Neuauflage der RR im Anmarsch: BMW-Superbike-Entwicklung auf der Zielgerade
Die Entwicklung der kommenden S1000RR und M1000RR von BMW liegt in den letzten Zügen. Vom Glanz der neuen Superbike-Generation sollen auch künftige Ein- und Zweizylinder-Sportler profitieren.
Die S1000RR ist BMWs Imageträger. Zwar ist der Bestseller der Bayern seit Jahr und Tag die «GS», Synonym für die Top-Reiseenduro der Bayern, an deren Bedeutung sich auch in der aktuellen Generation R1300GS nichts geändert hat. Doch kein Modell hat in diesem Jahrtausend so viel für Wahrnehmung und Markenbildung der Münchener getan, wie die erste Generation des Superbikes S1000RR. Erst durch sie konnte BMW sich endgültig vom trägen Image früherer Tage lösen.
Auch die aktuelle Generation zählt im Tausender-Segment nach wie vor zum Besten, was der Markt zu bieten hat. Und das, obwohl die aktuelle Generation der S1000RR in ihrer Urform bereits sieben Jahre alt ist. Mehrere Modellüberarbeitungen haben das Modell, wie im Superbike-Segment üblich mit kurzen Neuheiten-Zyklen, immer wieder frisch gehalten. Die Einführung der Speerspitze M1000RR, auf der die Münchener mit Toprak Razgatlioglu endlich die Superbike-Weltmeisterschaft gewinnen konnten, tat ihr Übriges. So bringen die Bayern jährlich noch immer rund 20.000 S1000RR und M1000 RR an den Mann und die Frau.
Große Fußstapfen, in welche die Nachfolge-Generation treten muss. Und dass diese nicht mehr lange auf sich warten lässt, ist längst kein Geheimnis mehr. Schon im Mai 2025 zeigte BMW auf dem Concorso d'Eleganza einen Ausblick auf auf sein kommendes Superbike. «Concept RR» hieß das Ausstellungsstück, das noch mit dem üblichen Ornat einer Konzeptstudie aufwartete.
So war die Verkleidung in Gänze aus Kohlefaser gefertigt, das Heck fiel mit eingestanztem RR-Schriftzug und beleuchtetem RR-Symbol auf und auch die Bremsanlage des Konzeptmotorrads ist weder in der verkaufsfertigen neuen S1000RR zu erwarten, noch in der extremeren M1000 RR.
Die Entwicklung der neuen Superbike-Generation biegt unterdessen auf die Zielgerade ein, für einen Verkaufsstart spätestens zum Saisonstart der Superbike-WM 2028. In Bayern, Südfrankreich und Spanien absolvieren längst eine ganze Reihe von Vorserienmotorrädern ihre letzten Rennstrecken-, Straßentest- und Prüfstandsläufe.
Ein so großer Sprung wie die aktuelle Generation mit der Bezeichnung K67 es bei ihrer Einführung war, wird die Neuauflage nicht. Der Rahmen basiert beispielsweise weitestgehend auf der aktuellen Konstruktion. Dieser Rahmen war in der aktuellen M1000 RR erst kürzlich, zum Modelljahr 2027, überarbeitet worden. «M Motorsport Rahmen der 3. Generation» nennen die Bayern das Chassis nun, das gegenüber der vorherigen Konstruktion 1,3 kg einsparen soll und auf dem Chassis des Superbike-Werksmotorrads der Saison 2024 basiert. Es wird in der aktuellen 1000er-Generation bislang exklusiv in der M-Variante verbaut.
Die Gestaltung von S1000RR und M1000RR soll Merkmale der «Concept RR» aufgreifen. Die Frontpartie mit ihren Frontscheinwerfern und dem charakteristischen Ram-Air-Einlass wirkt dem Konzeptmotorrad wie aus dem Gesicht geschnitten. Kein Wunder, bezeichnete BMW-Motorrad-CEO Markus Flasch dieses bei seiner Präsentation doch als «sowohl in technischer als auch formsprachlicher Hinsicht ein wahres Meisterstück unseres Entwicklungsteams.» Die Studie deutete entsprechend auch aerodynamisch bereits an, wohin bei den späteren Serienmodellen die Reise gehen wird: Wie bei dieser wird auch bei der kommenden Superbike-Generation der vordere Teil des Motorrads ebenso gezielt durchströmt wie das aerodynamisch bis ins Detail optimierte Heck.
