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Der Fall Vinales: Reifenluftdruck-Drama nächster Teil

Wieder einmal sorgte die umstrittene Luftdruckregelung der MotoGP für die Vollstreckung einer Zeitstrafe. KTM-Pilot Maverick Vinales musste in Losail für den Bruch der Michelin-Sicherheitsregel den vollen Preis bezahlen.

MotoGP

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Nach der Zielflagge zum Großen Preis von Katar sorgte die im Handbuch der MotoGP verankerte Reifenluftdruck-Regelung zum wiederholten Mal für Aufregung. Fast ein Jahr nachdem Fabio Quartararo im Sprintrennen von Jerez seinen dritten Platz nachträglich an KTM-Pilot Dani Pedrosa abgeben musste, erwischte es am vergangenen Sonntag KTM-Tech3-Neuzugang Maverick Vinales.

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Der Routinier, der sogar kurz davor stand, als erster MotoGP-Pilot überhaupt mit der vierten Marke zu triumphieren, wurde kurz nach dem Zielleinlauf auf Position 2 unter Beobachtung gestellt.

Das Kontrollsystem der FIM-MotoGP-Stewards, welches die Reifenluftdrücke aller Fahrer der Königsklasse im Rennen überwacht, hatte angeschlagen. Laut Regelbuch, das mit dem Verhängen von Sanktionen seit 2024 zur Anwendung kommt, besagt: Ein Fahrer muss seinen Luftdruck im Vorderrad mindestens für 60 Prozent der GP-Renndistanz oberhalb der vorgeschriebenen 1,88 bar halten.

Eingeführt wurden die Regeln unter dem Aspekt der Fahrsicherheit. Denn laut Exklusivausrüster Michelin funktionieren die Spezialkonstruktionen nur in einem fixen Druckfenster. Am Hinterrad dürfen übrigens nicht weniger als 1,7 bar gefahren werden, doch in der Praxis laufen die Piloten keine Gefahr, am Hinterrad aus dem Toleranzbereich zu fallen.

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Dass die Pneus hochsensibel sind, zeigte sich auf andere Weise bei den vergangenen Sepang-Tests. Hier wurde eine zu geringe Temperatur am hinteren Slick Aprilia-Werksfahrer Jorge Martin zum Verhängnis. Die Botschaft von Michelin ist einfach: Fällt ein MotoGP-Reifen aus seinem Arbeitsbereich heraus, funktioniert er nicht schlechter – er funktioniert gar nicht.

Das System am Vorderrad ist gleichfalls hochsensibel, arbeitet aber unter gänzlich anderen Verhältnissen, abhängig davon, ob ein Pilot eine Runde lang solo fährt oder direkt in enger Verfolgung eines Rivalen ist.

Wir erinnern uns an den Saisonauftakt in Thailand. Nach langer Solofahrt an der Spitze entschied der Führende Marc Marquez aus genau jenem Grund, das Tempo zu drosseln und sich hinter seinen Bruder zurückfallen zu lassen – um im Schatten wieder Temperatur und damit Druck in den vorderen Pneu zu bringen. Ohne diesen Kontrolltrick hätte den Ducati-Werksfahrer das gleiche Schicksal getroffen wie nun Maverick Vinales.

KTM-Tech3-Racer Vinales ist das bei seiner Heldenfahrt entgangen oder besser gesagt: "Top Gun" konnte bei seiner Heldenfahrt von Position 6 in der Startaufstellung bis ganz an die Spitze den Luftdruck nicht ausreichend kontrollieren.

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Maverick Vinales hatte in Runde 11 und damit genau zur Rennmitte die Spitze übernommen. Nach einem kleinen Fahrfehler gelang Marc Marquez fünf Runden später der Konter. Als die #93 wieder in Führung lag, zog die rote Ducati sofort ausreichend weit weg – im Ziel waren es 1,8 Sekunden –, dass Vinales die letzten 6 Runden wieder eine Alleinfahrt hatte. Mit Blick auf den Reifenluftdruck war der Tech3-Pilot in Summe also zu wenig im Pulk unterwegs – kaum vorstellbar, aber doch wahr: Trotz der irren Pace fuhr Vinales laut Messprotokoll über 40 Prozent der Renndistanz mit einem zu geringen Luftdruck.

Die Farce der Regelung: Es ist unmöglich, einen Rennverlauf zu planen. Mehr als Annahmen, etwa die, dass der Fahrer auf der Pole-Position weniger Zeit im Pulk verbringt als der Fahrer auf Position 22, lassen sich nicht anlegen. Zeitabstände zwischen den Fahrern sind willkürlich – in der Praxis aber hochrelevant. Ob ein Fahrer dem anderen mit 0,1 oder 1,0 s Abstand folgt, hat enorme Auswirkungen auf die Betriebsparameter des Vorderreifens.

Eine Frage, die in der Causa Vinales ebenfalls für Frust bei den Betroffenen sorgte, war die lange Überprüfungszeit. Die Top-3 wurden um 20.43 Uhr Ortszeit abgewunken. Die Strafe wurde um 22.15 Uhr ausgesprochen, Vinales lag nun 17,800 Sekunden hinter dem Sieger und wurde als 14. mit zwei WM-Punkten gewertet.

Ein Grund für die schleppende Entscheidung: Die Techniker wollten auf Nummer sicher gehen und überprüften auch die Technik an der Maschine des Beschuldigten. Bei einer ähnlichen Situation während des Indonesien-GP stand Podestfahrer Acosta unter Verdacht, wurde aber freigesprochen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass eine leicht beschädigte Vorderradfelge für den Druckverlust während des Rennens verantwortlich war.

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An der RC16 von Maverick Vinales verlief die Kontrolle ohne Befund. Die Zeitstrafe gemäß Regelwerk war korrekt. Die Regel selbst steht aber seit dem letzten Katar-GP wieder einmal völlig zu Recht im Zentrum der Kritik.

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