DMSB mit Hitzeschutzplan als praktische Orientierung für den Sport
Das Euro Moto-Wochenende von Most brachte die Teilnehmer und ihre Teams an den Rand des Machbaren. Temperaturen um die 40 Grad machten Most zum Spitzenreiter.
Auch zu IDM-Zeiten hatte es in den letzten Jahren in Sachen Temperaturen schon heiße Rennen gegeben. Doch egal, wie man zum Thema Klimawandel steht, muss jeder zugeben, dass das Euro Moto-Wochenende von Most mit seinen 40 Grad Tagestemperaturen, tropischen Nächten mit weit über 20 Grad und am Rennsonntag 70 Grad Asphalttemperatur alles bisher Dagewesene toppte. Selbst gestandene Piloten, die bereits Rennen in Asien und Zentralspanien gefahren sind, gaben freimütig zu, sowas wie in Most noch nie vorher erlebt zu haben. Und es dürfte wohl nicht die letzte Hitzewelle gewesen sein, die uns heimsucht.
Der Deutsche Motor Sport Bund veröffentlichte nun in Zusammenarbeit mit dem DOSB einen Musterhitzschutzplan. Unterstützt werden sollen Vereine, Verbände und Veranstalter dabei, Sportbetrieb und Veranstaltungen besser auf hohe Temperaturen vorzubereiten und die Gesundheit aller Beteiligten zu schützen.
Gesundheit steht im Vordergrund
Der Plan richtet sich nicht nur an Sportler, sondern ausdrücklich auch an Trainer, Sportwarte, Helfer und Zuschauer. Er enthält niedrigschwellige Empfehlungen für vorbereitende, kurzfristige und langfristige Maßnahmen und ist als dynamisches Instrument angelegt, das an regionale Gegebenheiten und unterschiedliche Sportarten angepasst werden kann. Zu den zentralen Ansätzen zählen unter anderem ausreichend Trinkmöglichkeiten, Schatten- und Kühlungsangebote, angepasste Trainingszeiten sowie organisatorische Vorkehrungen für Hitzephasen. Der Plan ergänzt damit den Hitzeschutzplan des Bundesministeriums für Gesundheit und unterstützt dabei, auch bei hohen Temperaturen handlungsfähig zu bleiben.
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählen Sporttreibende zu den besonders betroffenen Risikogruppen für klimabedingte Gesundheitsrisiken. Jeder Verband und jeder Verein wird künftig mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert sein. Für den Sport zählen häufigere, längere und intensivere Hitzewellen zu den bedeutendsten Auswirkungen des Klimawandels. Die Adressatinnen und Adressaten dieses Musterhitzeschutzplans sind Vereine und Verbände. Ihnen soll dieser Plan helfen, Sportreibende, hauptamtlich Mitarbeitende und freiwillig Engagierte, Funktionäre und Servicekräfte, ebenso wie Zuschauerinnen und Zuschauer vor hitzebedingten Gesundheitsrisiken zu schützen. Um eine möglichst breite Wirksamkeit zu erzielen, ist es laut DOSB-Plan wichtig, dass bei der Umsetzung aller Maßnahmen auf Inklusion und Barrierefreiheit geachtet wird.
Der Musterhitzeschutzplan basiert auf einer Empfehlung, welche die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) e.V. zusammen mit der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sowie weiteren Akteurinnen und Akteuren veröffentlichte. Der Plan wird ständig neuesten Erkenntnissen angepasst. Die Maßnahmen sind jedoch nicht abschließend und sollten regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden.
Beispiele aus dem aktuellen Hitzeschutzplan
- Sportstätte Hitzeorientierungsplan für Innenräume und Außengelände erstellen. Darin besonders hitzebetroffene Bereiche sowie kühle Orte und Erholungsbereiche sowie Wasser-Auffüllstationen, Eisschrank, Sanitäranlagen, Erste-Hilfe-Station darstellen
Technische Hitzeschutzmöglichkeiten überprüfen und ggf. anschaffen, z. B. Pavillons, Sonnensegel, Jalousien, Schattennetze, Vernebelungsanlagen, Trinkwasserspender und Kühlboxen.
- Verschattung der Zuschauerbereiche bereits bei der Planung von Wettbewerben berücksichtigen
- Eine für Hitzeschutz zuständige Person benennen und hauptamtlich Mitarbeitende sowie freiwillig Engagierte über Erstellung eines Hitzeschutzkonzeptes informieren.
- Maßnahmenkatalog für akute Hitzewarnstufen1 und 2 erstellen und Vorgehen bei Extremwetterereignissen (wie beispielsweise Gewitter, Hitzewellen) bei Training, Wettkämpfen und Veranstaltungen festlegen.
- Überbrückungskonzepte für Mangellagen (Energie, Wasser) erstellen
- Festlegung, ob und wann Wettkämpfe bei extremer Hitze abgesagt oder verschoben werden können.
- Bewirtungsangebot bei Veranstaltungen im Sommer rechtzeitig ab-
Stimmen. Hygienestandards – auch bei ehrenamtlicher Bewirtung – zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen prüfen.
- Kommunikationsstruktur einrichten und basierend auf den Hitzewarnstufen (interne sowie externe Kommunikation) festlegen.
- Kühle Orte ausweisen, Hitzeorientierungsplan auslegen oder gut sichtbar aufstellen. (Mobile) Verschattung der Publikumsbereiche.
Sporttreibende zählen zu den besonders betroffenen Risikogruppen für klimabedingte Gesundheitsrisiken.Weltgesundheitsorganisation
Über die damit verbundenen Kosten steht weder im Hitzeschutzplan noch beim DMSB etwas. Grundlegend wird auch über eine Restrukturierung des Trainings- und Wettbewerbsbetriebes gesprochen. Unter anderem über eine Verlängerung der Sommerpause und damit eine Verkürzung der Winterpause oder auch Verlagerung der Startzeiten in die Morgen- oder Abendstunden.
Über kurz oder lang müssen sich Promoter, Veranstalter und Streckenbetreiber wohl darüber intensive Gedanken machen. Most war nur ein Vorgeschmack auf das, was alles noch kommen kann. Ein wenig Vorbereitung kann daher nicht schaden.
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