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MotoGPKolumne

CWM-LCR: Ein Londoner Grieche und jede Menge Knete

Die pompöse CWM-LCR-Teampräsentation in London weckte Erinnerungen an eine Zeit, in der ebenfalls im Geld schwimmende Firmen die Motorrad-WM überfluteten.

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Miller zu Crutchlow: «Diese Typen aus der Finanzbranche sind die idealen Sponsoren, Cal. Sie wissen, wie man ‹crasht›.» Im Hintergrund stürzen CWM-Chef Anthony Constantinou und der Börsenkurs von CWM vor der Skyline von London ab.
Miller zu Crutchlow: «Diese Typen aus der Finanzbranche sind die idealen Sponsoren, Cal. Sie wissen, wie man ‹crasht›.» Im Hintergrund stürzen CWM-Chef Anthony Constantinou und der Börsenkurs von CWM vor der Skyline von London ab.
Foto: Mockett
Miller zu Crutchlow: «Diese Typen aus der Finanzbranche sind die idealen Sponsoren, Cal. Sie wissen, wie man ‹crasht›.» Im Hintergrund stürzen CWM-Chef Anthony Constantinou und der Börsenkurs von CWM vor der Skyline von London ab.
© Mockett

Die Models, welche die neuen CWM-LCR Honda bei der Teampräsentation in Szene setzten, trugen weiße Lederkombis. Der Reißverschluss stand bis zur Taille offen. Diese Offenherzigkeit schien etwas überflüssig, da die Lederkombis ohnehin nur mit etwas Farbe auf die Körper der Models gesprüht wurden.

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Neben den üblichen Gesichtern aus dem MotoGP-Paddock tummelte sich auf der Tanzfläche des hippen Londonder West End Clubs auch eine kreischende Gruppe Neureicher mit ihren Fashionista-Freundinnen. Sie stürzten kostspielige Cocktails und Gourmet-Finger-Food im Akkord hinunter. Londoner Senkrechstarter beim Spielen... Es wurde zu späterer Stunde wilder und wilder, als die Band zu spielen begann.

Die Fahrer Cal Crutchlow und Jack Miller sahen ihrem Schicksal stets leicht verwirrt entgegen, das sie mit einem Teamsponsor verbindet, der so offensichtlich in Geld schwimmt und gerne damit um sich wirft.

CWM-FX-Chef Anthony Constantinou genießt die Möglichkeit, so verschwenderisch zu sein, so sehr, als fielen Ostern und Weihnachten auf einen Tag. Die Ähnlichkeit zur britischen Comedy-Serie "Loadsamoney" aus den 1980ern, in der Harry Enfield prahlerische "Rich Kids" auf die Schippe nahm, war unverkennbar.

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Zurück in der Zeit der "Big Spender"?

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Auch ich war ziemlich glücklich – und das nicht nur wegen dem Champagner und den Caipirinhas. Ich berichte lange genug über den GP-Sport, um mich an das letzte Mal zu erinnern, als der Paddock mit "Big Spender", also großzügigen Gönnern, überflutet wurde.

Ohne Zweifel war dies der Grund, warum das nie enden wollende Streben nach wirtschaftlichen Vorteilen der Dorna für mich immer einen faden Beigeschmack hat. Auch wenn es vielleicht nötig ist. Rennsport auf diesem Level ist dazu bestimmt, teuer zu sein.

Die Logos waren in der Vergangenheit sicher bekannter als das des Online-Finanzdienstleisters CWM. Dieser ist in einem undurchsichtigen Geschäftsfeld tätig, in dem Diskretion Hand in Hand mit Spekulationen mit dem Geld anderer Leute geht.

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Die alten Aufkleber stammten von Marlboro, Lucky Strike, Rothmans, HB, Chesterfield. Cabin, Ducados, Fortuna und so weiter. Grosse Zigarettenfirmen, die in schmutzigem Geld schwammen und ?den Motorsport zur Imagewerbung ?finanzierten.

Der Rennsport war das perfekte Hintertürchen. Nicht nur der Sport an sich war so kostspielig, dass es einem die Tränen in die Augen trieb. Es gab noch weitere Wege, um das Werbebudget aufzubrauchen. Nur ein Beispiel: Lucky Strike flog zahlreiche Journalisten zu einem luxuriösen Fünf-Sterne-Ressort nach Bali, um das Team für die Saison 1995 vorzustellen. Der Urlaub dauerte mehrere Tage und schloss Rafting, Gourmetküche und Barbecues am Strand ein.

Dann gab es noch Trips nach Brasilien und Argentinien, Abendessen in Malaysia und die Feten für Rennsiege und WM-Titel. Allein die Kosten für die Feuerwerke würden das heutige Jahresbudget eines ganzen Teams aufbrauchen.

Doch nicht nur die grinsenden Journalisten, sondern auch die japanischen Werke, ihre Mitarbeiter und Teammitglieder wurden eingeladen. Nicht durch Zufall war es auch eine brillante Zeit des Rennsports. Das ist der Hauptgrund, warum es bis heute das "Goldene Zeitalter" genannt wird.

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Es waren großartige Zeiten, weit entfernt von der modernen Disziplin, den Einheitsreifen, limitierten Motoren mit eingefrorener Entwicklung und dem Verbot privater Testfahrten, die von den Massen-Tests in Sepang abgelöst wurden.

Ein Satz in einer Suzuki-Pressemitteilung trifft den Nagel auf den Kopf. "Die Power wurde insgesamt verbessert, ohne die Bezahlbarkeit zu beeinflussen." Gemeint war wohl nicht ‹Bezahlbarkeit› sondern ‹Standfestigkeit›. Doch es drückt die Denkweise dieser Zeit aus.

Ohne Geld keine Überraschungen?

Ein Vorteil der alten Tage mit Geld im Überfluss war, dass die Teams privat testen konnten. So waren sie in der Lage, die Gegner zu überraschen. Das ist nicht mehr erlaubt. Alle Überraschungen werden sofort publik.

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Ein Beispiel ist der sofort sehr hohe Speed der völlig neuen Ducati GP15 in Sepang, genauso wie die Ankunft des neuen Seamless-Getriebes von Yamaha, das auch beim Herunterschalten ohne Zugunterbrechung funktioniert. Beide Hersteller hätten es sicher vorgezogen, diese Neuerungen erst in der Rennsituation zu offenbaren.

Ich weiß nicht mehr, welcher der beiden CWM-Piloten Folgendes mit ?ungewohnter Ängstlichkeit zu mir sagte: "Ich hoffe, dass das nicht mitten in der Saison schrecklich schief geht." Das hoffe ich auch. ?

CWM ist bereits Sponsor der London Boat Show, der Rugby-Mannschaft Wigan Warriors und ‹Partner› der Fußballmannschaft von Chelsea. Es sieht also so aus, als wären die Taschen tief.

Ich zögere, dies als ‹schmutziges Geld› zu bezeichnen, denn obwohl Banker und Finanzdienstleister nicht den besten Ruf haben, gibt es keinen Grund zur Annahme von illegalen Machenschaften.

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Ich bin mehr als bereit, diese Unterstützung des Motorradsports mit offenen Armen zu empfangen. Bitte mehr davon! Extravaganz macht den Rennsport besser.

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