Historischer MotoGP-Sieg: Ai Ogura gewann für Japan – nach 22 Jahren
Ai Ogura beendete in Assen eine über zwei Jahrzehnte währende Flaute und feierte den ersten japanischen MotoGP-Sieg seit Makoto Tamada. Auch war es der erste GP-Doppeltriumph von Trackhouse-Aprilia.
Fast 22 Jahre, genau 7952 Tage, musste Japan warten. Seit Makoto Tamada 2004 in Motegi auf einer Camel-Honda triumphierte, hatte kein japanischer Pilot mehr ein Rennen der Königsklasse gewonnen – bis Ai Ogura am Sonntag in Assen über die Ziellinie fuhr. Der Trackhouse-Aprilia-Pilot ist nicht nur der 125. unterschiedliche Sieger der MotoGP-Geschichte, sondern auch der erste frühere Asia-Talent-Cup-Fahrer, der ein Rennen gewinnt.
Hinter ihm machte Teamkollege Raul Fernandez den ersten GP-Doppeltriumph in der Geschichte des Trackhouse-Teams perfekt – Platz drei ging an Werks-Aprilia-Pilot Jorge Martin, der die WM-Führung übernahm. Die Ehrenrunde dreht Ogura mit der japanischen Flagge.
Beinahe-Defekt bei Ogura hätte Sieg verhindert
Das Rennen begann für den 25-Jährigen alles andere als nach Plan. Von der Aprilia-dominierten Startreihe 1 verlor Ogura einige Positionen. Das Rennen entwickelte sich in der Hitze aber zur Material- und Nervenschlacht: Der bisherige WM-Leader Marco Bezzecchi stürzte bereits in Runde 2 schwer, später fielen auch Pedro Acosta (Arm-Probleme) und Pecco Bagnaia (Bremsdefekt) aus.
Ai Ogura hingegen drehte die schnellsten Runden im gesamten Feld und arbeitete sich zurück auf P3. Heikel wurde es, als sein Ride-Height-Device kurzzeitig klemmte. Das Heck blieb abgesenkt, die Aprilia RS-GP schliff in Schräglage über den Asphalt und warf Funken. Ogura bekam das Problem wieder in den Griff, statt der Aufgabe ging es wieder in den Angriffsmodus. Viel Zeit kostete ihn dieser Rückschlag auch nicht, die halbe Sekunde, die er verlor, hatte er innerhalb einer Runde wieder aufgeholt. Nach Überholmanövern gegen Martin und schließlich Fernandez setzte sich Ogura ab und brachte seinen ersten GP-Sieg mit zwei Sekunden Vorsprung ins Ziel. Schon im Sprint überzeugte der Japaner als Zweiter.
Versteckte Botschaft an sein Heimatland
Im ersten Interview als MotoGP-Sieger fiel Ogura die Sprache fast weg: «Es ist fantastisch. Ich möchte nicht so viel reden, weil es nicht viel zu reden gibt», sagte er sichtlich überwältigt. «Ich meine, einfach gewinnen – ich bin so glücklich für meine Leute. Und danke an alle.»
Den emotionalen Dank hob sich Ogura für seine Landsleute auf. Auf Japanisch richtete er sich direkt an die Fans daheim: «An alle in Japan: Vielen Dank für eure Unterstützung. Ich werde mich auch ab dem nächsten Rennen weiter anstrengen, deshalb bitte ich euch weiterhin um eure Unterstützung.» Der Lohn für seine konstante Saison: In der WM-Wertung rückte Ogura dank des Sieges auf Rang vier vor und mischt damit still und heimlich im Titelkampf mit. Auf den neuen WM-Führenden Jorge Martin fehlen nur 25 Punkte.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach
