Rivola (Aprilia) nach Bezzecchi-Auszucker: «Auch für mich eine Lektion»
Zunächst gab es von Aprilia Racing nur schriftlich Auskunft zum Fall «Bezzecchi». Nach dem Brünn-GP stellte Rennsportchef Massimo Rivola die Position des Teams klar. Es waren wenige, sehr klare Worte.
Die Negativ-Sensation des Brünn-GP: Der MotoGP-Spitzenreiter war beim Großen Preis von Tschechien nicht am Start. Während Marc Márquez zum zweiten Mal in Folge triumphierte, schaute Marco Bezzecchi tatenlos zu. Nachdem Bezzecchi unmittelbar nach seinem Crash einen Streckenposten geschlagen hatte, gab es für die Sportkommissare der FIM nur eine Lösung – sofortige Sperre für die Veranstaltung.
Bezzecchis Arbeitgeber Aprilia Racing hatte fristgerecht Einspruch erhoben – jedoch nicht, um eine Bestrafung infrage zu stellen. Das bestätigte Racing-CEO Massimo Rivola auch in einem eigens einberufenen Mediengespräch. Wie bereits schriftlich mitgeteilt, betonte Rivola auch persönlich: «Dass hier eine Strafe fällig war, darüber kann man nicht diskutieren. Auch wir entschuldigen uns bei dem Marshall. Doch uns erschien die Bestrafung unverhältnismäßig. Ich habe schon mit einer drastischen Strafe wie einer hohen Geldbuße oder einer Gridstrafe gerechnet, nicht aber mit einer Sperre für das Rennen.»
Rivola weiter: «In der Vergangenheit gab es mehrere vergleichbare Situationen, in denen gestürzte Piloten sich nicht unter Kontrolle hatten – ich erinnere an den Vorfall mit Morbidelli und Aleix Espargaro (Anm. Silverstone-GP 2025). Damals gab es keinerlei Konsequenzen. So drastische Bestrafungen gab es bisher nicht. Aber ich möchte noch einmal unterstreichen: Wir akzeptieren das. Es gibt null Toleranz für so ein Verhalten.»
Auch auf den Vorfall selbst ging der Boss der Aprilia-Racing-Einheit noch einmal ein. «Wir müssen unterscheiden – die erste Redaktion von Marco, bei der er versuchte, sein Bike nach dem Sturz zu «retten», das ist für mich komplett nachvollziehbar. Alles, was danach kam, war inakzeptabel.» Gemeint war die Ohrfeige Bezzecchis für den eifrigen Streckenposten Ladislav.
Rivola suchte nicht nach einer Entschuldigung, nahm aber auch die Position seines Fahrers ein: «Was man von außen oft nicht sieht, ist die außergewöhnliche Situation der Piloten – sie geben für das, was sie machen, absolut alles – ich meine wirklich alles –, sie sind mit vollem Herzen dabei. Es ist auch eine Freude, mit Menschen zu arbeiten, die so sind – die einfach alles für ihre Sache tun. Aber zugleich erfordert es auch einen besonderen Umgang mit ihnen. Für mich selbst ist das damit auch eine Lektion.»
Der Ausraster des sportlichen Aprilia-Helden Marco Bezzecchi im Kiesbett von Brünn wurde nicht über das offizielle TV-Bild ausgespielt. Wie erreichte der Vorfall das Aprilia-Management? Massimo Rivola gestand: «Wir haben das zuerst nicht erkannt, was wirklich passiert war. Als Marco nach dem Rennen zurück in die Box kam, stand er voll unter Adrenalin. Er berichtete davon, dass er versuchte, sein Motorrad zu beschützen vor einem Streckenposten, der den Motor kaputt gemacht hat. In diesem Moment habe ich mit meinem Weltklasseathleten gesprochen, einem Sportler, der für uns um Siege und Rekorde fährt. Noch einmal: Ich sage nicht, dass es das rechtfertigt, aber so war die unmittelbare Situation.»
Dem in der WM über weite Strecke dominierenden Aprilia-Werksteam entstand in Brünn auch sportlich ein großer Schaden. Mit zwei Nullnummern und zwei Podestplätzen von Marc Marquez ist der komfortable Vorsprung drastisch zusammengeschmolzen. Rechnerisch könnte der Weltmeister bereits beim nächsten GP in Assen und damit in einer Woche auf Platz 2 ziehen. Noch trennen Marquez 40 Punkte von Bezzecchi.
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