Ferrari-Zoff mit Hamilton und Leclerc: Jetzt ist Teamchef Vasseur gefordert
Ferrari ging beim Grossen Preis der Niederlande leer aus: Lewis Hamilton Vierter, Charles Leclerc Fünfter. Nachher waren beide Piloten sauer, und Teamchef Fred Vasseur geriet in Erklärungsnot.
Was für ein GP-Wochenende in Zandvoort! Grundsätzlich Riesenstimmung in der Dünenhütte – 325.000 Fans vor Ort an vier Tagen, neuer Rekord für das Traditionsrennen an der Nordsee.
Die Stimmung erhielt einen Knacks, als Max Verstappen schon kurz nach dem Start seinen Rennwagen kaltverformte. Da wurde es auf den Tribünen hörbar ruhiger.
Später aber wurden die Fans durch einen spektakulären Grand Prix belohnt, ungefähr das Gegenteil des reichlich faden Sprints vom Samstag.
Ein Leitthema: Stallorder. Bei Mercedes eher unnötig (da Kimi Antonelli schneller unterwegs war als George Russell und ohnehin am Briten vorbeigegangen wäre), bei Ferrari eher undurchsichtig.
Die Italiener brachten es fertig, mit einem so schnellen Auto einen Podestplatz zu versemmeln, und danach waren der siebenfache Formel-1-Champion Hamilton und der neunfache GP-Sieger Leclerc voll bedient. Beide Asse sind der Ansicht, dass sie von der Ferrari-Strategie benachteiligt worden sind.
Leclerc war im ersten Teil des Grand Prix flotter unterwegs, aber im zweiten Teil schloss Hamilton auf. Natürlich war klar, was jetzt kommen würde.
Hamilton forderte am Funk: «Ich bin schneller als Leclerc, meine Reifen sind besser.» Übersetzung: Lasst mich gefälligst vorbei an Charles.
Ferrari wollte Leclerc reinholen, aber dazu hatte Charles keine Lust, er blieb zwei Runden länger draussen als geplant. Hamilton am Funk, feurig: «Wir verlieren hier nur Zeit!»
Dann nochmals: «Wirklich eine fabelhafte Weise, Zeit zu verschleudern, tolle Arbeit, Jungs!»
Leclerc gab später den Unschuldigen. Charles: «Also ich bin nie aufgefordert worden, meinen Platz preiszugeben. Ich habe mich auf mein Tempo konzentriert und versucht, bei meinem Rennen mein Bestes zu geben. Ja, es wurde am Funk diskutiert – aber da ging es darum, welche Runde die wohl beste für meinen Boxenstopp wäre, unabhängig von Hamilton hinter mir.»
In Wahrheit hätte Ferrari sofort Plätze tauschen sollen, um die Chancen auf einen Podestplatz zu maximieren.
Hamilton nölte nach dem Rennen: «Ich bin hier um zu gewinnen, das ist mein einziger Gedanke. Es ist nicht leicht, bei einer Situation im Rennen zuzusehen, wie Mercedes sofort reagiert und das Richtige tut. Mercedes hat Kimi an George vorbei gebeten, damit der keine Zeit verliert.»
Am Ende reichte es knapp nicht für Hamilton gegen Russell, und von hinten nahte auch noch – Charles Leclerc. Da ging dem einen oder anderen Fan durch den Kopf: Das Rennen hätte gerne noch zehn Runden länger dauern dürfen.
Ferrari-Teamchef Fred Vasseur räumt Fehler ein: «Wahrscheinlich hätten wir das besser machen können, aber es war auch schwierig, Lewis die Situation über Funk zu erklären, ohne unseren Plan den Gegnern preiszugeben, und das hat uns zu dieser Entscheidung geführt.»
Vasseur rügt Leclerc aus einem anderen Grund: «Wir hatten einen schlechten Start mit Charles, haben eine Position an Piastri verloren, obwohl wir die weichen Reifen hatten. Aber wenn man wie hier in Zandvoort zum Grand Prix als Fünfter und Sechster startet, ist die Situation bereits beeinträchtigt.»
Beim kommenden Heimlauf von Monza will Ferrari den verbesserten Motor auf die Bahn bringen. Damit sollten Leclerc und Hamilton in der Lage sein, in der Startaufstellung weiter vorne zu stehen. Und dann ist das nächste Klingenkreuzen programmiert, besonders dann, wenn es wieder um Podestplätze, vielleicht sogar um einen Sieg geht.
Teamchef Fred Vasseur wird sich nicht immer mit Missverständnissen herausreden können. Zwischendurch wird es vom Kommandostand eine klare Linie brauchen. Das wird nicht jeden glücklich machen.
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