Ferrari-Teamchef Fred Vasseur: «Das kann auf Madring alles verändern»
Kein Rennstall hat so viele Fans wie Ferrari, auch in Madrid. Aber die Ferrari-Flaggen wurden nach der Quali eingerollt – Lewis Hamilton P4, Charles Leclerc P5. Teamchef Fred Vasseur ordnet ein.
Der Druck auf Ferrari-Teamchef Fred Vasseur steigt: Statt am Abend des 12. September die 255. Formel-1-Pole Position von Ferrari zu feiern, blickten die Tifosi milde verblüfft auf die Ergebnisliste – der englische Superstar Lewis Hamilton auf Startplatz 4, der monegassische GP-Sieger Charles Leclerc auf Startplatz 5, mamma mia!
Nach dem Monza-GP hatte es im italienischen Blätterwald tüchtig gerauscht: Das Rennen sportlich enttäuschend, dann das knallharte Duell zwischen Hamilton und Leclerc, die eine oder andere Zeitung südlich der Alpen stellt keck die Frage in den Raum, wie sicher der Job von Teamchef Fred Vasseur eigentlich noch sei.
Wir lassen es dahingestellt, ob es bei Ferrari Überlegungen für einen möglichen Nachfolger von Vasseur gibt, aber die Zeit arbeitet gegen den Franzosen. Ferrari wird auch 2026 keinen WM-Titel erobern, 2027 werden es 20 Jahre her sein, dass Kimi Räikkönen der vorderhand letzte Formel-1-Champion in einem Ferrari wurde. Der letzte Konstrukteurs-Titel geht zurück auf das Jahr 2008.
Fred Vasseur hat an diesem Samstagabend in Madrid andere Sorgen als Statistika über Ferrari. Der 58-jährige Franzose fasst die Darbietung der Italiener in diesem Abschlusstraining auf dem Madring so zusammen: «Ganz ehrlich, wenn du nach dem ersten Lauf auf P1 auftauchst, dann hoffst du natürlich schon, dass die die Pole eroberst.»
«Leider hatte dann Lewis Hamilton beim zweiten Lauf einen kleinen Fehler in der ersten Kurve. Also lag er da schon mal um eine Viertelsekunde zurück, und es ist nicht leicht, solch einen Rückstand wettzumachen.»
«Wir dürfen uns nicht über das Quali-Ergebnis grämen, sondern müssen uns sofort aufs Rennen konzentrieren. Das könnte ein chaotischer Grand Prix werden, und wir müssen uns in die Position bringen, von solch einem Durcheinander zu profitieren. Ich erwarte mindestens einige virtuelle Safety Car-Phasen, wenn nicht richtige SC-Phasen oder sogar Abbruch mit der roten Flagge.»
«Wir müssen auf alles gefasst sein und auch flexibel reagieren. Wir haben bei den Rennen der Formeln 3 und 2 gesehen, dass sich die Piloten mit Überholen sehr schwertun, selbst wenn der Verfolger klar schneller ist. Ein Boxenstopp für frische Reifen nützt da wenig, denn auch mit neuen Walzen muss man dann ja Plätze gutmachen. Es ist heute sehr schwierig vorherzusagen, wie sich dieses Rennen entwickeln wird – denn alles kann damit stehen oder fallen, wie auf SC-Phasen reagiert wird.»
«Wir haben sehr viel über den Madring gelernt, aber nicht mal dem können wir trauen. Die Piste entwickelt sich ständig, wir werden vor unserem Grand Prix weitere Rahmenrennen haben, und das kann die Arbeit mit den Reifen komplett verändern.»
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