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Nach BMWs EWC-Titel: Ducati hat die Langstrecken-WM «auf dem Radar»

Nach BMWs historischem WM-Titel könnte ein weiterer europäischer Hersteller folgen. Ducati-Technikkoordinator Marco Zambenedetti spricht exklusiv über das Interesse an der Langstrecken-WM.

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Mit BMW hat 2026 erstmals ein europäischer Hersteller die Langstrecken-Weltmeisterschaft gewonnen. Jahrzehntelang war die EWC eine Domäne der japanischen Marken, die mit ihrer Erfahrung, Zuverlässigkeit und ausgereiften Technik die Maßstäbe setzten. Nun stellt sich die Frage, ob der Erfolg von BMW weitere europäische Hersteller dazu bewegen könnte, ein eigenes Werksprojekt aufzubauen.

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Ein besonders interessanter Kandidat ist Ducati. Die Italiener haben mit der Panigale V4R in der Superbike-WM und nationalen Meisterschaften wie der Britischen Superbike-Meisterschaft (BSB), der IDM/Euro Moto, der Asiatischen Meisterschaft (ARRC), der Australischen Meisterschaft (ASBK) sowie der Japanischen Meisterschaft eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in ihrem Superbike steckt. In der Langstrecken-WM fehlt bislang allerdings ein offizielles Ducati-Werksprojekt.

Das könnte sich perspektivisch ändern. Ducati-Technikkoordinator Marco Zambenedetti bestätigte im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com, dass die EWC durchaus ein Thema für den Hersteller aus Borgo Panigale ist. «Es ist eine Meisterschaft, die wir im Auge haben. Wir sind interessiert», erklärte Zambenedetti.

Warum Ducati bisher auf die Langstrecken-WM verzichtet

Dass Ducati bislang kein eigenes Werksprogramm in der EWC gestartet hat, hängt laut Zambenedetti vor allem mit den Prioritäten in der Rennsportabteilung zusammen. «In diesem Jahr hatten wir ein komplett neues Projekt und viele Fahrer. Schlussendlich mussten wir uns auf das Projekt in der Superbike-WM konzentrieren», erläuterte der Italiener.

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Die Entwicklung und das Verständnis der neuen Panigale V4R für 2026 beanspruchten zunächst die verfügbaren Ressourcen. «Wir mussten das Motorrad besser verstehen und herausfinden, was möglich ist. Es war zu früh, um in eine weitere Meisterschaft einzusteigen.»

Ducati wollte sich deshalb zunächst auf die Superbike-WM konzentrieren, statt parallel ein zusätzliches Engagement aufzubauen. Ein konkreter Zeitplan für einen Einstieg in die Langstrecken-WM existiert derzeit nicht. Zambenedetti stellte ausdrücklich klar: «Der Fokus lag auf der Superbike-WM, doch die EWC haben wir auf unserem Radar. Es gibt bisher aber noch keine konkreten Ideen.» Von einem beschlossenen Ducati-Werksprojekt kann somit keine Rede sein. Das grundsätzliche Interesse ist jedoch vorhanden.

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Warum die Langstrecken-WM für Ducati besonders reizvoll wäre

Ein Engagement in der EWC könnte für Ducati weit mehr bedeuten als zusätzliche Rennsiege und Meisterschaftstitel. In kaum einer anderen Rennserie lässt sich die Verbindung aus maximaler Performance und technischer Zuverlässigkeit so eindrucksvoll demonstrieren.

Während in der Superbike-WM vor allem die Geschwindigkeit über vergleichsweise kurze Renndistanzen zählt, müssen Motorräder in der Langstrecken-WM über 8 oder 24 Stunden unter hoher Belastung funktionieren. Dabei werden nicht nur Motor und Getriebe, sondern auch Fahrwerk, Elektronik und zahlreiche weitere Komponenten auf eine außergewöhnlich harte Probe gestellt.

