Euro Moto Superbike
Markus Reiterberger (BMW): «Ich bin in Most über mein Limit hinausgegangen»
Die Nachricht von der nachträglichen Strafe erreichte Superbike-Pilot Marcel Schrötter auf dem Weg nach Suzuka. Doch das Team GERT56 legte gegen das Urteil Berufung ein.
Ach ne, doch nicht. So könnte man das erste Rennen Marcel Schrötters bei der Euro Moto Most beschreiben. Rundenlang wurde das Manöver des BMW-Piloten zu Beginn des Rennens, welches ihn in den Notausgang der ersten Schikane gezwungen hatte, von der Rennleitung untersucht worden. Dann kam über die Monitore die Meldung, dass es keine weiteren Maßnahmen geben würde. Fall erledigt. Ach ne, doch nicht.
Für Marcel Schrötter waren all seine Anstrengungen am vergangenen Wochenende auf dem Autodrom Most in Tschechien fast umsonst. Der 33-Jährige erhielt nach Ende der Veranstaltung eine Zeitstrafe wegen eines Protests eines gegnerischen Teams in ersten Rennen. Das Team Apreco um den Niederländer Twan Smits hatte Protest eingelegt, diesem wurde stattgegeben.
Runde 3 der Euro Moto-Saison 2026 auf der Rennstrecke von Most im Nordwesten des Landes war von extremer Hitze geprägt. Asphalttemperaturen von über 70 Grad stellten sowohl die Menschen als auch die Ausrüstung auf eine harte Probe. Marcel Schrötter ging voller Zuversicht in das Wochenende, nachdem er bei der vorangegangenen Veranstaltung der Serie in Brünn seinen ersten Sieg als Rookie in der nationalen Superbike-Meisterschaft gefeiert hatte.
Der BMW-Fahrer aus dem Team GERT56 beendete auch die Superpole 2 auf Platz 2, womit die Rennen für ihn aus der ersten Startreihe losgingen. Im ersten Rennen am Sonntagnachmittag lief zunächst alles nach Plan. Über weite Strecken des Rennens war Schrötter der einzige Herausforderer des aktuellen Meisters und Tabellenführers Lukas Tulovic. Erst als seine Reifen nachliessen, fand sein Lauf ein Ende. In der Schlussphase geriet er unter Druck von Florian Alt, der Schrötter in der letzten Runde überholen konnte. Die Freude über den dritten Platz im Ziel und bei der Siegerehrung wurde jedoch am Abend getrübt, als die Rennleitung eine Zeitstrafe von drei Sekunden verhängte, wodurch er in der Wertung auf den fünften Platz zurückfiel.
«In der dritten Runde kam es zu einem Zwischenfall mit Lukas Tulovic, der Schrötter beim Überholen am Eingang der engen Schikane von der Linie drängte, wodurch Schrötter den Notausgang nehmen musste und anschließend gemäß den Regeln wieder auf die Strecke zurückkehrte», so seine Pressemitteilung. Ein gegnerisches Team legte wegen dieses Vorgehens Protest ein, dem die Rennleitung stattgab. Schrötters GERT56-Team legte jedoch umgehend Berufung ein, um den dritten Platz zurückzuerlangen.
Das zweite Rennen verlief für Schrötter von Beginn an sehr turbulent. Ein Ausritt in der ersten Schikane aufgrund eines Schaltfehlers schmälerte sofort seine Chancen, an seine vorherige Leistung anzuknüpfen, und nach einem weiteren Zwischenfall war das Rennen für ihn praktisch vorbei. Der fünfte Platz war daher Schadensbegrenzung. Schrötter liegt derzeit auf dem zweiten Platz in der Gesamtwertung der Meisterschaft, 33 Punkte hinter Tulovic.
«Insgesamt war das Wochenende okay», meinte er. «Nach einem Freitag, der nicht gerade einfach war, gefolgt von dem Umweg über die Superpole 1 zur Superpole 2, haben wir alle gute Arbeit geleistet. Das erste Rennen verlief okay. Ich habe mich beim Start ziemlich wohl gefühlt und konnte mit Lukas mithalten, nachdem er mich mit einer etwas härteren Attacke überholt hatte. Doch im weiteren Verlauf des Rennens konnte ich die Pace nicht mehr halten. Außerdem hatte ich Probleme mit den Reifen, und es kam zu Armkrämpfen. All das zusammen ist auf dieser Strecke schwer zu bewältigen. Schade, dass Florian Alt mich in der letzten Runde überholen konnte. Es war ein bisschen enttäuschend, den zweiten Platz in der letzten Runde praktisch verschenken zu müssen. Das Wichtigste war, das Rennen unter den ersten Drei beendet zu haben.»
Zumal die Rennleitung 13 Runden lang Zeit gehabt hat, um anders zu reagieren.Marcel Schrötter
«Gleich zu Beginn des zweiten Rennens unterliefen mir zwei Fehler hintereinander», offenbart Schrötter. «Der erste passierte beim Herunterschalten, ich schaltete versehentlich in den Leerlauf, sodass ich keine Motorbremse hatte. Deshalb fuhr ich geradeaus in den Notausgang der ersten Schikane. Dort bin ich auf Nummer sicher gegangen, um eine Strafe zu vermeiden, und habe mich erst in etwa als Fünfter wieder im Feld eingereiht. Das hat es mir von Anfang an schwer gemacht, denn in diesem Bereich tobt immer ein heftiger Kampf um die Positionen.»
«Später bin ich erneut einmal geradeaus gefahren, weil ich Probleme hatte, das Motorrad richtig abzubremsen», so der BMW-Pilot. «Ich habe mir das Rennen also quasi selbst ein wenig vermasselt. Trotzdem war es keine Katastrophe, aber natürlich will ich mehr, und ich denke, es war offensichtlich, dass die BMW bei dieser Hitze mehr zu kämpfen hat. Die nachträglich verhängte Strafe, von der ich erst erfahren habe, als ich schon auf dem Weg zum Airport war, schmerzt natürlich, nicht nur deswegen, weil ich den Pokal zurückgeben muss, sondern vor allem wegen der verlorenen Punkte. Aber ich denke, dass die Berufung meines Teams eine Chance hat, zumal die Rennleitung 13 Runden lang Zeit gehabt hat, um anders zu reagieren, wie zum Beispiel mit einem Long-Lap-Penalty. Nichtsdestotrotz freue ich mich darüber, derzeit bester BMW-Fahrer in der Meisterschaft zu sein. Das müssen wir mitnehmen und weitermachen, damit wir am nächsten Rennwochenende wieder konkurrenzfähiger sind.»
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