George Russell nach Monaco-Enttäuschung: «Fühle mich vom Druck befreit»
George Russell hat in Monaco zum zweiten Mal in Folge einen GP ausserhalb der Punkte beendet. Wie er damit umgeht und warum er nicht mehr an den Titelkampf denkt, erzählte er in Barcelona.
George Russell war einer von mehreren Fahrern, die im GP von Monaco eine Strafe aufgebrummt bekamen, weil sie das Tempolimit von 60 km/h in der Boxengasse des engen Strassenkurses missachtet hatten. Für den Mercedes-Piloten wurde diese zum Verhängnis, denn weil sein Team die fünf Sekunden beim nächsten Stopp nicht abwartete, wurde ihm noch eine Durchfahrtsstrafe auferlegt, die ihn aus den Punkten warf.
Russell kam als Zwölfter ins Ziel, während sein Teamkollege Kimi Antonelli zum fünften Mal in Folge einen GP-Sieg feiern durfte. Der Italiener baute seine WM-Führung aus, während der Brite auf den dritten WM-Zwischenrang abrutschte. Im Fahrerlager von Barcelona gestand Russell denn auch wenig überraschend: «Natürlich war es sehr hart, das Ergebnis hinzunehmen.»
Gleichzeitig erzählte der 28-Jährige: «Ich habe mich aber hingesetzt und über die bisherige Saison nachgedacht. Und hätte ich in dieser einfach nicht so viel Pech gehabt – ohne gross Glück zu haben – dann wären drei Podestplätze mehr und vielleicht sogar ein paar Siege herausgekommen. Ich hätte mindestens fünf der Rennen auf dem Treppchen beendet.»
Vom Druck befreit
«Ich glaube, dass Kimi auch dann die Nase vorne gehabt hätte, allerdings nicht so deutlich», räumte Russell ein. «Aber die Situation sieht jetzt ganz anders aus, und ich werde nun einfach versuchen, in jedem Rennen das zu kontrollieren, was ich kontrollieren kann. Gegen einen Motorschaden kann ich nichts tun, gegen ein ungünstiges Safety-Car-Timing oder diese Situation mit dem Verstoss in der Boxengasse kann ich nichts tun. Das liegt ausserhalb meiner Kontrolle.»
«Jetzt fühle ich mich ehrlich gesagt vom Druck befreit. Ich werde versuchen, jedes Rennen zu geniessen, ohne überhaupt an den WM-Kampf zu denken, denn der Titel ist derzeit so weit ausser Reichweite. Ich werde einfach die Rennen geniessen und Spaß haben, schnell fahren und das tun, wozu ich fähig bin und was ich meine ganze Karriere in der Formel 1 getan habe. Darauf freue ich mich», fügte der sechsfache GP-Sieger an.
Regelmässige Gespräche mit einem Sportpsychologen
Unterstützung erhält er von seinem Umfeld, zu dem seit sechs Jahren auch ein Sportpsychologe gehört, den er jede Woche konsultiere, verriet Russell. «Es ist immer toll, mit jemandem darüber zu reden, was man fühlt und wie man diese Emotionen bewältigen kann. Spiegeln die Gefühle, die man empfindet, die Leistungen wirklich wider? Ich wäre in einer sehr viel schlechteren Lage, wenn die mehr als 60 Punkte Rückstand auf meine Leistung zurückzuführen wären. Aber mindestens 45 davon gehen auf Dinge zurück, die ausserhalb meiner Kontrolle liegen.»
Und der Formel-1-Routinier aus dem Mercedes-Werksteam offenbarte: «Ich habe mir kürzlich die Rafa-Doku und auch die Ronaldinho-Doku angesehen. Ziemlich gegensätzlich, zumindest. Aber beide sind Sport-Giganten, und es läuft nicht bei jedem Turnier, jedem Spiel und jeder Saison reibungslos. Ronaldinho war einer meiner Helden. Mir war gar nicht bewusst, dass er so viele Jahre, Spiele und Wettbewerbe voller Schwierigkeiten hinter sich hatte. Wir erinnern uns immer nur an die Höhepunkte all dieser Größen. Jeder macht solche Momente durch, sei es aufgrund der eigenen Leistung, durch Dinge, die ausserhalb der eigenen Kontrolle liegen, durch Verletzungen oder was auch immer. Genau da stehen wir jetzt. Und ich weiss, dass ich das durchstehen werde.»
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