Carlos Checa über Toprak Razgatlioglu: Riesiges Talent, schlechte Strategie
In der MotoGP 2027 treffen mit Toprak Razgatlioglu und Nicolò Bulega die besten Superbike-Piloten der letzten Jahre aufeinander. Der Türke hat die schlechteren Karten, meint Carlos Checa.
500er-GP-Sieger, Superbike-Champion, DAZN-Experte: Carlos Checa kennt sich auch 13 Jahre nach seinem Karriereende in den beiden größten Motorrad-Weltmeisterschaften noch hervorragend aus. Auf SPEEDWEEK.com hat er den genialen Schachzug von Ducati gelobt, Superbike-Seriensieger Nicolò Bulega für 2027 in die MotoGP zu befördern.
Der Italiener liegt zur ersten kurzen Superbike-Sommerpause bereits 121 Punkte vor seinem nächsten Verfolger Iker Lecuona und ist saisonübergreifend seit 25 Rennen ungeschlagen! Bulega fährt 2027 und 2028 im VR46-Ducati-Team von Valentino Rossi an der Seite von Fermin Aldeguer. Und kaum jemand wäre verwundert, würde der 26-Jährige auch in der MotoGP sofort einen großartigen Eindruck machen. Denn er ist in diesem Jahr intensiv in die Entwicklung der neuen 850er-Maschine aus Borgo Panigale mit reduzierter Aerodynamik und Pirelli-Reifen sowie ohne höhenverstellbares Fahrwerk eingebunden und wird perfekt vorbereitet zu den Wintertests kommen.
Ganz anders Toprak Razgatlioglu. Der Türke wechselte nach drei Titelgewinnen in der Superbike-WM in die MotoGP, Yamahas Rückstand zur Spitze hat sich dieses Jahr aber noch einmal vergrößert und der Türke kam über einen elften Platz bislang nicht hinaus. Bei den Japanern wird emsig daran gearbeitet das Paket zu verbessern; doch nur wenige Experten sind davon überzeugt, dass im nächsten Jahr ein deutlicher Schritt nach vorne gelingt.
«Für Toprak wäre es am besten gewesen, dieses Jahr in der Superbike-WM weiterzumachen und sich auf 2027 vorzubereiten», sagte Carlos Checa. «Dazu hätte er aber Superbike mit Yamaha fahren müssen – ich weiß nicht, ob das eine gute Option für ihn gewesen wäre.»
Razgatlioglu verließ Yamaha nach der Saison 2023 und ging zu BMW, weil auch der Superbike-Motor der R1 nicht eben vor Kraft strotzt. Die Deutschen hätten ihn für 2026 mit Kusshand behalten; für 2027 hätte er in die MotoGP wechseln können, weil es dann ohnehin einen Radikalschnitt im Fahrermarkt gibt.
«Toprak muss bereits jetzt für nächstes Jahr arbeiten, weil sich diese Saison für ihn erledigt hat», unterstrich Checa. «Um auf das höchste Level zu kommen, brauchst du die richtige Technik und den richtigen Fahrer, aber auch eine Strategie. Ducati hat mit Bulega den besten Plan. Toprak ist ein Riesentalent, es wäre interessant, ihn auf der Ducati zu sehen. Er hat einen starken Siegeswillen, das gefällt mir, ich mag solche Kämpfer. Er kam im schlimmstmöglichen Moment in die MotoGP, denn die Yamaha ist nicht auf dem höchsten Level und die Michelin-Reifen kannte er nicht. Er hätte ein Jahr länger mit dem Umstieg warten sollen – so hat er die schlechteste Kombination.»
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