ADAC MX Masters
Die 60-jährige Geschichte des MSC Teutschenthal (1966-1971)
In seiner 60-jährigen Geschichte hat sich der MSC Teutschenthal zur 1. Adresse für den Motocross-Sport in Deutschland entwickelt. schon 5 Jahre nach Clubgründung wurde der erste WM-Lauf organisiert.
Vor wenigen Tagen feierte der MSC Teutschenthal sein 60-jähriges Gründungsjubiläum mit einer großen Gala. 6 Jahrzehnte MSC Teutschenthal sind Leidenschaft und beharrliches Engagement für Motorsport auf höchstem Niveau.
In seiner 60-jährigen Geschichte hat sich der Motorsportclub Teutschenthal mit immer wieder neuen Ideen zur ersten Adresse für den Motocross-Sport in Deutschland entwickelt und ist heute ein fester Bestandteil der Motocross-Weltmeisterschaft.
Das Ende der Halle-Saale-Schleife
Die Halle-Saale-Schleife im Westen der Saalestadt wurde bereits in den 1950er und 60er Jahren zum Anziehungspunkt für zehntausende Motorsport-begeisterter Zuschauer. Auf dem Straßenrennkurs starten Fahrer wie Hans Stuck in der Formel 2 und Heinz Melkus in der Formel Junior vor mehr als 100.000 Zuschauern. Der spätere Motorradweltmeister Ernst Degner und MZ-Werksfahrer Horst Fügner waren auf dem Straßenrennkurs erfolgreich. Auf dem Gelände der Halle-Saale-Schleife wurden Straßenrennen, aber auch Grasbahnrennen und sogar Motocross-Läufe veranstaltet. Auch der Go-Kart-Sport (damals als K-Wagen bezeichnet) erlebte in dieser Zeit ebenfalls einen beachtlichen Aufschwung.
Lokalmatador Joachim Jahnke aus Halle
Erfolgreicher Lokalmatador der Stadt Halle war ein junger Go-Kart-Pilot: Joachim Jahnke. Er gewann auf der Halle-Saale-Schleife, doch die Motoren sollen Mitte der 1960er Jahre auf seiner Heimstrecke für immer verstummen. Der Kurs, der teilweise durch Wohngebiete führte, war nicht mehr zeitgemäß und westlich der Strecke wurde Halle-Neustadt errichtet, ein Neubaugebiet für die Chemiegroßbetriebe Buna und Leuna. Joachim Jahnke wurde beauftragt, Alternativen zu suchen. In Teutschenthal fand er seine Frau Karin und zog zu ihr. In der Gegend um Teutschenthal wurde er im Bereich einer stillgelegten Kohlegrube fündig.
Die Teubner-Brüder aus Halle
Mopeds und Motorräder waren in der DDR der 1960er Jahre keine Lifestyle-Objekte, sondern reale Fortbewegungsmittel, Alltagsgegenstände. Paul Friedrichs holte 1966 seinen ersten Weltmeistertitel in der 500er Königsklasse im Motocross und das strahlte auch auf die Jugend aus. Motocross-Strecken schossen wie Pilze aus den Boden. In dieser Zeit machten 3 Brüder auf sich aufmerksam, die im Motocross und anderen Disziplinen national und international erfolgreich waren: Die Teubner-Brüder, Heinz, Gerhard und Joachim, aus Halle an der Saale.
Gründung 1966
Der Motorsportclub Teutschenthal wurde am 26. September 1966 gegründet. Nur 19 Tage nach Clubgründung, am 15. und 16. Oktober 1966, fand in der ehemaligen Kohlegrube von Teutschenthal das erste Rennen statt und der Sieger hieß Paul Friedrichs. Es gab weder Startanlage noch das charakteristische Zielgebäude, das den Talkessel bis heute prägt. Der Start erfolgte mit Flagge.
