Verdacht gegen Ferrari-Topzeit Hamilton: «Dann siehst du aus wie ein Idiot»
Das ist Balsam auf die Seele der treuen Tifosi: Lewis Hamilton hat mit Ferrari beim ersten Wintertest Bestzeit erzielt. Aber Formel-1-Champion Damon Hill warnt: War das alles nur Show?
Wir stehen vor dem zweiten Formel-1-Wintertest, ab Mittwoch, 11. Februar auf dem Bahrain International Circuit. Beim ersten Test auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya gab es für die Ferrari-Fans Grund zur Freude – Bestzeit von Lewis Hamilton.
Was ist die Bestzeit von Hamilton (Ferrari) wert?
Aber aussagekräftig ist das kaum: Die besten Autos waren nie zur gleichen Zeit auf der Bahn, zudem mit unterschiedlichen Reifen unterwegs, und in den Tanks schwappten verschiedene Mengen Kraftstoff.
Das Kräfteverhältnis wird weiter verwässert, weil die Rennställe komplett unterschiedliche Arbeitsprogramme hatten und sich die Rennwagen ganz am Anfang der Entwicklung befinden. Die meisten Teams werden Evo-Teile hier nach Bahrain bringen, dann zum Saisonstart nach Melbourne weitere.
Immer wieder erleben wir bei Wintertests wahre Fabelzeiten – und dann löst sich dieser Speed in Luft auf. Mein krassestes Beispiel für das Zerrbild Testfahrten? Als Jean Alesi im Jahre 2001 im Prost-Rennwagen in Estoril (Portugal) zwei Tagesbestzeiten zeigte und die Konkurrenz um eine satte Sekunde in Grund und Boden fuhr. Prost holte anschliessend im Laufe der Saison nur vier kümmerliche Punkte!
Erschreckende Bilanz
Also habe ich mal kurz nachgeschlagen, was die Turbohybrid-Ära seit Anfang 2014 angeht. Ich wollte wissen: Wer war der schnellste Mann beim Wintertest? Wer hat den ersten Saisonlauf gewonnen? Und wer wurde Weltmeister?
Schockierende Antwort: In zwölf Jahren Turbohybrid-Formel 1 war kein einziger Fahrer Schnellster bei den Wintertests, Sieger im ersten Grand Prix und dann auch Champion. Keiner.
Auch Damon Hill (65) traut den Ferrari-Zeiten von Spanien nicht. Im Podcast Stay on Track unserer Kollegen von The Race sagt der 22-fache GP-Sieger und Weltmeister von 1996: «Bei den Tests werden oft Show-Zeiten gefahren, weil sie die Sponsoren beeindrucken wollen, sie brauchen etwas zum Prahlen.»
Damon Hill: «Ferrari spürt den Druck»
«Ferrari ist meiner Meinung nach ziemlich gut darin. Sie spüren den Druck, einfach eine gute Rundenzeit erzielen zu müssen. Im Gegensatz dazu ist Red Bull Racing dafür bekannt, ihre Karten nicht auf den Tisch zu legen und sich nicht zu verraten.»
Der 65-jährige Hill nennt die früheren Rennstall-Besitzer Tom Walkinshaw und Eddie Jordan als wahre Spezialisten fürs Test-Schaulaufen. Damon weiter: «Paradebeispiele waren Tom Walkinshaw mit Arrows und auch Eddie Jordan, die – Winterzeiten hin oder her – im Mittelfeld blieben. Okay, die Geldgeber freuen sich vielleicht über die Aufmerksamkeit in den Medien, aber ich habe für Teams den guten Rat: Macht das nicht! Ihr werdet nur wie Idioten dastehen, wenn ihr später zum Rennen kommt und nicht mehr so schnell seid.“
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