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Der Reifen-Skandal zeigt, wo die Formel 1 schwächelt

Wieso FIA-Chef Jean Todt auf einmal aktiv wird, warum die Rennstall-Chefs unverbesserlich sind, weshalb die Rolle von Pirelli so schwierig ist.

Formel 1

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Der FIA-Gerichtsfall gegen Pirelli und Mercedes sowie das Reifen-Debakel von Silverstone haben Dutzende Fragen von teilweise grosser Reichweite aufgeworfen. Die letzten Wochen haben jedoch auch einige Fragen beantwortet, zum Beispiel jene, ob sich der Autoverband FIA überhaupt noch in die Belage der Formel 1 einmischen will. Wieso wird FIA-Präsident Jean Todt ausgerechnet jetzt aktiv?

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In den vergangenen Jahren hat sich der Autoverband vornehm zurückgehalten. Das liegt teilweise daran, dass Jean Todt einen anderen Führungsstil pflegen will als sein Vorgänger Max Mosley. Mosley und Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone hatten Hand in Hand gearbeitet, um sich die Formel-1-Rennställe gefügig zu machen.

Die Zurückhaltung von Todt liegt aber auch daran, weil der Franzose einfach bei seiner Arbeit als FIA-Chef andere Priortäten sah, etwa beim Kampf um mehr Sicherheit im Strassenverkehr.

Die Formel 1 wurde sich selbst überlassen. Ergebnis: Die verschiedenen Parteien haben es bis heute nicht geschafft, eine neue Version der Formel-1-Verfassung "Concorde Agreement" zu unterzeichnen – jenes sagenumwitterte, hochgeheime Dokument, das die sportlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge im Dreieck FIA, FOM (Formula One Management, Bernie Ecclestone) und Rennställe regelt.

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Eine Zeit lang ging das gut. Der Sport funktionierte, auch ohne Concorde Agreement. Die vorrangige Rolle der FIA besteht darin, den Sport zu regulieren und grösstmögliche Sicherheit zu garantieren. Die FIA hat ihr Justiz-System komplett umgekrempelt, um mehr Glaubwürdigkeit zu erzeugen (ob das mit dem FIA-Tribunal gelungen ist, liegt zu entscheiden nicht an mir). Die FIA wacht auch darüber, wer über die Formel 1 berichten darf, um unabhängige Stimmen zu bewahren.

Die Formel-1-Teams dagegen sind sich (wie üblich) über gar nichts einig, und so fand sich Reifenhersteller Pirelli auf einem Feld wieder, wo sich die Rennställe wie verfeindete Stämme misstrauisch beäugen und dabei vor lauter Bäumen den Wald nicht erkennen.

Ein Problem dabei liegt in der Tatsache, dass die meisten Teamchefs nicht mehr Teambesitzer sind. Die Chefs wehren sich mit Zähnen und Klauen für alles, was ihnen am besten nützt, immerhin steht ihr Job auf dem Spiel, wenn sie das nicht tun. Ein Grossteil des Unvermögens zu entscheiden, gründet genau darin.

Vielleicht wäre es an der Zeit, kein Teamchef-Komitee zu haben, sondern ein Teambesitzer-Komitee. Wie man jedoch einen Haufen von Jetset-Milliardären regelmässig an den gleichen Ort bringt und ob sie das alles überhaupt wirklich interessiert, sind andere Fragen.

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Als Folge ist der Sport in vielen Belagen in ein Vakuum geraten, das praktische Entscheidungen im Keim erstickt. Die Demokratie hat hier wunderbar versagt, nun ist Diktatur mit Augenmass gefragt.

Die Rechtehalter am Sport (vertreten durch Bernie Ecclestone) machen für den Sport überhaupt nichts (ausser, sich daran zu bereichern). Elementare Punkte wie eine zentrale Vermarktung oder Investitionen für die Zukunft werden vernachlässigt, was auch an ihrem CEO liegt, der derzeit zu viel Zeit mit Anwälten und zu wenig mit seinem wirklichen Job verbringt (ich spreche auf Bernie Ecclestones rechtliche Probleme an).

Das Machtzentrum hat sich verschoben, also ist die Zeit reif gewesen für Jean Todt, auf den Tisch zu hauen, damit endlich etwas vorwärts geht. Die Rolle von Pirelli ist aber dabei nicht ganz einfach: Bisher stand den Mailändern das Reglement im Weg, mit aktuellen Fahrzeugen testen zu dürfen. Gut, dass nun auch diese Hürde weggeräumt wird. Nur so kann der Formel-1-Alleinausrüster gute Arbeit leisten.

Die schnelle Reaktion nach dem Silverstone-GP ist ein starkes Zeichen, dass der Autoverband nicht tatenlos allem zusieht. Es ist gut, wenn die FIA eine Führungsrolle einnimmt.

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Ich frage mich nur, was passiert, wenn Jean Todt an dieser Macht etwas zu viel Geschmack findet.

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