George Russell zum Crash von Zhou Guanyu: «Es sah nach Leben und Tod aus»
Der schwere Unfall des Chinesen Zhou Guanyu im britischen Grand Prix 2022 war ein Schlüsselmoment in der Formel-1-Karriere von George Russell, wie der britische Mercedes-Fahrer nun zugibt.
Es waren bange Momente am 3. Juli 2022 in Silverstone: Minutenlang waren vom schlimmen Unfall des Chinesen Guanyu Zhou (Alfa Romeo) keine Bilder zu sehen, das ist in der Formel 1 immer ein Alarmzeichen. Denn in den letzten Jahren hat sich eingebürgert – Bilder werden so lange nicht gezeigt, bis feststeht, dass der Fahrer in Ordnung ist.
Was war aus Sicht des Fahrers passiert? Zhou erklärte gegenüber SPEEDWEEK.com zu seinem Höllenritt: «Zunächst spürte ich einen Schlag, ich wusste nicht mal, wer mich berührt hatte (es war der Mercedes von George Russell, M.B.).»
«Dann rutschte ich eine ziemlich lange Zeit kopfüber auf dem Asphalt und merkte: Das Auto wird nicht langsamer, also muss der Einschlag übel werden. Ich versuchte, mich im Auto so klein als möglich zu machen und meine Hände und Arme so nahe am Körper zu halten wie möglich, damit sie beim kommenden Aufschlag nicht unkontrolliert herumgeschlagen werden.»
«Als der Wagen liegenblieb, wusste ich nicht, wo ich war. Ich spürte Flüssigkeit an meinem Bein, und mir war nicht klar – ist das mein Blut oder kommt das vom Auto?»
Der Alfa Romeo des Chinesen war zum Entsetzen der Fans über die Reifenstapel katapultiert worden, wurde zum Glück aber von einem Fangzaun gebremst. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte dieser Fangzaun das fast 800 Kilogramm schwere Rennauto nicht gehalten. Der Wagen flog hoch genug, um in die Tribüne zu fliegen!
Der Wagen blieb eingeklemmt zwischen Zaun und Leitschiene hinter den Reifenstapeln liegen. Das machte es Formel-1-Arzt Dr. Ian Roberts und seinem Team so schwer, zum Piloten zu gelangen.
Zhou weiter: «Der Motor lief noch immer! Also schaltete ich das Triebwerk aus. Meine grösste Angst war Feuer. Ich war mir noch immer nicht ganz bewusst, wie seltsam eingeklemmt mein Auto liegt, aber ich wusste: Wenn es zu brennen beginnt, dann wird es ganz schwierig, schnell aus dem Wagen zu kommen. Wo der Wagen wirklich lag, das wurde mir erst später klar.»
Wie kam Zhour raus? «Sagen wir, ich schlängelte mich aus dem Wagen, die Streckenposten und das medizinische Personal halfen mir. Der erste Streckenposten am Wagen sprach mich an, ob alles okay sei, und ich zeigte ihm den Daumen hoch. Daraufhin zeigte er oben auch den Daumen hoch.»
Kurios, was 2022 am Abend nach dem Unfall passierte, als Zhou die Silverstone-Rennstrecke verliess: «Ich bin falsch abgebogen und stand auf der M1 in einem Stau. Ich fand das komplett bizarr – von einem Highspeed-Crash mit einem Formel-1-Rennwagen zum Stillstand mit Tausenden von Fans in einen Stau.»
George Russell hat vor kurzem gegenüber F1 zum Zhou-Crash verraten: «Mein Auto berührte jenes von Zhou, und da rutscht er auch schon kopfüber Richtung Kiesbett, wo sich der Wagen überschlägt.»
«Das war der fürchterlichste Unfall, den ich aus dem Cockpit gesehen hatte. Ich merkte, dass sein Auto zwischen Zaun und Reifenstapel eingeklemmt wurde.»
«Ich fühlte, wie ich hin- und hergerissen bin. Auf der einen Seite sagte mein Renninstinkt: ‘Ich muss hier weitermachen.’ Aber dann war die menschliche Seite stärker. Ich musste da einfach hin und sehen, ob mit ihm alles okay ist. Für mich sah das nach Leben oder Tod aus, ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das für ihn war. Aber ich musste da hin.»
Nochmals Zhou Guanyu: «Dass George Russell zur Unfallstelle eilte, davon hörte ich erst später. Ich habe mich später für seine sportliche und edle Geste bedankt.»
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