Euro Moto Superbike
Florian Alt (Honda) wird nach dem zweitem Oschersleben-Lauf disqualifiziert
Beim bizarren Massencrash im ersten Euro-Moto-Superbike-Rennen von Oschersleben hatte Kevin Orgis als fünfter und letzter gestürzter Fahrer einen Logenplatz. Gesehen hat er aber ebenfalls nichts.
Der Massencrash von fünf Fahrern im ersten Rennen der Klasse Superbike in Oschersleben hatte es in sich und gehört aktuell noch zu den meistgeklickten Kurz-Videos des vergangenen Wochenendes. Nachdem Twan Smits auf Platz 2 liegend bei der Anfahrt der Hasseröder-Kurve einen kapitalen Motorplatzer hatte und neben viel Wasser und Öl auf der Strecke sowie auch eine gewaltige Rauchwolke in diesem Bereich verteilte, stürzten neben ihm selbst von den nachfolgenden Piloten auch Florian Alt, Markus Reiterberger, Toni Finsterbusch und Kevin Orgis. Letzterer hatte theoretisch die meiste Zeit, zu reagieren, aber Pustekuchen.
Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com schilderte der 26-Jährige später die groteske Situation mit folgenden Worten: «Ich war der Erste, der nicht direkt in der Gruppe war, die gestürzt ist. Da war überall Rauch, sodass man kaum was gesehen hat. Da bin ich in den Rauch eingetaucht, und so wie ich drin war, ist mir auch schon das Vorderrad unter mir weggeklappt. Ich habe, wie üblich, außen angebremst und mir dann gedacht, ich ziehe lieber nach innen, für den Fall, dass irgendwo Öl ist. In dem Moment war es auch schon passiert. In der Anbremszone war überall Öl. Das hatte sich auch teilweise neben der Ideallinie verteilt. Ich hatte vom weißen Strich einen Meter Luft gelassen, aber das hatte halt nicht gereicht.»
Wenngleich er als Letzter zu Boden ging, hatte er von der Flugshow der Bikes noch genug mitbekommen und meinte dazu: «Die Motorräder sind wie wild durch die Gegend geflogen, als würden sie nichts wiegen. Die waren wie Papier-Motorräder und sind teilweise den Hang hochgeflogen, wo die Zuschauer sind. Mein Bike ist auch den Hang hochgeflogen und dann wieder runtergerutscht.»
Wie durch ein Wunder kam niemand ernsthaft zu Schaden. Auch ein genau dort stehender Fotograf nicht. Lediglich Twan Smits war mit Verdacht auf eine Hand-/Arm-Fraktur zum zweiten Lauf nicht noch einmal angetreten. Zu seinem Gesundheitszustand sagte Kevin Orgis: «Ich habe mir gar nichts getan, ich hatte ja im Prinzip nur einen Vorderradrutscher.»
Und erst als zweite Frage das Motorrad? «Das Motorrad sah schlimm aus, aber im Endeffekt war gar nicht so viel passiert. Zum Glück waren von den wichtigen Teilen Rahmen, Motor und Schwinge in Ordnung. Nur die Gabel hatte etwas abbekommen. Das habe ich dann im zweiten Rennen auch gemerkt. Da hatte ich ganz schöne Vibrationen im Motorrad. Aber es war fahrbar. Wir hatten in der Pause den Großteil provisorisch gerichtet, damit ich fahren konnte, aber ein Top- oder Highend-Motorrad war es nicht mehr.»
Zum Glück im Unglück auf der technischen Seite führte er aus, dass der linke Lenkerstummel abgebrochen war und auch die Vorderradfelge. «Die haben wohl die meiste Energie aufgenommen. Dazu war noch die Fußraste abgebrochen und die Verkleidungsteile waren im Arsch. Aber nicht so schlimm, die können wir Großteils wieder kleben. Sprich, es waren die meisten Austauschteile kaputt, aber da hätte noch viel mehr passieren können.»
Die Reparaturphase des familieneigenen Teams ORM Racing / ADAC Sachsen e. V. beschrieb er so: «Wir haben durchgearbeitet und sind sogar relativ pünktlich fertig geworden, also keineswegs auf dem letzten Drücker. Wir konnten das Motorrad sogar in Ruhe warmlaufen lassen und noch einmal bisschen was checken. Im Endeffekt haben mein Vater und unsere vier Mechaniker, meine zwei und zwei von Leon, sowie ich, also sechs Mann am Bike gearbeitet. Natürlich haben auch noch Freunde und Familie mitgeholfen, alles, was so noch da war. Die haben aber nur Handlangertätigkeiten gemacht, denn irgendwann steht man sich dann nur im Weg rum.»
Bis die Reparaturarbeiten beginnen konnten, hatten sich Markus Reiterberger und Kevin Orgis zum Bergen der drei Motorräder über die Leitplanke geflogenen Motorräder als Streckenmarshalls betätigt. «Wir haben dort 20 Minuten versucht, die Motorräder wieder rauszubringen und haben es auch geschafft. Erst haben wir meins rausgeholt und dann seines, weil mein Bike Reitis Motorrad blockiert hat. Das war ein heilloses Durcheinander. An Florian Alts Motorrad haben wir es auch versucht, aber das hatte sich sogar so in die Wiese gebuddelt, dass es mit einem Kran zurück auf die Fahrbahnseite gehoben werden musste.»
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