Jorge Martin als neuer MotoGP-Spitzenreiter: «Ich wusste, dass sie kommen»
Vor drei Wochen verließ Jorge Martin das Fahrerlager in Balaton Park als MotoGP-Sünder – Martin hatte nahezu die gesamte Elite der Königsklasse abgeräumt. Jetzt heißt der neue Führende – Jorge Martin.
Vor dem GP von Assen und nach P5 im Sprint von Jorge Martin hatte Teammanager Paolo Bonora prognostiziert, dass er den beiden Piloten des Aprilia-Kundenteams eine minimal höhere Pace zutraue als seinen Werksfahrern. Bonora sollte recht behalten. Nach dem frühen Aus von Marco Bezzecchi profitierte zwar erst einmal der bissig losgefahrene Jorge Martin, doch als sich Fernandez und Ogura gefunden hatten, war abzusehen, dass der Sieg in Holland nicht an den «Martinator» gehen würde.
Immerhin, 17 der 26 Runden hieß der Führende Jorge Martin. Doch dann ging es Schlag auf Schlag. In der berühmten Schikane vor der Zielgeraden zog erst Fernandez, am Ende der kurzen Geraden wischte Ogura durch. Wie angesagt war der Speed-Unterschied nicht riesig, aber groß genug, dass es nicht zu einem Gegenangriff kommen konnte. Die Zielflagge sah Martin zwei Sekunden, gut drei Sekunden hinter Premierensieger Ogura – aber volle Sekunden vor dem Viertplatzierten Fabio Di Giannantonio.
Nach der Siegerehrung gab Jorge Martin zu Protokoll: «Wenn du in Führung bist, ist alles leichter. Man hat das Bike immer besser unter Kontrolle. Als Raul und Ai an mir vorbeigefahren sind, wurden auch meine Probleme größer Ich habe verstanden, dass die beiden in den schnellen Passagen eben noch schneller waren – in diesem Bereich wartet die nächste Arbeit. Fakt ist, ich habe mein Rennen gefahren und das rausgeholt, was zu holen war. Am Ende bin ich ein Rennen gegen mich gefahren. Martin gestand. Von Beginn an sah ich die Abstände, und ich wusste: «Sie werden kommen.»
Über seinen siegreichen Teamkollegen fand Martin Worte der Anerkennung, wunderte sich aber auch: „Ai hat schon einen sehr besonderen Stil. Dass er super schnell ist, steht außer Frage. Wenn ich direkt hinter ihm fahre, dann wundere ich mich aber auch, dass er nicht jede Kurve stürzt. Er wirft sich extrem in die Ecken, schafft es aber auch immer wieder, schnell aufzurichten.»
Angesprochen auf seine neue Rolle als Tabellenführer für Aprilia und die Tatsache, dass die Top-8 der Tabelle nach zehn Events nur 63 Punkte voneinander trennen, stellte der Champion der Saison 2024, Martin, fest: «Ehrlich gesagt, meine Position in der WM-Tabelle ist verrückt. Ich sage immer, dass mir immer noch etwas fehlt, dass wir das Tempo für das Podest haben – aber noch immer habe ich nicht das volle Vertrauen in das Bike.»
Martin weiter: «Was die Zahlen angeht – natürlich ist es besser, auf Platz 1 als auf Platz 8 zu liegen, aber in der jetzigen Situation interessiert mich das nicht. Wir haben eine große Gruppe von Fahrern, die in der WM eine Rolle spielen können. Ich will sicher in die Sommerpause kommen, es ersteinmal weiter Rennen für Rennen angehen – aber wenn ich kurz vor Schluss der Saison noch in dieser Position sein sollte, dann werde ich versuchen, auch meine Erfahrung einzusetzen. Bis dahin geht es nur um Speed und darum, keine Fehler zu machen.»
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