Spielberg-Sieger George Russell: «Ein echter psychologischer Prüfstein»
George Russell nutzte die Pole auf dem Red Bull Ring, um sich den zweiten GP-Sieg in diesem Jahr einzufahren. Der Mercedes-Star verkürzte seinen Rückstand auf WM-Leader Kimi Antonelli um 10 Punkte.
George Russell schaffte auf dem Red Bull Ring, die Ziellinie als Erster zu kreuzen. Der Mercedes-Star freute sich nach dem zweiten GP-Sieg der Saison und dem siebten GP-Triumph seiner Formel-1-Karriere: «Es ist schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal auf dem höchsten Podesttreppchen war, und ich werde das diesen Abend sicherlich feiern mit meinem Team. Das hat hart gearbeitet, damit ich wieder in die Erfolgsspur komme. Max und Red Bull Racing waren unglaublich schnell dieses Wochenende, Gratulation an sie, und ein grosses Danke an die Fans. Es war ziemlich heiss da draussen, deshalb freue ich mich erst einmal auf einen Drink.»
«Ich musste in jeder Runde ans Limit, und da unterlaufen dir zwangsläufig ein, zwei kleine Fehler. Ich wusste, wie schnell die Jungs hinter mir sind, Kimi ist schon das ganze Jahr unglaublich schnell, deshalb habe ich jedes Mal auf die Zeitenliste geschaut, wenn ich vorbeifuhr. Wir sind früh zum Stopp abgebogen, es war ein langer Stint, aber das Team hat das perfekt hinbekommen», erklärte der sichtlich erschöpfte Brite.
«Die harten Rennen sind ein echter psychologischer Prüfstein für die mentale Verfassung, und dieses Wochenende war wirklich wichtig für mich, weil es mich daran erinnert hat, dass ich es schaffen kann. Ich war auf einer Runde und im Renntrimm schnell, und das auf einer Strecke, die nicht bestens zu meinem Stil passt. Ich freue mich nun auf Silverstone in der nächsten Woche, wo ich vor meinen Heimfans ausrücken kann», fügte Russell an.
So lief das Rennen:
Die Formel-1-Stars wurden am Rennsonntag in Spielberg wie erwartet von heissen Temperaturen begrüsst. Das Thermometer zeigte 34,6 Grad Celsius Aussen- und 49,2 Grad Streckentemperatur an, als die Fahrer in den achten Grand Prix der Saison starteten. Nicht alle kamen gleich gut weg, und so veränderte sich die Reihenfolge bereits auf der ersten Runde.
Polesetter George Russell konnte die Führung verteidigen, dahinter reihten sich Lewis Hamilton, Max Verstappen, Charles Leclerc, Kimi Antonelli, Oscar Piastri, Lando Norris, Liam Lawson, Isack Hadjar, Arvid Lindblad, Esteban Ocon, Gabriel Bortoleto, Pierre Gasly, Nico Hülkenberg, Oliver Bearman, Carlos Sainz, Alex Albon, Sergio Pérez, Franco Colapinto, Fernando Alonso, Lance Stroll und Valtteri Bottas ein.
Für letzteren war das Rennen schnell gelaufen, er steuerte mit brennender rechter Vorderradbremse die Box an und musste abstellen. Das gleiche Schicksal ereilte seinen Teamkollegen Sergio Pérez, der in Runde 5 die Box ansteuern musste.
Starkes Duell von Verstappen und Hamilton
Der Rest kämpfte weiter und die Zuschauer auf den ausverkauften Tribünen am Red Bull Ring kamen in den Genuss vieler packender Szenen. So klagte etwa vor Pérez' Ausfall auch Lawson über Rauch im Cockpit, er konnte aber weiterfahren. In Runde 7 begeisterte Antonelli die Zuschauer mit seinem Überholmanöver an Leclerc, das ihm Position 4 bescherte, und in Runde 11 überholte Verstappen Hamilton nach einem harten Duell und war damit kurzzeitig Zweiter, bevor der siebenfache Champion erfolgreich konterte.
Kurze Zeit später steuerte Hamilton die Box an und kam auf den harten Reifen auf der elften Position wieder auf die Bahn. In Runde 14 machte es ihm sein Teamkollege Leclerc gleich. Verstappen steuerte die Box in der 18. Runde an, Hadjar und Lindblad taten es ihm eine Runde später gleich. Russell und Piastri holten sich in Runde 20 frische Walzen und bald hatten fast alle neue Reifen abgeholt. Einzig Bearman, Alonso und Stroll verzichteten vorerst darauf, frische Walzen abzuholen.
In Runde 22 schaffte es Verstappen in der dritten Kurve an Hamilton vorbei und diesmal blieb er vorne. Viel mehr Mühe bekundete die Konkurrenz. Norris bretterte neben die Piste, Antonelli beklagte ein langes Bremspedal.
Starkes Finish auf dem Red Bull Ring
Drei Runden später wurde das Feld durch das virtuelle Safety-Car eingebremst, denn Sainz stellte seinen Williams auf der Start-Ziel-Geraden ab. Noch vor der Reaktion der Rennleitung steuerte Antonelli die Box an und fiel dadurch hinter Leclerc auf Platz 4 zurück. Als das Rennen wieder freigegeben wurde, musste sich der Monegasse in der vierten Kurve der 30. Runde Antonelli geschlagen geben, wodurch der WM-Leader Dritter war. Weiter hinten sicherte sich Hamilton in der sechsten Kurve des gleichen Umlaufs den sechsten Platz, indem er an Hadjar vorbeikam.
Verstappen arbeitete sich in der Folge an Russell heran, der sich in der 35. Runde in der dritten Kurve verbremste, was weitreichende Folgen hatte. Denn dadurch kam Verstappen näher ran, und als Russell in der 44. Runde an die Box abbog, übernahm der Red Bull Racing-Star die Führung. Die musste er in Runde 50 wieder abgeben, weil er an die Box abbog. Damit fiel er hinter Antonelli und Russell zurück, hatte aber die frischeren Reifen.
In Runde 52 war Antonelli mit dem Stopp dran und damit führte Russell wieder das Feld an. Die Reihenfolge lautete da: Russell vor Verstappen, Antonelli, Piastri, Hamilton, Leclerc, Hadjar, Norris, Lawson, Lindblad, Bortoleto, Gasly, Hülkenberg, Bearman, Ocon, Colapinto, Albon und Alonso. Stroll hatte als vierter Ausfall des Rennens seinen Aston Martin in der 47. Runde an der Box abgestellt. Nachdem Antonelli an der Box gewesen war, wurde noch einmal eine kurze Safety-Car-Phase ausgerufen, weil Albon den Poller in der dritten Kurve abgeräumt hatte. Dieser wurde schnell von den Streckenposten von der Piste geschafft, sodass es entsprechend schnell wieder weiterging.
Im 59 Umlauf schnappte sich Norris den siebten Platz von Leclerc, der daraufhin an die Box abbog. An der Spitze wurde es zum Schluss noch einmal spannend, weil sich Verstappen in grossen Schritten an Russell heranarbeitete während hinter ihm Antonelli immer näher kam. Am Ende retteten Russell den Sieg und Verstappen den zweiten Rang über die Ziellinie. WM-Leader Antonelli musste sich mit dem dritten Platz begnügen, Piastri, Hamilton, Hadjar, Norris, Leclerc, Lawson und Lindblad sicherten sich die weiteren Top-10-Plätze. Auch Bortoleto, Hülkenberg, Gasly, Bearman, Colapinto, Ocon, Albon und Alonso sahen auf den weiteren Rängen die Zielflagge, gingen aber leer aus.
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