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Pirro erklärt: Warum Stoner mit seiner Testarbeit Ducati kaum helfen konnte

Ducati-Testfahrer Michele Pirro spricht offen über die Zusammenarbeit mit Casey Stoner. Das Talent des Australiers sei außergewöhnlich gewesen – als Testfahrer habe er jedoch nur bedingt geholfen.

MotoGP

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Casey Stoner gilt bis heute als einer der außergewöhnlichsten Fahrer der MotoGP-Geschichte. Auch Jahre nach seinem Rücktritt beeindruckte der Australier bei seinen Einsätzen als Ducati-Testfahrer mit einer Geschwindigkeit, die selbst erfahrene Profis ins Staunen versetzte. Ducati-Testfahrer Michele Pirro verriet nun jedoch, warum Stoners außergewöhnliche Fähigkeiten die Entwicklungsarbeit nur bedingt voranbrachten.

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Im Podcast «Mig Babol» erinnerte sich Pirro zunächst an seine ersten Jahre bei Ducati. Pirro kam 2013 zu Ducati und übernahm die Rolle des Test- und Ersatzfahrers. Ducatis MotoGP-Projekt befand sich damals im Umbruch. Valentino Rossi war gescheitert und wechselte nach zwei erfolglosen Jahren zurück zu Yamaha.

Damals galt Stoner intern als der einzige Fahrer, der die Ducati Desmosedici wirklich beherrsschte. Pirro erinnert sich: «Als ich zu Ducati kam, sagte jeder – vom Ingenieur bis zu den Leuten, die am Projekt beteiligt waren –, dass nur Stoner dieses Motorrad fahren kann und nur Stoner mit diesem Motorrad gewinnen kann.»

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Als die Ducati Desmosedici noch ein wildes Biest war

Tatsächlich galt die Ducati jener Zeit als extrem anspruchsvoll. Über mehrere Runden am Limit zu fahren, kostete selbst Spitzenpiloten enorme Kraft. Stoner hingegen ging mit der Desmosedici komplett anders um und verlangte nach einem Motorrad mit völlig anderen Eigenschaften. Das hatte viele Vorteile, aber auch Nachteile. Denn als Stoner 2016 zu Ducati zurückkehrte und Pirro bei der Testarbeit unterstützte, wurden die unterschiedlichen Anforderungen deutlich.

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«Stoner war das Gegenteil der anderen Piloten: Er wollte ein Motorrad, das richtig wild ist», erklärte Pirro und erinnerte an die Zeit, in der Michelin die Nachfolge von Bridgestone antrat und weicher konstruierte Reifen lieferte: «Er konnte einen Satz Michelin-Reifen bereits auf seiner Einführungsrunde vernichten. Das war unglaublich!»

War Stoner ein schlechter Testfahrer?

Nach seinem Rücktritt Ende 2012 kehrte Stoner zunächst als Testfahrer für Honda und später für Ducati in die MotoGP zurück. Seine Geschwindigkeit war dabei weiterhin außergewöhnlich. Als Entwicklungsfahrer stieß er laut Pirro jedoch an Grenzen.

«Er kam zurück, um sein Talent zu zeigen. Er hatte kein besonders großes Interesse daran, den Job des Testfahrers zu machen. Er hat hauptsächlich für sich selbst gearbeitet. So wie er das Motorrad abstimmte, konnte nur er damit fahren. Lorenzo testete seine Abstimmungen und kam direkt wieder rein. Ich selbst fuhr nur eine Runde damit», erinnerte sich Pirro.

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Der Grund lag vor allem in Stoners einzigartigem Fahrstil. Während die meisten MotoGP-Piloten auf elektronische Assistenzsysteme vertrauen, wollte der Australier das Motorrad nahezu ausschließlich selbst kontrollieren.

«Stoner wollte die volle Kontrolle über das Motorrad. Im Gegensatz zum Großteil der Fahrer waren das Gas und die Hinterradbremse seine Traktionskontrolle. Er wollte keine elektronischen Fahrhilfen. Er wollte auch keine Anti-Wheelie-Kontrolle. Er wollte alles selbst regeln.»

Für Pirro war deshalb nicht nur Stoners Fahrweise außergewöhnlich, sondern auch die Art, wie er seine Eindrücke beschrieb. Die Rückmeldungen von Jorge Lorenzo oder Andrea Dovizioso seien für Ingenieure und Fahrer nachvollziehbar gewesen. Bei Stoner sei das völlig anders gewesen.

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«Wenn man sich mit Stoner unterhielt, war es komplett anders», sagte Pirro. «Er erzählte, wie er eine spezifische Kurve fuhr. Zuerst dachte ich, dass so etwas nur auf einer PlayStation möglich ist. Doch dann sah ich die Datenaufzeichnungen und entdeckte, dass er es tatsächlich so macht. Und er tat es mit einer Leichtigkeit. Es ist nicht so, dass Lorenzo oder ich nicht versucht hätten, das zu kopieren. Doch zu Beginn fühlte es sich sehr unnatürlich an.»

Auch Jahre nach dem Ende seiner aktiven Karriere habe Stoner auf der Rennstrecke Dinge gezeigt, die kein anderer Fahrer reproduzieren konnte. «Er war nach wie vor unglaublich schnell. Ich sah, dass er Dinge anstellte, die kein anderer Fahrer nachmachen konnte.»

Warum Stoner die modernen MotoGP-Bikes nicht mag

Für Pirro ist deshalb klar, dass Stoners außergewöhnliches Talent heute weniger stark zum Tragen käme als früher. Die moderne Entwicklung habe die Motorräder berechenbarer und einfacher zu fahren gemacht.

«In einer Welt ohne elektronische Fahrhilfen – oder einer, in der sich die Elektronik nicht weiterentwickelt – kann ein Fahrer wie Stoner einen riesigen Unterschied ausmachen, weil er so feinfühlig ist. Doch die Entwicklung ging in Richtung Sicherheit und weniger Arbeit für den Fahrer. Er hingegen lehnte das alles ab: Er wollte keine Flügel, keine Fahrhilfen, keine Anti-Wheelie-Systeme. Seine Philosophie war eine komplett andere.»

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Pirros Aussagen zeichnen damit das Bild eines Ausnahmetalents, dessen Fähigkeiten selbst innerhalb der MotoGP kaum zu kopieren waren. Gleichzeitig zeigen sie aber auch das Dilemma: Gerade weil Stoner ein Motorrad auf eine Weise bewegte, die sonst niemand beherrschte, ließen sich seine Abstimmungen nur eingeschränkt für die Weiterentwicklung der Ducati nutzen.

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