Toprak Razgatlioglu erneut beste Yamaha, aber «Platz 14 bedeutet nichts»
Toprak Razgatlioglu holte in Brünn als bester Yamaha-Pilot zwei WM-Punkte. Zufrieden war der MotoGP-Rookie trotzdem nicht – vor allem das Duell mit Yamaha-Markenkollege Alex Rins ärgerte ihn.
Toprak Razgatlioglu beendete den Grand Prix von Tschechien auf Platz 14 und sammelte damit als bester Yamaha-Pilot zwei weitere WM-Punkte. Doch wirklich zufrieden war der Pramac-Pilot mit dem Ergebnis nicht. Der Türke ärgerte sich über verlorene Zeit in der Anfangsphase und sieht nach wie vor deutliche Defizite bei seiner Yamaha M1.
Während Razgatlioglu als 14. die Ziellinie überquerte, kam Teamkollege Jack Miller nur auf Rang 16 über den Zielstrich. Werkspilot Fabio Quartararo schied nach einem Sturz aus, Alex Rins stellte seine Yamaha vier Runden vor Rennende ab. Damit war Razgatlioglu erneut der stärkste Fahrer der Marke aus Iwata und der einzige Yamaha-Pilot in den Punkten.
Rins hielt Razgatlioglu zu Rennbeginn auf
Besonders ärgerlich aus seiner Sicht verliefen die ersten Rennrunden. Dort hing er längere Zeit hinter Markenkollege Alex Rins fest und verlor wertvolle Sekunden auf die Fahrergruppe vor ihm. «Das war direkt zu Beginn des Rennens. Ich versuchte, die anderen einzuholen, weil ich mehr Speed hatte als er», erklärte Razgatlioglu. «In einigen Kurven war er wirklich stark. Deshalb bin ich etwas verärgert. Aber ich sage nichts gegen ihn, denn das ist Racing. Ich verstehe ihn. Er ist ebenfalls ein Fahrer und versucht zu kämpfen.»
Dennoch glaubt der Türke, dass ihn die Situation ein besseres Ergebnis gekostet hat. «Ich habe etwa zwei oder drei Sekunden verloren. Ohne diesen Zeitverlust hätte ich vielleicht noch Morbidelli eingeholt. Vielleicht wäre ich dann auf Position 12 oder 13 ins Ziel gefahren.»
Erfolgserlebnis gegen Rennende: Toprak bezwingt Vinales
Immerhin gelang ihm in der Schlussphase noch ein Erfolgserlebnis. In der letzten Runde schnappte er sich KTM-Pilot Maverick Vinales mit einem späten Bremsmanöver in der Bergaufschikane. «Das war meine letzte Chance. Hätte ich ihn dort nicht überholt, dann wäre er bergauf davongefahren und danach hätte ich keine Möglichkeit mehr gehabt», schilderte Razgatlioglu. «Ich habe später gebremst und ihn sauber überholt. Darüber bin ich sehr glücklich.»
Dass dieser Kampf um Platz 14 stattfand, sorgte bei ihm allerdings auch für gemischte Gefühle. Aus der Superbike-WM kommend, wo er regelmäßig um Siege fuhr, fällt ihm die neue Realität in der MotoGP nicht immer leicht. «In der Superbike-WM kämpft man um Siege. Hier kämpfe ich um Platz 14. Das ist der große Unterschied», sagte der Türke. «Der 14. Platz bedeutet mir eigentlich nichts. Die Punkte sind besser als gar nichts, aber Platz 14 ist nichts für mich.»
Trotzdem war Razgatlioglu stolz auf seinen Einsatz bis zur Zielflagge. Auf die Frage, ob es ihn störe, dass kaum jemand sein Überholmanöver gegen Vinales gesehen habe, antwortete er mit einer bemerkenswerten Aussage. «Ob jemand das gesehen hat oder nicht, spielt keine Rolle. Niemand schaut auf Platz 14», meinte er. «Ich kämpfe für mich selbst. Ich gebe niemals auf. Auch in der Superbike-WM war das so.»
Worauf Razgatlioglu besonders stolz ist
Der Pramac-Pilot verriet sogar, dass er sich während des Rennens selbst motivierte. «In den letzten acht Runden habe ich mir immer wieder gesagt: Ich werde niemals aufgeben. Es ist unglaublich schwierig, die anderen einzuholen. Sie machen auf den Geraden und am Kurvenausgang immer eine Lücke auf. Das ist sehr frustrierend. Aber ich kämpfe weiter. Darauf bin ich stolz.»
Positiv wertete Razgatlioglu, dass sich sein Gefühl auf dem Motorrad im Verlauf des Rennens verbesserte. «Zu Beginn hatte ich keinen Spaß. Doch nach etwa zehn Runden begann ich, das Motorrad besser zu fahren. Die Rundenzeiten wurden besser und ich fing an, das Rennen zu genießen.»
Die grundlegenden Probleme der V4-Yamaha bleiben jedoch bestehen. Vor allem die schwachen Kurvenausgänge kosten den MotoGP-Rookie viel Zeit. «Wir verlieren am Kurvenausgang und beim Grip sehr viel. Ich hoffe, dass wir das verbessern können», erklärte er.
Für Razgatlioglu beginnt die Arbeit bereits im Qualifying. Dort sieht er den Schlüssel für bessere Ergebnisse. In Brünn kam er nicht über den vorletzten Startplatz hinaus und musste auf Grund einer Gridstrafe vom letzten Platz in den Grand Prix starten.
«Unser größtes Problem ist, dass wir das Wochenende nie stark beginnen. Wir steigern uns immer erst im Rennen», sagte der Yamaha-Pilot. «Wenn ich mich unter den ersten acht oder zehn qualifiziere, wird alles viel einfacher. Dann kann ich mit den Spitzenfahrern mitfahren. Starte ich weiter hinten, ist es auf Strecken mit langen Geraden fast unmöglich, nach vorne zu kommen.»
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