Und wie auch bei der aktuellen Generation des Vierzylinder-Sportlers wird sich die Gestaltung der Verkleidung des Superbike-Duos unterscheiden: Die S1000RR soll sich dabei näher am Design der Konzeptstudie orientieren. Dies beinhaltet auch ähnlich dimensionierte und geformte Winglets. Stärker noch als bei der letzten Modellüberarbeitung der aktuellen Superbike-Generation, bei der sich die Gestaltung der Flügel noch anglich, sind diese künftig das stärkste optische Unterscheidungsmerkmal: Bei der extremeren M1000RR kommen horizontale, tragflächenartige Flügel mit großflächigeren, horizontal gestalteten Flügeln zum Einsatz, deren Zuwachs an Abtrieb wohl ausschließlich im Renneinsatz zum tragen kommen dürfte.
Dass beide Varianten diese Winglets über den gesamten Produktionszyklus, inklusive später folgender Überarbeitungen, behalten werden, gilt als ausgemacht. Zu tief sind die Flügel mittlerweile in das aerodynamische Konzept der Supersportler integriert. Das Fahrwerk setzt am Heck wieder auf eine Unterzug-Schwinge aus Aluminium, wo die Studie noch auf teure Carbonfaser setzte. Und wie der Werkstoff soll auch die Konstruktion selbst neu gestaltet sein.
Als Herz fungiert weiterhin der 999 ccm Hubraum messende Reihenvierzylinder, der auch künftig wieder auf die variable Einlass-Nockenwellensteuerung Shiftcam setzen, aber rundum überarbeitet werden wird. Auf 218 PS kommt dieser in der aktuellen Generation mit den blau lackierten Bremssätteln und dreht über 15.000/min, in der Konzeptstudie sollen rund 230 PS angestanden haben. Die kommende BMW-Sportlerin mit dem M im Namen dürfte ihre Nennleistung wohl dazwischen einordnen, die «S» wird auf ein paar Pferde verzichten müssen. Sie wird zudem, wie auch in den aktuellen Modellen, ein paar Kilos mehr auf die Waage bringen als die Wettbewerbs-Basis und etwas weniger hoch drehen.
Während die M1000RR auch künftig die Basis für den Einsatz in der Superbike-WM stellt, bleibt die S1000RR ziviler. Gleichzeitig strahlt die S1000RR durch ihre Zugänglichkeit auch auf den Rest der Modellpalette ab. Mindestens zwei weitere sportliche Modelle sollen die Bayern planen, die vom Glanz des Vierzylinder-Sportlers profitieren sollen. Eines davon auf Basis der neuen F450-Plattform. BMW-CEO Markus Flasch versprach gegenüber SPEEDWEEK.com bereits im letzten Jahr, dass auf dieser Basis «straßenorientierte und sehr sportliche Motorräder kommen werden». Auf Basis des Naked-Bikes F450 R, das Ende diesen Jahres präsentiert werden dürfte, ist ein Alltagssportler denkbar. Ein ähnliches Konzept, jedoch mit einem Zylinder, boten die Bayern bereits mit der G310RR an, diese wurde jedoch nur in Indien verkauft.
Mit ebenfalls zwei Zylindern, jedoch drei Klassen höher angesiedelt, soll sich in München auch ein Mittelklasse-Sportler auf Basis der F900 R-Nachfolgerin in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Sie folgt einem Rezept, das mit dem von KTMs 990RC R vergleichbar ist: Vollverkleideter Sportlerlook, einschließlich der inzwischen fast obligatorischen Winglets, jedoch mit alltagstauglicher Ergonomie. Bis dieses Modell Serienreife erlangt, dürften aber noch mindestens zwei Jahre ins Land gehen.
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