Cal Crutchlow nach Mugello: «Ich bin nicht hier, um mir selbst zu schaden»
Cal Crutchlow sprang in Mugello im LCR-Team für Johann Zarco ein. Im MotoGP-Grand-Prix am Sonntag musste er wegen Schulterschmerzen aufgeben. In Ungarn ist der Brite wieder am Start.
In Mugello absolvierte Cal Crutchlow das erste MotoGP-Rennwochenende nach zweieinhalb Jahren. LCR-Teamboss Lucio Cecchinello holte den 40-jährigen Briten aus dem Ruhestand zurück, um für den verletzten Johann Zarco einzuspringen. Zur Erinnerung: Der Franzose hatte sich beim verheerenden Crash in Barcelona Verletzungen am vorderen und hinteren Kreuzband sowie am Innenmeniskus und eine kleine Fraktur im Wadenbein zugezogen. Die komplizierte Knieverletzung zwingt den Franzosen zu einer längeren MotoGP-Pause.
Crutchlow stand beim Großen Preis von Italien vor einer riesigen Herausforderung: Er ist lange nicht mehr auf einem MotoGP-Bike gesessen und der Entwicklungsschritt bei den Motorrädern war in Crutchlows Abwesenheit enorm – vor allem, in Bezug auf die Aerodynamik oder die Devices.
Zur Einstimmung auf sein MotoGP-Abenteuer drehte Crutchlow in Misano einige Runden mit der Honda RC213V. Dann folgte das Rennwochenende auf dem schnellen Mugello Circuit. Der dreifache MotoGP-Sieger ging es Session für Session an und konnte sich kontinuierlich steigern. Im Sprintrennen am Samstag landete er erwartungsgemäß auf dem letzten Platz – nach elf Runden hatte er 39,671 Sekunden Rückstand auf Sieger Raul Fernandez (Trackhouse Aprilia). Auf dem vor ihm ins Ziel fahrenden Ducati-Testfahrer Michele Pirro waren es 12 Sekunden. Auf Rookie Toprak Razgatlioglu fehlten ihm 14 Sekunden.
Im Grand Prix am Sonntag lief es für Crutchlow zunächst gut, doch nach zehn Runden musste er seine Honda in der Box abstellen – es ging nicht mehr. «Leider habe ich mir beim Warm-up etwas an der Schulter zugezogen. Ich habe mich vorher im medizinischen Zentrum untersuchen lassen, und wir konnten eine Verletzung feststellen», berichtete Crutchlow in der anschließenden Medienrunde. «Mir wurde geraten, das zu tun, was ich konnte, und das war’s. Das Team war informiert. Natürlich wollte ich die volle Renndistanz fahren, aber es war nicht möglich. Ich bin nicht glücklich darüber, weil ich mich wirklich gut gefühlt habe. Ich habe mich so gut gefühlt wie noch nie an diesem Wochenende. Meine Rundenzeiten waren viel besser – schon viel besser als beim Sprint. Ich war pro Runde eine Sekunde schneller als beim Sprintrennen. Mein Plan war, nach drei Runden reinzufahren, dann wurden es fünf, dann acht und schließlich zehn Runden. Also bin ich am Samstag die Hälfte des Rennens gefahren, am Sonntag die andere Hälfte. Damit habe ich ein Rennen absolviert. Einfach in zwei Hälften, wie bei einem Fußballspiel», scherzte der charismatische Brite.
Nach dem Mugello-Wochenende ließ sich Crutchlow am Montag untersuchen. «Ich muss wissen, wie groß der Schaden ist. Ich wusste nicht, was ich zu erwarten hatte. Ich meine, so lange nicht auf dem Motorrad und dann zurückzukommen und zu versuchen, eines dieser Motorräder in Mugello zu fahren. Wahrscheinlich benutze ich einen Muskel, den ich seit – wahrscheinlich Jahren – nicht mehr benutzt habe», erklärte er. «Ich habe mich am Wochenende überanstrengt oder irgendetwas ist passiert, denn ich habe gespürt, dass etwas passiert ist. Und dann hatte ich ziemlich starke Schmerzen. Aber ich wollte es versuchen. In der Aufwärmrunde dachte ich nicht, dass es möglich sein würde. Aber als ich am Start stand, fühlte ich mich okay. Doch dann wurden die Schmerzen schlimmer. Und ich habe eine hohe Schmerzgrenze. Die hatte ich schon immer. Ich wollte mir aber keinen weiteren Schaden zufügen – ich bin ja nicht hier, um mir selbst zu schaden. Also habe ich aufgehört.»
Crutchlow fährt auch im Balaton Park
Mittlerweile steht fest, dass Cal Crutchlow auch beim Ungarn-GP am kommenden Wochenende am Start stehen und erneut für Zarco einspringen wird. «Das Team ist wirklich zufrieden. Honda ist zufrieden. Ich bin zufrieden damit, wie das Wochenende gelaufen ist. Ich hätte mir nichts Besseres wünschen können», führte Crutchlow weiter aus. «Ich glaube auch, dass ich und alle erwartet hatten, dass ich langsamer sein würde. Es ist nicht einfach, so lange pausiert zu haben und dann wieder einzusteigen. Ich habe in Misano etwa 40 Runden geschafft. Als ich hier (in Mugello, Anm.) ankam, dachte ich nach dem Fahren in Misano immer noch nicht, dass es möglich wäre, weil ich einfach so lange pausiert habe. Und deshalb sind wir es Session für Session angegangen. Ich sagte zu mir: Ich werde nach dem FP1 schauen. Ich werde nach dem Zeittraining schauen. Ich werde nach dem FP2 schauen. Und so sind wir einfach vorgegangen. Und wenn ich es zu irgendeinem Zeitpunkt nicht mehr gepackt hätte, hätte ich gesagt: Ich will aufhören. Und das war ihnen (dem Team) auch völlig klar. Ich kenne niemanden sonst, der das tun würde oder könnte. Ich war nicht konkurrenzfähig, aber vor ein paar Jahren wäre ich konkurrenzfähig gewesen. Das Tempo hat sich weiterentwickelt. Aber insgesamt bin ich wirklich zufrieden.»
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