Ducati Corse und Marc Marquez: Gibt es einen Plan ohne den Weltmeister?
Die Lage bei Ducati ist angespannt. Nicht nur bei MotoGP-Weltmeister Marc Marquez läuft es im Finaljahr der 1000er-Bikes nicht nach Plan. Und was, wenn der Champion nicht mehr zu Höchstform aufläuft?
Während der MotoGP-Wintertests sah es zunächst nach einem engen Zweikampf zwischen den beiden MotoGP-Werken aus Italien aus. Doch statt des Duells Bologna gegen Noale sahen die Fans in den Rennen weitgehend dominierende Aprilia-Piloten. Zwar gingen erst sechs Wettfahrten über die MotoGP-Bühne, doch der WM-Stand spricht eine klare Sprache. Während Aprilia mit Marco Bezzecchi und Jorge Martin die Spitze markieren, erscheint der erste Ducati-Pilot mit Namen Fabio Di Giannantonio auf Position 4. Auch dank sechs Motorrädern in der Startaufstellung hält Ducati Corse bei den Herstellern Platz 2 – mit 32 Punkten Rückstand auf Aprilia.
Schlüsselfigur der Krise ist der Weltmeister. Marc Marquez fährt mit, holte in den USA nach einer Long-Lap-Strafe zuletzt Punkte für Platz 5 und liegt auch im Klassement auf 5 – hinter Pedro Acosta. Der KTM-Pilot überzeugte von Rennen 1 an und darf sich seit dem Auftakt ebenfalls als MotoGP-Sieger bezeichnen.
Plan A wackelt: Marc Marquez und Acosta bis Ende 2028
Der Zukunftsplan der Mannschaft von Ducati-Corse-Mastermind Gigi Dall’Igna: Marc Marquez verteidigt erfolgreich den Titel und geht ab 2027 für weitere zwei Jahre an der Seite von Acosta ins letzte Kapitel einer einzigartigen Karriere. Die Verhandlungen mit Youngster Acosta liefen bislang vielversprechend. Auch wenn keine Unterschriften geleistet wurden, gibt es nur geringe Zweifel daran, dass Pedro Acosta im kommenden Jahr den Platz bei Ducati Lenovo einnehmen wird.
Längst über die Bühne gegangen sein sollte aus Sicht von Ducati die Verlängerung mit dem siebenfachen MotoGP-Weltmeister. Bereits während der Teamvorstellung im winterlichen Madonna di Campiglio hatte Teammanager Davide Tardozzi die Weiterverpflichtung als Priorität deklariert. Doch die Erneuerung ist mehr als nur eine Formsache. Kleiner aber entscheidender Knackpunkt soll die Vertragsdauer sein. Denn auf der Grundlage der ungewissen eigenen Leistungsfähigkeit soll der Champion zunächst nur an eine einjährige Laufzeit denken.
Für Ducati eine äußerst unangenehme Situation. Denn käme es zu einem Abgang von Marc Marquez nach nur einem Jahr, dann wäre auf dem Fahrermarkt kein Siegfahrer verfügbar. Denkbar wären interne Umbesetzungen in Kooperation mit den Kundenteams oder selbst der Superbike-Struktur, doch das Szenario käme in jedem Fall einer Improvisation gleich. Dazu kommt, dass auch Ducati nur Interesse an einem siegfähigen Marc Marquez hat.
Bis hin zum Rücktritt von «MM93» ist alles möglich
Und selbst der GAU ist nicht auszuschließen: Marc Marquez tritt Ende 2026 aus gesundheitlichen Gründen zurück. Kommt der 33-Jährige in den kommenden Rennen zu der Erkenntnis, dass die Langzeitfolgen der letzten Verletzungen aus dem Herbst 2025 ihn dauerhaft beim Fahren behindern, drängt sich ein zeitnaher Abgang auf.
Ducati Corse nimmt als jahrelang dominierender Hersteller dem aktuellen Champion seine Sonderstellung und hätte die Macht, Spitzenfahrer ins Werksteam zu locken. Offiziell ist die Liste freier Siegfahrer im April 2026 gut gefüllt, mit Bagnaia, Martin und Alex Marquez auf den ersten Positionen. Doch hinter den Kulissen haben sich diese Piloten bereits um andere Werksverträge bemüht. Bagnaia soll sich für Aprilia entschieden haben, Martin gilt als Quartararo-Nachfolger bei Yamaha als gesetzt und Alex Marquez wurde schon in Munderfing bei KTM Racing gesichtet. Sie alle gingen davon aus, dass Marc Marquez in jedem Fall weiter für Ducati Lenovo fährt.
Genau das ist auch weiterhin möglich, aber die Verunsicherung beim Weltmeisterteam von 2025 und dem gesamten MotoGP-Fahrerlager kann sich nur auflösen, wenn Marc Marquez selbst zu der Überzeugung gelangt, dass er auch 2027 noch als Siegfahrer um die Welt reisen kann.
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