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Deutschland droht den Anschluss im Nachwuchs-Formelsport zu verlieren

Abstieg aus der 1. Racing-Liga: Die einst führende Motorsportnation Deutschland ist im Nachwuchs-Formelsport nicht mehr an der Spitze. Im Gegenteil. Eine Bestandsaufnahme von Kolumnis Rainer Braun.

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Der letzte ADAC F4-Champion: Kimi Antonelli
Der letzte ADAC F4-Champion: Kimi Antonelli
Foto: ADAC
Der letzte ADAC F4-Champion: Kimi Antonelli
© ADAC

Es ist eine ernüchternde Bestandsaufnahme: Die Zeiten, in denen die in Deutschland ausgeschriebenen Formel-Rennserien für den Nachwuchs internationale Top-Stars am laufenden Band hervorbrachten, gehören schon längst der Vergangenheit an. Seit auch die Formel 4 als letzte Nachwuchs-Formelklasse vor vier Jahren gekillt wurde, kommt zumindest bei uns in Deutschland nichts mehr nach an Karriere-Typen.

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Von acht Serien keine übrig

Genaugenommen ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass eine führende Auto-Nation seit Jahren ohne eine einzige international bedeutende Formel-Rennserie für den Nachwuchs dasteht. Was waren das für paradiesische Zustände, als noch Formel Ford 1600 und 2000, Formel König, Formel Renault 1600 und 2000, Formel Opel Lotus und Formel 4 die Formel 3-Startfelder mit immer neuen Talenten anfütterten. Von einstmals stolzen acht Formel-Serien haben wir aktuell keine einzige mehr.

So viele internationale Karrieren bis hin zur Formel 1 haben hier bei uns auf deutschen Rennstrecken in Nachwuchs-Formelserien unter der Regie der deutschen Sporthoheit ONS und der Nachfolge-Organisation DMSB begonnen.

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Schumacher, Vettel, Hamilton, Rosberg...

Starpiloten wie Stefan Bellof, Michael, Ralf und Mick Schumacher, Heinz-Harald Frentzen, Nico Hülkenberg, Sebastian Vettel, Nick Heidfeld, Lewis Hamilton, Nico Rosberg und Lando Norris haben den Grundstein für ihre F1-Karrieren auf deutschen Rennstrecken in der Formel 3 gelegt.

Nicht zu vergessen der neunmalige Le Mans-Rekordsieger Tom Kristensen, der sich 1991 ebenfalls hier bei uns seinen Meisterbrief in der Formel 3 abgeholt hat. Auch die mehrfachen Le-Mans-Sieger Frank Biela und Marco Werner haben erfolgreiche Formel-3-Jahre im deutschen Titelkampf durchlaufen.

Allein 18 der insgesamt 28 zwischen 1975 und 2002 registrierten F3-DM-Titelgewinner haben im Laufe der Zeit ein Formel 1-Cockpit ergattert. Dazu kommen weitere acht der im DTM-Rahmenprogramm zwischen 2003 und 2018 ausgetragenen F3-Euroserie-Champions. So machte sich der Verlust der bis Ende 2018 in die DTM-Wochenenden eingebetteten Formel 3-Euroserie besonders hierzulande schmerzlich bemerkbar.

Denn nach Lehr- und Aufbaujahren in den schwächeren Formelautos wird fast nur über die F3-Schiene in einem letzten Schritt das Tor zu den weiterführenden Stationen bis hin zur Formel 1 aufgestiegen. Dass man die komplette Abwanderung der Formel 3 ins Rahmenprogramm der Formel 1 entsprechend einem FIA-Wunsch 2018 widerspruchslos zugelassen hat, war sicher einer der größten Fehler nationaler Sportpolitik.

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Zwar fährt die inzwischen runderneuerte, stärkere und wesentlich kostenintensivere FIA Formel-3-Meisterschaft seit nunmehr sieben Jahren als Beiwerk der Formel 1, aber die Rennen finden unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit statt. Der Anteil derer, die sich ein kostenpflichtiges Abo leisten, um die kompletten GP-Wochenenden inklusive der F3- und F2-Rennen live zu verfolgen, ist gemessen am Fan-Potential eher überschaubar.

Als Notlösung präsentierte die «Deutsche Formel 3-Vereinigung e.V.» schon ab 2003 den «ATS Formel 3-Cup» in der Hoffnung, damit im Laufe der Zeit wieder einen nationalen Meisterschafts-Status zu erhalten.

Ex-Meister und Vize-Präsident Bertram Schäfer, der sich als einer der Organisatoren für den F3-Cup stark gemacht hatte, sagte damals: «Als man uns Ende 2002 die deutsche F3-Meisterschaft weggenommen und durch die Euro-Serie ersetzt hatte, wollten wir einfach eine preiswerte Alternative für das hier noch vorhandene Fahrer- und Rennwagen-Potential anbieten.»

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Immerhin brachten Schäfer und seine Mitstreiter ein stattliches 25-Wagen-Feld zusammen und hegten die Hoffnung, dass daraus vielleicht schon bald wieder eine neue deutsche Meisterschafts-Serie mit DMSB-Prädikat entstehen könnte.

