Rebellen des Motorsports: Ihre Nonkonformität machte sie zu Legenden
Sie stellten sich gegen Verbände, Werke und Traditionen – und wurden dadurch unsterblich. Der Motorsport braucht Rebellen, auch wenn das Establishment sie am liebsten losgeworden wäre.
Gehorsam war noch nie eine Voraussetzung, um im Motorsport unsterblich zu werden. Im Gegenteil: Manche der prägendsten Figuren der Branche haben ihre Karriere genau damit aufgebaut, dass sie sich weigerten, sich anzupassen. Sie boykottierten Rennstrecken, provozierten Funktionäre oder bauten sich lieber ihre eigenen Motorräder, als sich einem Werk unterzuordnen – und wurden dafür von den Fans geliebt.
Wenn ich Straßenmaschinen sehen will, fahre ich zum Trafalgar Squarebarry sheene über superbikes
Barry Sheene, zweifacher 500-ccm-Weltmeister 1976 und 1977 auf Suzuki, war
Den Viertakt-Superbikes, die in Großbritannien immer populärer wurden, konnte Sheene nichts abgewinnen. «Wenn ich Straßenmaschinen sehen will, fahre ich zum Trafalgar Square», ätzte er. Am Ende setzte sich der Rebell durch: 1977 wanderte der Grand Prix von der Insel Man nach Silverstone – ohne Sheenes beharrliche Verweigerung wäre die gefährliche Strecke wohl noch Jahre im Kalender geblieben.
Marco Simoncelli: «Sbatti i coglioni»
Auch Marco Simoncelli, 250-ccm-Weltmeister 2008 auf Gilera, ließ sich nicht verbiegen. Der Italiener hatte sich den nicht sehr gebräuchlichen Ausdruck «sbatti i coglioni» – sinngemäß «das ist mir scheißegal» – zum Lebensmotto gemacht. Ein Nonkonformist,
Der Tod des Italieners beim Malaysia-GP 2011 in Sepang bewegte die Motorradwelt so tief wie seit Ayrton Senna 1994 kein Rennunfall mehr. Die Startnummer 58 wird in der MotoGP-Klasse seither nicht mehr vergeben, die GP-Piste in Misano trägt seinen Namen.
Kenny Roberts: «Ich war der Zeit immer voraus»
Dass sich Rebellion im Motorsport nicht nur auf der Strecke abspielt, zeigte Kenny Roberts senior. Der dreifache 500-ccm-Weltmeister (1978, 1979, 1980) trennte sich 1996 nach 20 Jahren im Unfrieden von Yamaha. «Bei Yamaha gibt es einige Leute, auf die würde ich nicht einmal pinkeln, wenn sie lichterloh brennen», stellte Roberts unverblümt klar.
«Ich hatte es satt, immer die gleiche Trommel zu schlagen», erklärte Roberts seinen Bruch mit Yamaha. «Ich kann nicht mehr schlafen, also werde ich das ändern.» Bereut hat er sein teures Experiment bis heute nicht: «Vielleicht wollte ich manche Dinge in meinem Leben zu früh verändern. Das habe ich immer gemacht. Ich war der Zeit immer voraus.»
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