Pirelli-Rennsportchef Giorgio Barbier: «Die MotoGP ist ein anderes Biest»
Was vor 15 Monaten ohne MotoGP-Reifen, aber mit langfristigem Bekenntnis von Pirelli begann, ist zu einem Großprojekt geworden. Rennchef Barbier exklusiv über den Stand der Dinge vor dem Brünn-Test.
Eine der wesentlichsten Änderungen zum Start der Motorrad-WM-Saison 2024 war der Einstieg des italienischen Reifengiganten Pirelli in die sogenannten «Feeder»-Klassen Moto3 und Moto2. In Konsequenz rücken seitdem auch die kleinen, aber reinrassigen Renner des Red Bull Rookies Cup mit Pirelli-Rennreifen aus.
Im März 2025 wurde schließlich offiziell, was sich nach dem strategischen Herantasten in der unteren und mittleren GP-Etage angedeutet hatte.
Rund
Mittlerweile haben alle Werke erste Erfahrungen und den Roll-out mit der Hardware für 2027 hinter sich gebracht und in
Barbier inmitten der heißen Projektphase: «Wir sind uns bewusst, dass die MotoGP nicht irgendeine neue Klasse ist, in der wir im Rennsport Aktivitäten setzen. Jeder in unserer Struktur versteht, was auf uns zukommt – die MotoGP ist ein ganz anderes Biest. Aber zugleich versuchen wir, die Aufgabe auf die ganz wesentlichen Aspekte herunterzubrechen.»
Der erfahrene Rennchef weiter: «Die größte Herausforderung: Diesmal hatten wir praktisch keine Ahnung, welche Motorräder wir ausrüsten. Niemand wusste es, denn die 850er sind für alle neu. Und wir hatten auch keine Vorstellung, wie die Hersteller damit umgehen. Mittlerweile haben wir ein Bild und erste Daten – und ich muss sagen, das war eine große positive Überraschung für mich. In meiner ganzen Karriere habe ich so etwas noch nie erlebt, dass fünf Hersteller so offen und kooperativ sind.»
Entwicklungshilfe: Kooperation statt Geheimhaltung
Der Italiener zum inoffiziellen MotoGP-Test Misano in der vergangenen Woche: «Ich bin davon ausgegangen, dass hier große Geheimhaltung herrscht, aber das Gegenteil war der Fall. Nichts wurde verheimlicht, es ging in jeder Hinsicht sehr einfach, offen und ehrlich zu – was ein riesiger Vorteil für uns war. Aber ich denke, genau mit dieser Offenheit werden wir gemeinsam schneller mit der Aufgabe wachsen.»
Im Fahrerlager hat Pirelli bereits heute ein blendendes Image. Das über Jahrzehnte in der Superbike-WM gewachsene Entwicklungsprojekt ist auch im GP-Fahrerlager niemandem entgangen. Ein Umstand, der die Italiener zugleich unter Erfolgsdruck setzt. Giorgio Barbier: «Ja, die Situation ist nicht mehr zu vergleichen. Als wir in die Superbike-WM kamen, da waren wir ein Niemand – die anderen waren die Götter. Es hat lange gedauert, aber wir sind unseren Weg gegangen und haben sehr, sehr viel gelernt – und dass wir uns auch jetzt helfen beim Einstieg in die MotoGP.»
Der oberste Motorrad-Rennsportmanager des Konzerns abschließend: «Wir sind jetzt endgültig in der heißen Phase, aber im Plan, was die gesetzten Meilensteine angeht. Wir dürfen aber nicht vergessen: Auch in der MotoGP geht es nur mit Daten und Erfahrung – und bislang haben wir erst Informationen von vier Strecken. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns, aber mit derselben Methodik, die uns auch in der Moto2 und Moto3 geholfen hat, werden wir kontinuierlich an der Leistung unserer Produkte arbeiten.»
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