Spinnen die Spanier? Verrückt aber wahr – Grand Prix auf einem Oval-Kurs
Zur langen Geschichte des GP-Sports in Spanien gehört diese durchgeknallte Geschichte: Die erste permanente Rennstrecke auf der iberischen Halbinsel war das «Autódromo Nacional de Terramar», ein Oval!
Auch 2026 steht ein WM-Lauf auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya im Rennkalender, auch wenn die Organisatoren das Prädikat Grosser Preis von Spanien an Madrid abtreten mussten.
Was die meisten heutigen Fans der Generation Netflix nicht wissen: Einst gab es einen Grand Prix in Spanien auf einem Oval-Kurs!
Die Anfänge des Spanien-GP gehen bis auf 1913 zurück, aber was damals Grand Prix genannt war und in Guadarrama (bei Madrid) ausgetragen wurde, war ein Rennen unter Tourenwagen-Regeln.
Es siegte Rolls-Royce-Fahrer Carlos de Salamanca. Zuvor gab es den Katalonien-Cup von 1908 und 1909 in Sitges bei Barcelona. Ein ernstzunehmender Spanien-GP war das freilich auch nicht, obschon ein echter Grand-Prix-Haudegen gewann – der Franzose Jules Goux, der 1913 beim Indy 500 triumphieren sollte (als erster Nicht-Amerikaner übrigens).
Und damit kommen wir zur Frage für die spanische Version von «Wer wird Millionär?»: Wie lautete der Name der ersten permanenten Rennstrecke von Spanien?
Genau, «Autódromo Nacional de Terramar» in Sitges – ein Oval!
Das Layout mit bis zu 60 Grad überhöhten Steilkurven ging auf Jaume Mestres zurück. Die Bauarbeiten dauerten 300 Tage, die Piste kostete damals 4 Millionen Peseten (heute ungefähr 16 Millionen Euro).
Das erste Rennen fand vor mehr als 100 Jahren statt, am 28. Oktober 1923 – ausgetragen für Zweiliter-GP-Renner. Erster im Ziel war Albert Divo auf Sunbeam vor dem Grafen Louis Zborowski auf Miller.
Der richtige Rummel begann erst nach dem Rennen: Wegen unbezahlter Rechnungen waren die GP-Veranstalter nicht in der Lage, den Piloten ihre Preisgeld auszuzahlen!
Der spanische Verband kannte da kein Pardon und belegte das Oval mit einem Austragungsverbot für internationale Rennen. Bis 1925 fanden Rennen statt, mit überschaubarem Erfolg. Das letzte Autorennen fand in den 50er Jahren statt.
Am Zweikilometer-Oval südwestlich von Barcelona nagt der Zahn der Zeit, aber aufgrund der hervorragenden Bausubstanz hält sich das Oval wacker. Die meisten Gäste heute sind – Hühner. Der grösste Teil des Geländes wird von einer Hühnerzucht belegt.
Der alte Rundenrekord von Sitges ging auf den Grafen Zborowski zurück, einen Gasgeber polnisch-amerikanischer Herkunft, das war wie gesagt 1923 mit einem Miller-Rennwagen.
Red Bull Spanien fand 2012, es wäre langsam Zeit für einen neuen Rekord. Also wurde die spanische Rallye-Legende Carlos Sainz nach Sitges geschickt, unterstützt von DTM-Junior Miguel Molina, dies mit einem Audi R8 LMS.
Der Rekord von Zborowski lag bei 45,8 Sekunden (stattliche 157,2 km/h Schnitt). Diese Zeit galt es für Sainz und Molina mit dem Audi R8 LMS zu schlagen, und trotz des ziemlich schlechten Zustands der Fahrbahn, die voller Löcher und Unkraut war, kam Carlos Sainz auf 170 Sachen und eine Bestzeit von 42,6 sec.
Der zweifache Rallye-Champion danach: «Einfach war das nicht. Ich musste an vielen Stellen vorsichtig sein und wegen der Unebenheiten herunterschalten, aber es war ein Genuss, das erleben zu dürfen.»
«Die Überhöhung ist gewaltig, vor allem, wenn man sie von unten betrachtet. Ich gebe zu, dass es mich überrascht hat, als ich es zum ersten Mal sah, und ich war sehr neugierig darauf, wie es sich anfühlt, darauf zu fahren. Ich hatte das noch nie zuvor auf einer ovalen Rennstrecke mit einer solchen Überhöhung gemacht. Das war etwas ganz Besonderes.»
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