Formel-1-Rennfahrer in den 80er Jahren: Die Damen des Herrn Piquet
Der Formel-1-Weltmeister Nelson Piquet hat sieben Kindern von vier verschiedenen Frauen. Der Umgang mit dem Brasilianer und seinen Begleiterinnen verlief nicht immer ganz reibungslos.
Es war im Winter 1982, als der damalige BMW-Rennleiter Dieter Stappert mich anrief und sagte: «Es macht Sinn, dass der Nelson (Piquet, U.M.) dich näher kennenlernt und ihr einen guten Draht zu einander bekommt. Kurzum, wir gehen am nächsten Wochenende zusammen essen.» Ein Tisch in einem der feinen Münchner Fresstempel wurde reserviert.
Nelson und seine Lebensgefährtin Sylvia, Stapperts, meine Frau und ich. Alles war vom Feinsten. Man trank einen guten Aperitif, während der Speisenwahl entwickelte sich ein angenehm lockeres Gespräch – es war richtig gemütlich. Die Vorspeise, es gab Salat, wurde serviert und wir sahen einem genüssliche Mahl entgegen. Wir griffen zum Besteck und widmeten uns dem Grünzeug.
Dann, inmitten der behaglichen Stimmung, ein markerschütternder Schrei: Auf Sylvias Salatblatt kroch eine niedliche kleine Raupe. Eine Raupe. Sylvia ließ Gabel und Serviette fallen, schnappte ihre Handtasche und ihren Mantel und verließ fluchtartig das Lokal. Nelson hinterher – gottweiß wohin. Soviel zum ersten vertrauten Kennenlernen. Es sollte nicht die einzige brenzliche Situation mit «den Piquets» bleiben.
Im selben Winter residierten «die Piquets» in einem der wohl feinsten Hotels ganz oben im Ötztal. Wir fuhren mit unserem damals gut halbjährigen Töchterchen dorthin, um uns mit ihnen einen schönen Tag in der Sonne und im Schnee zu machen. Was wir nicht so recht bedacht hatten, war, dass so ein Baby den Tag über eines besonderen Services bedarf.
Kinderlieb, wie die beiden waren – und sind – boten sie uns ihre wahrlich fürstliche Suite an, um Fütterung, Säuberung, Bespielung unseres Sprösslings zu dessen und unserer Zufriedenheit zu erledigen. Meine Tochter konnte später stolz damit angeben, im Palast eines Weltmeisters gepampert worden zu sein. Diese menschenfreundliche Art muss man kennen, denn wie angedeutet, es gab auch schwierige Situationen.
Qualifying zum Großen Preis von Monaco 1984: Nelson hatte sich wenige Wochen zuvor erstmals mit einer neuen Freundin, Emanuela, öffentlich gezeigt. Für ihn war die Liaison mit seiner langjährigen Partnerin Sylvia offensichtlich beendet, denn wie selbstverständlich ließ er zu, dass sich Emanuela sehr selbstbewusst immer in seiner unmittelbaren Nähe aufhielt.
Für Sylvia hingegen schien die Angelegenheit keineswegs abgeschlossen. (Sie sollte Recht behalten, später wurden Nelson und sie Eltern zweier Kinder, Nelson jun. und Kelly.)
Denn während sich Nelson vergeblich um einen guten Startplatz mühte, erschien die «Ex» wie selbstverständlich in der Brabham-Box, wo Emanuela es sich auf der Boxenmauer gemütlich gemacht hatte. Plötzlich brannte die Luft. Und das nicht nur, weil Piquet einfach nicht auf gute Zeiten kommen wollte.
Die im hinteren Teil der Box beschäftigten Herren bemühten sich nach Kräften, die beiden Damen getrennt voneinander bei Laune zu halten und es gelang ihnen so, eine größere Szene zu unterbinden. Was beim Temperament der beiden keineswegs selbstverständlich war.
Nie vergessen werde ich den beiden, wie sie mir spontan und bereitwillig halfen, als ich um Haaresbreite einen wichtigen Fototermin mit dem Champion vermasselt hätte: Verabredet war, ich solle ihn um morgens um elf am Donnerstag vor dem GP Österreich 1985 in Zeltweg treffen. Eine halbe Stunde, anschließend habe Nelson Termine.
Ich kam zu spät mit seinem nagelneuen M-Coupé in München los, hastete Richtung Spielberg und konnte an einer Engstelle nur unter beherztem Zusammenkneifen der Gesäßbacken einen Totalschaden verhindern und zwischen zwei trottelnden Verkehrsteilnehmern hindurch zielen. Es ratschte links, es ratschte rechts. Beide Spiegel waren – so fürchtete ich – Schrott.
Nelson begrüßte mich mit einem süffisanten: «Uwe you’re late – no photos.» Ich schilderte ihm mein Abenteuer und wir begutachteten die Spiegel. «Kein Problem», meinte Sylvia, «den Lack hab’ ich.» Sie kam mit ihrem Nagellack, und im Nu hatte sie den rechten, er den linken Außenspiegel gepinselt.
Eine Viertelstunde später waren die Fotos im Kasten.
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