Aprilia-Ingenieur schwärmt: «Dovizioso hatte keine Angst»
Im April 2021 testete Andrea Dovizioso für Aprilia. Ingenieur Giovanni Mattarollo erinnert sich an einen außergewöhnlichen Entwicklungsfahrer, der Mut zu radikalen Ideen hatte.
Als technischer Koordinator des Aprilia-Testteams arbeitete Giovanni Mattarollo in der Saison 2021 eng mit MotoGP-Legende Andrea Dovizioso zusammen. Obwohl der Italiener nur sechs Testsessions für den Hersteller aus Noale absolvierte, hinterließ er bei dem Ingenieur einen bleibenden Eindruck.
«Wir haben sechs Testsessions gemeinsam absolviert. Dovizioso war ein fantastischer Testfahrer, weil er eine enorme Menge an technischem Feedback lieferte», erinnert sich Mattarollo im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com.
Dovizioso zeigte Mut für ungewöhnliche Wege
Besonders beeindruckte den Aprilia-Ingenieur die Herangehensweise des dreimaligen MotoGP-Vizeweltmeisters. Dovizioso beschränkte sich nicht darauf, Probleme zu analysieren, sondern forderte die Techniker immer wieder dazu auf, mutige Wege zu gehen.
«Was ihn besonders machte, war, dass er keine Angst hatte, extreme Lösungen auszuprobieren. Er sagte oft: ‚Habt keine Angst, etwas Radikales zu versuchen. Wenn du das Motorrad länger machen willst, dann mach es länger. Lasst uns verstehen, was passiert.»
Für Mattarollo war genau diese Kombination aus analytischem Denken und Offenheit für Experimente ein entscheidender Faktor in der Entwicklungsarbeit. «Er verband sehr präzises Feedback mit einer aufgeschlossenen Haltung gegenüber Experimenten, was während der Entwicklung äußerst wertvoll ist», betont der Italiener.
Nicht ohne Grund wird Andrea Dovizioso im MotoGP-Paddock häufig als «Ingenieur auf zwei Rädern» bezeichnet. Eine Einschätzung, der Mattarollo uneingeschränkt zustimmt.
«Auf jeden Fall. Er war unglaublich analytisch und präzise. Er konnte genau erklären, was das Motorrad tat, aber gleichzeitig ermutigte er uns, Ideen zu testen, ohne Angst vor Fehlern zu haben. Diese Kombination machte ihn zu einem sehr effektiven Entwicklungsfahrer», schwärmte Mattarollo.
Aprilia & Dovizioso: Nach sechs Testsessions war Schluss
Die Zusammenarbeit zwischen Aprilia und Dovizioso endete nach den sechs Testsessions. Der Wunsch von Aprilia-Rennleiter Massimo Rivola, den Italiener dauerhaft als Testfahrer zu verpflichten, erfüllte sich nicht. Stattdessen entschied sich «Dovi» für eine Rückkehr zu Yamaha. Für das Petronas-Team bestritt er die letzten fünf Rennen der MotoGP-Saison 2021, nachdem Maverick Vinales das Yamaha-Werksteam verlassen hatte und Franco Morbidelli ins Werksteam aufgerückt war.
Mit seinen Einsätzen empfahl sich Dovizioso für ein Stammcockpit in der Saison 2022. Die erhoffte Erfolgsgeschichte blieb jedoch aus. Der Italiener blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück und wurde nach 14 Rennwochenenden durch Cal Crutchlow ersetzt. Sein bestes Ergebnis in dieser Zeit war ein elfter Platz.
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