Ayrton Senna: Superstar wacht über Hamilton, Verstappen, Antonelli & Co.
Der unvergessene Ayrton Senna bleibt ganz besonders in Interlagos stark präsent: Von einem Wandbild wacht er über das heutige Feld mit Hamilton, Verstappen, Antonelli & Co. Der Mythos Senna lebt.
Ein neues Wandbild an der Interlagos-Rennstrecke zeigt Ayrton Senna, er guckt sich mit mildem Lächeln die heutigen Formel-1-Stars an, natürlich mit der brasilianischen Flagge an seiner Seite.
Auch für den neuen Formel-1-Weltmeister Kimi Antonelli ist Senna DAS Idol: Der Italiener trägt an diesem Wochenende einen Helm zu Ehren des 1994 verstorbenen Ausnahme-Racers, Kimi traf die Familie Senna, besuchte das Grab von Ayrton Senna und durfte sich sogar in den legendären John Player Special-Lotus von Senna setzen. Der Lotus und der heutige Mercedes von Kimi tragen die gleiche Nummer – die 12.
Kimi sagt: «Das war hochemotional, diesen Tag werde ich nie vergessen. Ich bin der Familie sehr dankbar. Ich wäre am liebsten aus dem Lotus gar nicht mehr aussteigen, ich wollte jede Sekunde auskosten. Die Familie hätte netter nicht sein können und hat mir Orte gezeigt, wo Ayrton gerne Zeit verbracht hat. Zu wissen, dass Ayrton hier war, das hat mich tief bewegt.»
Am 1. Mai 1994 haben wir Ayrton Senna verloren. Die Faszination für den Brasilianer hält bis heute an, ganz besonders in seiner Heimatstadt São Paulo.
Wir müssen uns das mal vorstellen: 32 Jahre nach dem Tod des brasilianischen Ausnahme-Racers erleben wir, am markantesten in Japan und Brasilien – Menschen in Senna-Shirts und Kappen, unzählige Banner und Wimpeln, Besucher mit McLaren-Honda-Modellen, alles so, als stünde Senna noch heute am Start.
In São Paulo und Suzuka sind die Erinnerungen der Fans am lebendigsten, doch auf unserer Weltreise als Formel-1-Berichterstatter entdecken wir weltweit Fans, die zeigen – wir haben Ayrton Senna nicht vergessen.
Das ist ein Phänomen, das über die Grenzen des Motorsports hinaus einzigartig ist: Bei wie vielen Skirennen bitteschön entdecken wir Hinweise auf die früheren Helden auf zwei Latten? In wie vielen US-Stadien erinnern die Besucher so treu an Helden aus Baseball oder American Football? In wie vielen Fussballarenen tragen die Fans heute Hemden für Pelé oder Beckenbauer?
Ich muss immer ein wenig schmunzeln darüber, wie verschwenderisch wir mit Superlativen umgehen. Heute wird ja schon zum Star erhoben, der bei «Love Island» einen fehlerfreien Satz formulieren kann oder der bei «Deutschland sucht den Superstar» (ha!) in die Motto-Show-Phase vorstösst. Wer dann gewinnt, bleibt über die Grenzen des deutschsprachigen Europas hinaus so gut wie unbekannt, RTL hin oder her. Pardon, aber Superstar definiere ich ein wenig anders.
Superstar ist für mich ein Mensch, der weltweit sofort erkannt wird; ein Mensch, der wirklich etwas geleistet hat; ein Mensch mit Charisma, ein Mensch wie Ayrton Senna.
Der Brasilianer verströmte, was die Leute auch über Juan Manuel Fangio sagten – eine ganz bestimmte Aura. Wenn Fangio oder Senna den Raum betraten, drehten sich die Leute automatisch um. Wenn sie, übrigens beide mit der gleichen leisen Sprache, redeten, dann hörten die Menschen gebannt zu.
Noch heute bezeichnen Weltmeister wie Fernando Alonso, Lewis Hamilton und Kimi Antonelli Senna als ihr Idol. Ich finde diese Ehr-Erweisung heutiger Ausnahme-Rennfahrer herzerwärmend.
Ich für meinen Teil bin einfach stolz, dass ich Ayrton Senna bei seiner Arbeit beobachten durfte. Seine Quali-Runden waren unfassbar – wenn er zum Schluss des Samstagtrainings auf die Bahn ging, dann haben alle gewusst: Jetzt wird gleich etwas Magisches geschehen.
Das ist bis heute unvergleichlich.
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