Euro Moto Superbike • Neu
Nürburgring: Soomer-Comeback mit Hilfe des Olympia-Stützpunkts Estland
Der erste Auftritt der Bagger im Rahmen der Euro Moto sorgte für ziemliches Aufsehen. Mittendrin im dumpf röhrenden Maschinengebrüll war auch ein mehr oder weniger Altbekannter.
Bei der sechsten Saisonstation der Euro Moto gab es den ersten Auftritt des vom spanischen Ex-Grand-Prix- und Superbike-WM-Piloten Ruben Xaus initiierten und geleiteten offiziellen Bagger Racing European Cup, offiziell Bagger Racing League, im Rahmen der Euro Moto bzw. auch der IDM. Ein erstes für 2025 geplantes Gastspiel kam nicht zustande. Als einziger Deutscher mittendrin im Geschehen war Andreas Schäfer.
Von ihm ließ sich SPEEDWEEK.com erklären, was den besonderen Reiz ausmacht, mit einem schwerfälligen Motorrad fernab eines filigranen Sportgerätes Rennen zu fahren. Dazu sagte der Frankenthaler Malermeister: «Das Besondere am Bagger fahren ist, eine Bagger zu fahren. Es ist etwas, was sonst keiner fährt und macht so den Reiz aus. Das Schwere daran ist, mit so einem schweren Teil zu fahren. Das Ding hat rennfertig 280 Kilo. Ursprünglich hat diese Harley 385 Kilo, das heißt, es sind schon über 100 Kilo abgespeckt, um das Ding rennfähig zu machen. Umgekehrt muss man mit ca. 165 PS aus 2,2 Litern Hubraum auskommen. Ich finde, das ist einfach auf der Rennstrecke ein Eye-Catcher. Das ist, wie wenn du eine Hauswand kunterbunt anmalst. Irgendwie sind wir die Outlaws und der Publikumsmagnet. Das haben wir hier in vielen Gesprächen gemerkt.»
Beim Namen Andreas Schäfer stutzt man. So sagte der Name des mittlerweile 60-Jährigen dem einen oder anderen IDM-Langzeit-Reporter noch etwas. Angefangen mit dem Motorradrennsport hat er 1993 beim 1000-Kilometer-Rennen in Hockenheim. Danach fuhr er jahrelang Seriensport. Seine IDM-Karriere beinhaltete ab den 2000ern ein paar unregelmäßige Gaststarts in der IDM Superbike und 2009 eine volle Saison. «Da wollte ich mal eine komplette Saison IDM Superbike fahren. Punkte habe ich zwar keine geholt, aber es war für mich mal ein Erlebnis, mitzufahren, ein bisschen was zu lernen und Spaß zu haben. Ich wollte einfach mal dabei sein und mit den großen Jungs mitfahren. Bei einem meiner früheren Gaststarts, ich glaube es war 2008, habe ich mich mal in Hockenheim rundenlang mit Michael Schumacher gebattelt. Das war ein tolles Erlebnis.»
Danach fuhr er bis einschließlich 2012 weiter Seriensport und beendete Ende des Jahres seine Karriere. 2022 wurde er beim IDM-Finale in Hockenheim rückfällig und belegte, ohne als Gaststarter Punkte dafür zu kassieren, in der Pro Superstock 1000 die Plätze 9 und 11. «Da habe ich gemerkt, dass es noch einigermaßen geht und habe mich dann für den Speer Cup angemeldet. Den zweiten Lauf auf dem Nürburgring habe ich gewonnen und habe danach meine Karriere wieder beendet.»
Doch auch dabei blieb es nicht. «Ja, richtig. Jetzt fahre ich Bagger, weil ich in meinem Alter von der Geschwindigkeit her um mich herum noch mehr alles mitbekomme. Ich kann das mit der Bagger alles viel besser einschätzen als mit einem richtig schnellen Motorrad. Ich sehe die Streckenposten nicht mehr richtig, wenn die Signale geben. Da habe ich gemerkt, dass ich eine Gefahr für andere und natürlich auch für mich selbst bin. Man muss sich im Alter echt eingestehen, dass nicht mehr alles geht. Die Sicherheit geht vor.»
Der Schritt zur Bagger Racing League 2025 kam nicht von ungefähr, denn im Privatleben fuhr er immer parallel eine Harley. «Ende 2024 fragte mich mein Händler, ob ich Interesse hätte, so eine Bagger permanent auf der Rennstrecke zu fahren? So waren wir voriges Jahr beim Bagger Cup Europa dabei. Gleich beim ersten Lauf in Cremona wurde ich Dritter. Ab dem zweiten Rennen in Rijeka hatten wir dann technische Probleme, die wir nicht lösen konnten. So bin ich in 2025 keine weiteren Rennen gefahren. Dieses Jahr im Januar ging mein Händler in die Insolvenz. Da waren das Motorrad und die angeschafften Teile weg und das Thema für mich durch. Hier am Nürburgring hat man mir das Gast-Motorrad angeboten.»
Sein Euro-Moto-Wochenende war von einem gravierenden technischen Problem und nur wenigen Runden gekennzeichnet. Im ersten Rennen musste er dem Feld aus der Boxengasse aus nachstarten und kam dann nur vier Runden weit. Das restliche Neun-Fahrer-Feld mit dem Sieger Ruben Xaus fuhr die planmäßige Distanz von acht Runden. Im zweiten Rennen setzte sich erneut der Bagger-Boss nun aus Andorra mit seiner Ducati Diavel knapp gegen den gleich motorisierten Italiener Andrea Tomio durch. Andreas Schäfer schaute diesmal komplett zu.
Newsletter
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach
Die aktuellsten News rund um die Uhr, von Experten analysiert und kommentiert und exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Hier schreiben Fans für Fans.