Die erste Startanlage
Insgesamt gab es im Talkessel 4 unterschiedliche Starts und Startmaschinen, die immer wieder den Erfordernissen internationaler Veranstaltungen angepasst wurden. Als Streckenbegrenzung dienten damals Werbefähnchen der Filmfabrik Orwo in Wolfen.
Die ersten Gebäude im Talkessel
Die ersten Baracken wurden errichtet und auch das Start-Ziel-Gebäude, das vom Kali-Kombinat für die WM-Austragungsorte konzipiert wurde, gehörte zu den frühen Bauvorhaben im Talkessel errichtet. Paul Friedrichs, der 1967 schon seinen zweiten WM-Titel eingefahren hat, ist von dem Hartbodenkurs begeistert. Mit der neuen Startanlage und dem Fahrerlager direkt neben der Strecke wird der Talkessel in kürzester Zeit auf Welt-Niveau gebracht.
Dominator Paul Friedrichs
Paul Friedrichs, der sich mit seinem dritten Weltmeistertitel in der 500er-Königsklasse unsterblich gemacht hat, gewinnt weiter jedes Rennen und wird zum absoluten Publikumsliebling.
Erster WM-Lauf 1971
Der MC Teutschenthal hatte sich in den ersten 3 Jahren seit seiner Gründung als einer der besten Veranstalter der in Ostdeutschland so populären Motocross-Veranstaltungen etabliert und das bleibt nicht unbemerkt. Der MC Teutschenthal wird vom ADMV (Allgemeiner Deutscher Motorsport Verband, Motorsportföderation der DDR) beauftragt, am 4. Juli 1971 erstmals einen Weltmeisterschaftslauf zu organisieren. Es war der 8. Lauf der 250er-WM. Am Start s die komplette Weltelite: Die belgischen Motocross-Legenden Joel Robert und Sylvain Geboers, die schwedischen Superstars Hakan Anderson und Olle Petterson, der Finne Heikki Mikkola, Guennady Moisseev und Vladimir Kavinov aus der Sowjetunion, die Tschechen Jaroslav Falta, Miroslav Halm und Okatar Toman und der erste KTM-Werksfahrer Siegfried Lerner aus Österreich. Hier im Talkessel soll es am Rande des Grands-Prix zu ersten Kontakten zwischen KTM und der sowjetischen Delegation gekommen sein und damit wurden die Weichen gestellt für den ersten WM-Titel für KTM, den Guennady Moisseev 3 Jahre später erringen sollte.
Die Premiere gelang und der spätere Weltmeister Joel Robert gewann auf Suzuki mit Siegen in beiden Läufen über jeweils 40 Minuten. Der junge Helmut Schadenberg schlug sich bei der Staub- und Hitzeschlacht wacker und wurde Zwölfter.
Zuschauermagnet von Anfang an
Schon damals wurde der Talkessel von den Zuschauern beinahe überrannt. Der Andrang war so groß, dass am Sonntag zwischenzeitlich sogar die Karten ausgegangen sein sollen.
Erster und vorerst letzter WM-Lauf 1971
Trotz der erfolgreichen Premiere, sollte der WM-Lauf 1971 vorerst auch der letzte bleiben. Schon 1969 gab es den Leistungssportbeschluss des SED-Politbüros, der den alleinigen Fokus der Sportförderung auf die olympischen Sportarten legte. Der ADMV beschloss, ab 1973 keine Welt- und Europameisterschaftsveranstaltungen mehr auszurichten. Gleichzeitig durften DDR-Sportler nicht mehr an Wettbewerben im kapitalistischen Ausland teilnehmen.
Doch für den dreimaligen Weltmeister kam das nicht infrage. Paul Friedrichs beendete seine aktive Karriere Ende 1972 im Alter von 32 Jahren. Der MC Teutschenthal ließ sich davon aber nicht entmutigen und im Talkessel ging es trotzdem weiter, international, hochkarätig und spannend, nur eben ein bisschen anders.
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