Doch die Zuteilung eines offiziellen DMSB-Titels erfüllte sich nicht – enttäuscht beendeten die privaten Organisatoren mit Ablauf der Saison 2014 die letzte nationale F3-Rennserie. Und vier Jahre später folgte dann das bekannte Ende auch der F3-Euroserie durch das FIA-Diktat hin ins F1-Vorprogramm.

Als letzte F3-Titelgewinner im Rahmen der deutschen DTM-Wochenenden verabschiedeten sich Lando Noris 2017 und Mick Schumacher 2018 in Richtung der gesteckten F1-Ziele. Mick Schumacher war zugleich auch der letzte deutsche Pilot, dessen Weg über eine nationale Nachwuchs-Formel, in diesem Fall die deutsche ADAC Formel 4, in die Formel 1 geführt hat.

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Die deutsche Formel 4 war schließlich auch für den heutigen Mercedes F1-Jungstar Kimi Antonelli Basis fürs Weiterkommen. Als 15-Jähriger Teenager dominierte er die Rennen der deutschen ADAC Formel 4-Meisterschaft mit Siegen am Laufmeter und verließ die Serie Ende 2022 mit der Meister-Trophäe. Gleich danach stellte Namensgeber und Ausrichter ADAC die Formel 4 als letzte noch verbliebene Formel-Rennserie auf deutschem Boden ein.

Auch die Herren Vettel, Rosberg und Hülkenberg haben die ADAC-Nachwuchsformel seit ihrer Einführung durchlaufen und jeweils als Titelgewinner abgeschlossen. Übrigens wurde der Name mehrfach geändert, aus ADAC Formel-Junior wurde Formel ADAC, ADAC Formel Masters und schließlich in den letzten acht Jahren bis Ende 2022 die ADAC Formel 4 mit unterschiedlichen Antriebs-Konzepten. Immerhin existierte die Talentschmiede 31 Jahre lang.

Das ist zwar eine ganz ordentliche Laufzeit, aber nichts gegen die deutsche Formel 3, die mit den Herren Ernst Maring und Bertram Schäfer ihre ersten beiden deutschen F3-Meister schon Mitte der 70er-Jahre kürte. Mehr als vier Jahrzehnte lang war die Formel 3 fester Bestandteil im Rahmenprogramm der jeweils aktuellen Paraderennserien DRM, DTM, STW und ab 2000 erneut DTM.

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Deutschland eines der Schlusslichter

Was den Vergleich des nationalen Formel-Sports für den Nachwuchs mit anderen Nationen betrifft, findet sich das einst blühende Motorsport- und Autoland Deutschland inzwischen als eines der Schlusslichter. Da sind Italien, Frankreich, England oder auch Spanien besser dran.

Oft bleibt nur der Weg ins Ausland

In diesen Ländern gibt es für die jungen, vom Kartsport aufstiegswilligen Karrieretypen wenigstens noch einige Formel-Serien zur Auswahl. Und wenn ein Deutscher, selbst wenn er das Glück hat, in einer Fördergruppe zu landen, vom Kart in die Formel 4 umsteigen will, muss er seine Saison wohl oder übel im Ausland absolvieren.

Das ist geradezu paradox. Die meisten aktuellen F4-Jünglinge aus Deutschland fahren derzeit in Frankreich oder Italien. Aber das deutsche Publikum will zumindest mal seine jungen Formel-Helden auf den heimischen Rennpisten sehen. Und nicht irgendwann aus der Fachlektüre erfahren, wie sich der Formel-Nachwuchs denn in Frankreich, Italien oder Spanien so schlägt.

Überhaupt stehen die Zeichen in Sachen Motorsport hier im Land nicht mehr so gut. Zwar haben wir dank des ADAC noch eine stabile DTM, diverse GT 4-Meisterschaften und neben der beliebten VLN/NLS-Langstreckenserie noch die traditionellen 24 Stunden am Ring, aber die Engagements der Werke und Teams verringern sich von Jahr zu Jahr. Und einen regulären Formel-1-GP auf deutschem Boden haben die Fans letztmals vor sieben Jahren in Hockenheim gesehen (ein GP 2020 am Nürburging fand danach noch im Corona-Notkalender statt).

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So einige Rennsport-Aktivitäten der Werke und der Importeure sind im Verlauf der letzten Jahre nacheinander weggebrochen. Selbst die stets sichere Motorsport-Festung Porsche beginnt zu wanken, Werks-Einsätze im Sportwagen-Bereich werden gestrichen.

Da helfen auch die im Ausland angesiedelten Formel-1-Aktivitäten von Mercedes (England) und Audi (Sitze in Hinwil/CH und Neuburg/D) oder der aktuell neu avisierte Einstieg von Opel in die Formel E nicht viel weiter – es bleibt bei einem gravierenden Fehlbestand an Formel-Wettbewerben für den Fahrer-Nachwuchs innerhalb Deutschlands.

Nicht umsonst forderte DMSB-Präsident Wolfgang Wagner in einem kürzlich veröffentlichten Statement «bessere Rahmenbedingungen für den Motorsport-Standort Deutschland». Es klingt fast wie ein Hilferuf der obersten deutschen Sportinstanz, wenn ihr Chef ganz unverblümt sagt: «Es besteht dringender Handlungsbedarf.»

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Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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