkeiten: Die Polizei sperrt ihn ein und behält den Lkw. Erst wenn alles geklärt wäre, hätten wir den Lkw zurückbekommen. Dann hätten wir aber das Rennen nicht fahren können.

Die andere Möglichkeit war, wir lassen Reynders laufen und bekommen dafür den Lkw.

Wie geht es in eurem Rechtsstreit weiter?

Ich habe einen Rechtsanwalt genommen und will Reynders vor Gericht bringen. Wir haben nichts zu verbergen, sind im Besitz aller nötigen Bankdokumente und können die Transaktionen belegen. Wenn ich zum Beispiel 50.000 Euro überweisen möchte, muss ich meiner Bank eine Rechnung als Grund für die Überweisung vorlegen.

Über welchen Streitwert reden wir?

Der Wert des Aufliegers beläuft sich auf 54.000 Pfund. Dazu kommen die Motorräder und Frachtkisten.

Du wirfst Reynders auch Unterschlagung vor: In welcher Größenordnung?

Das kann ich nicht genau beziffern. Aber was er mir gestohlen hat, ist beträchtlich. Ich gehe von 100.000 bis 150.000 Euro aus.

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