Gerade für Ducati wäre das eine interessante Bühne. Die Marke kämpfte über viele Jahre mit dem Ruf, zwar besonders sportliche, aber nicht immer zuverlässige Motorräder zu bauen. Ein Langstrecken-Projekt mit einem V2-Motor war auf Grund der konzeptionellen Nachteile ohnehin schwierig. Mit der Einführung der V4-Motorengeneration in der Saison 2019 haben sich die technischen Voraussetzungen grundlegend verändert.

Dass die Panigale V4R schnell ist, muss Ducati längst nicht mehr beweisen. Ein erfolgreiches Engagement in der Langstrecken-WM könnte dagegen demonstrieren, dass die italienischen Superbikes auch unter extremen Bedingungen dauerhaft konkurrenzfähig sind.

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BMW hat mit dem Titelgewinn 2026 gezeigt, dass moderne europäische Superbikes inzwischen auch in einer Meisterschaft erfolgreich sein können, in der die japanischen Hersteller lange Zeit praktisch unter sich waren.

Marvin Fritz: «Die Langstrecke ist eine große Herausforderung»

Dass der Schritt in die EWC trotzdem kein Selbstläufer wäre, betont YART-Werkspilot Marvin Fritz. Der Deutsche verfolgt die Entwicklung von Ducati aufmerksam und erinnert an den Auftritt des Teams von Yukio Kagayama bei den 8 Stunden von Suzuka 2025. Dort zeigte die Ducati Panigale V4R insbesondere im Qualifying vielversprechende Ansätze.

Im Rennen offenbarte sich jedoch, wie anspruchsvoll der Langstrecken-Rennsport ist. «Für die 8-Stunden-Rennen ist das Motorrad sicher nicht schlecht. Vielleicht ist es auch für 24-Stunden-Rennen gut. Doch das ist ein hartes Pflaster», betonte Fritz im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

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«Im Qualifying waren sie in Suzuka nicht schlecht. Doch im Rennen hatten sie einige Probleme und waren auch nicht schnell genug.» Für den erfahrenen EWC-Piloten zeigt dieses Beispiel, dass sich die Leistungsfähigkeit eines Superbikes nicht ohne Weiteres auf den Langstrecken-Rennsport übertragen lässt. «Ich denke, sie haben realisiert, dass die Langstrecke eine große Herausforderung ist», vermutete Fritz.

Ducati muss seine Prioritäten abwägen

Der Yamaha-Pilot sieht vor allem die Frage nach dem sportlichen und wirtschaftlichen Nutzen eines zusätzlichen Rennprogramms. «Ich denke, sie konzentrieren sich stärker auf die MotoGP und Superbike-WM, wo sie mehr Aufmerksamkeit auf die Marke lenken können», erklärte Fritz.

Allerdings hatte auch er mit einem stärkeren Ducati-Engagement im Langstrecken-Sport gerechnet. Abgesehen von privaten Projekten, wie dem von ERC Endurance, war Ducati nicht in der EWC vertreten.

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«Ich persönlich hatte erwartet, dass sie den Schritt in die Langstrecke machen. Doch bisher habe ich noch nicht viel gehört», bemerkte der Deutsche. Die Voraussetzungen für einen möglichen Einstieg erscheinen aus sportlicher Sicht durchaus interessant. Mit der Panigale V4R verfügt Ducati über eine leistungsfähige Basis, während der historische Titelgewinn von BMW die bisherige Vormachtstellung der japanischen Hersteller in der EWC beendet hat.

Ob Ducati diesen Weg ebenfalls einschlagen wird, bleibt offen. Zambenedettis Aussagen machen deutlich, dass die Langstrecken-WM in Borgo Panigale durchaus Beachtung findet. Bis aus dem grundsätzlichen Interesse ein konkretes Werksprojekt wird, dürfte allerdings noch einiges an Entwicklungsarbeit und Planung notwendig sein.

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