Jari-Matti Latvala: «Telefonat hat mich gerettet»

Von Christian Schön
WRC

Der Finnland-Sieger zu mentaler Stärke, WM-Hoffnungen und Siegchancen auf Asphalt

Wie hast Du es geschafft, die Nerven zu behalten, als Dir am Samstag das berühmte Schlagloch die Bremse kaputt gehauen hat?
Ich habe als erstes mit meinem Renningenieur telefoniert. Er hat mir Anweisungen gegeben, wie ich den Schaden notdürftig reparieren kann. Danach habe ich mit meinem Mentaltrainer Christoph Treier gesprochen, der mich moralisch wieder aufgebaut hat.

Wie ist ihm das gelungen?
Er hat mich an eine ähnliche Situation vor ein paar Jahren erinnert. Damals habe ich nach ein paar Kilometern gemerkt, dass mit drei Rädern bremsen gar nicht so schlimm ist. Dieses Telefonat hat mich gerettet.

War es dieses Mal genauso?
Ja. Es hat etwa fünf, sechs Kilometer gedauert, dann hatte ich mich an das geänderte Fahrverhalten gewöhnt. Ich habe nur etwa eine halbe Sekunden pro Kilometer gegenüber Sébastien Ogier verloren. Das war schon nicht sooo schlecht.

Du hast die ganze Rallye über extrem motiviert gewirkt . . .
Ich glaube, ich habe mich noch auf keine Rallye so intensiv vorbereitet wir hier. Ich wollte diese Rallye unbedingt gewinnen. Seitdem kein finnischer Fahrer mehr die Rallye Finnland gewonnen hat, ist das Interesse der Fans etwas abgeflaut. Wir haben die beste Rallye der Welt. Diese Durststrecke für die Fans musste beendet werden. Im Ziel der letzten Wertungsprüfung hat außerdem meine ganze Familie auf mich gewartet. Die konnte ich ebenfalls nicht enttäuschen.

Wie sehr hat Dich das Duell mit Sébastien Ogier zusätzlich angespornt?
Als durch das Problem mit der Bremse der Abstand zu Séb nur noch drei Sekunden betrug, habe ich beschlossen: Schon zwei Mal habe ich in einer ähnlichen Situation mir von ihm den Sieg noch abnehmen lassen, das wird ihm nicht ein drittes Mal gelingen.

Als nächstes steht die Rallye Deutschland an. Kannst Du Sébastien Ogier auch auf Asphalt besiegen?
Bei der Rallye Deutschland wird es sehr schwierig, wenn Séb kein Problem hat. Bessere Chancen rechne ich mir in Frankreich und in Spanien aus.

Wie realistisch schätzt Du Deine Chancen ein, ihn im Kampf um den WM-Titel noch zu schlagen?
Frag‘ mich das nach der Rallye Australien noch mal. Dort wird Séb voraussichtlich einen großen Nachteil durch seine Startposition haben (in Australien ist der Straßenfeger-Effekt besonders groß, d.Red.). Wenn ich in Australien gewinne, ist vielleicht noch alles drin. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine WM auf Zielgeraden noch einmal sehr spannend wird.

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