Wetter-Chaos São Paulo: Starkregen, Brasilien-Quali schon abgebrochen!
Seit Tagen hatten die brasilianischen Meteorologen gewarnt: Am Samstag ist mit Gewittern und Starkregen zu rechnen. Nach nur zwei Minuten musste die Quali unterbrochen werden.
Das Qualifying zum Grossen Preis von São Paulo kann pünktlich beginnen (19.00 Uhr Europa = 15.00 Uhr Lokalzeit). Nach dem dritten Training auf trockener Bahn zogen immer mehr Wolken auf, dann begann es über der Strecke übel zu schütten.
Es folgte eine Zone von Wetterberuhigung, also ohne Regen, kurz vor dem Abschlusstraining begann es wieder zu nieseln. Mehr Regen ist im Anmarsch, Ankunftszeit unbekannt. Auch für den Abend in São Paulo sind weitere Gewitter angesagt.
Nach zwei Minuten wurde der Regen so stark, dass die Rennleitung keine andere Wahl hatte: rote Flagge, Unterbrechung!
Doch die Formel 1 ist in solchen Fällen gerüstet auf alle Misslichkeiten. Das Vorgehen in solchen Fällen ist immer das Gleiche: Das Medical- oder das Safety-Car werden auf die Bahn geschickt, um die Verhältnisse zu prüfen. Dabei wird vor allem auf stehendes Wasser geachtet, wo die GP-Rennwagen wegen Aquaplanings von der Bahn segeln könnten.
Die Quali wird dann schrittweise verschoben, bis die Verhältnisse das Fahren erlauben oder bis die ganze Übung abgebrochen werden muss, entweder weil es zu viel Wasser hat, weil es nicht aufhört zu schütten oder weil das Tageslicht abhandenkommt.
In diesem Fall (wie es 2024 in Interlagos passierte) wird die GP-Quali halt am Sonntagmorgen gefahren. Ein wenig stressig, aber machbar.
Formel 1: Immer wieder Wetter-Kapriolen
Es kommt immer wieder vor, dass die Formel-1-Rennwagen wegen des Wetters nicht auf die Bahn gehen können und das Programm umgestellt werden muss.
Sechs Mal in der Formel-1-WM konnte wegen schlechten Wetters die Qualifikation erst am Renntag gefahren werden, in Japan 2004, in Japan 2010, in Australien 2013, in den USA 2015, in Japan 2019 und in Brasilien 2024.
Aber auch Grands Prix wurden vom schlechten Wetter immer wieder beeinträchtigt. Hier eine Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Japan 2019: Der Taifun Hagibis wütete über Japan, am Samstag ging auf der Traditionsstrecke Suzuka gar nichts. Quali und Rennen wurden am Sonntag durchgeführt.
USA 2015: In Austin schüttete es am Samstag wie aus Kübeln. Besucher wurden am Radio und im Fernsehen aufgefordert, gar nicht erst an der Rennstrecke zu erscheinen. Die Quali wurde vom damaligen Rennleiter Charlie Whiting sechs Mal verschoben und dann auf Sonntag verlegt, als es langsam dunkel wurde. Das Wasser lief nicht nur in die Boxen der Rennställe, sondern auch ins Medienzentrum, wie ein Fluss, der sich verirrt hatte …
Australien 2013: Das Abschlusstraining musste unterbrochen werden, weil in Melbourne Land unter herrschte. Das erste Quali-Segment konnte noch gefahren werden, Q2 und Q3 jedoch müssen auf den Sonntagmorgen verschoben werden.
Kanada 2011: Montreal zeigte sich grau in grau. Das Rennen begann hinter dem Safety-Car. In Runde 26 wurde der Regen so stark, dass der Grand Prix neutralisiert werden musste.
Unvergessen die Szene, als eine junge Frau hinter der Box mutterseelenalleine im Regen stand, komplett durchnässt. Sie wartete auf ihren Fahrer, der im Verkehrschaos hängengeblieben war. Es handelte sich um Popstar Rihanna.
Inzwischen redeten sich die TV-Reporter den Mund fusselig, erst zwei Stunden später konnten die Autos wieder fahren. Mit einer Laufzeit von mehr als vier Stunden (die Uhr hält bei einer Renn-Neutralisation nicht mehr an) ist der Kanada-GP 2011 der längste WM-Lauf der Formel-1-Historie.
Japan 2010: Der Regen fiel so stark, dass das Abschlusstraining von Suzuka gar nicht erst aufgenommen werden kann. Die Teams vertrieben sich die Zeit mit Schiffchenbauen, die sich auf der abschüssigen Boxengasse treiben liessen. Mechaniker stellten sich in den Regen hinaus und forderten die Fans zu La-Ola-Wellen durch. Die patschnassen Besucher dankten es mit brandendem Applaus. Die Qualifikation musste am Sonntagmorgen gefahren werden.
Malaysia 2009: Nach 31 von 56 Runden ging gar nichts mehr: Das Rennen musste unterbrochen werden. Der Regen fiel so lange und intensiv, bis es einzudunkeln begann. Damit stand fest: Der Grand Prix würde nicht fortgesetzt. Erstmals seit 18 Jahren wurden halbe Punkte verteilt.
Japan 2004: Der Taifun Ma-On brachte peitschenden Regen und heftigen Wind in die Region von Suzuka. Der Veranstalter machte die Schotten dicht, keiner durfte an der Rennstrecke auftauchen. Abschlusstraining und Rennen finden im Paket am Sonntag statt. Teams und Medien wurden aufgefordert, sich mit Lebensmitteln auszurüsten und in ihren Hotels den Sturm auszusitzen …
Viele Besucher aus Europa fanden: Ein wenig dramatisch, nicht wahr? Als ich am Morgen schüchtern aus dem Fenster schaute und die ersten Wellblechdächer vorbeiflogen, wurde schlagartig klar, wie ernst die Lage ist. Vor die Boxen der Rennställe wurden Kleinlaster gestellt, um die Gefahr zu minimieren, dass die Rolltore eingedrückt werden. Einige der Laster wurden um Meter verschoben!
Australien 1991: In Montreal also sorgte der Regen für das längste Rennen der WM-Historie, 1991 in Australien für das kürzeste. Nach nur 14 von 81 Runden war ans Weiterfahren nicht mehr zu denken, links und rechts knallten die Fahrer wegen Aquaplanings in die Mauern. Das Rennen konnte nicht fortgesetzt werden.
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