Lucy Michel: Rennen fahren und 40-Stunden-Wochen sind schwer vereinbar
In dieser Saison kommt Lucy Michel in der Motorrad-Frauen-WM (WorldWCR) nicht in Schwung. Nach den Plätzen 16 und 17 in den Vorjahren liegt die Dame aus dem Erzgebirge aktuell nur auf Tabellenrang 24.
Vor dem nächsten Event der Frauen-Weltmeisterschaft im Rahmen der Superbike-WM am kommenden Wochenende in Donington Park übte Lucy Michel zwei Tage eifrig in Most im Rahmen eines Bike-Promotion-Renntrainings. Das tut auch Not, denn die derzeit nur WM-24. (nach den Endrängen 16 und 17 in den Jahren 2024 und 2025) hat Nachholbedarf, wie die 21-Jährige aus Schwarzbach im Erzgebirge im Vorortgespräch mit SPEEDWEEK.com erläuterte. «Ja, es ist sehr, sehr schwierig dieses Jahr. Die Konkurrenz wird immer mehr und immer stärker. Hoffen wir mal, dass Donington besser wird.»
Das klingt ein bisschen nach einer Durchhalteparole, weswegen eine Nachfrage gestattet sein muss. «Ich kann nicht sagen, woran es liegt – ich weiß es nicht. Auf jeden Fall habe ich einen ziemlichen Trainingsrückstand. Man kann jemanden, der fünfmal pro Woche trainiert, mit jemanden, der 40 Stunden die Woche arbeitet, wie ich, kaum vergleichen. Da müssen ja Unterschiede sein», begann sie ihre etwas tiefgründigere Analyse.
Die Arbeitszeit ist das eine, weswegen Tests oder anderweitige Motorradtrainings unter der Woche so gut wie unmöglich sind. Hinzu kommt, dass Lucy die letzte Zeit als medizinische Technologin für Radiologie neben ihren ein bis zwei obligatorischen Wochenenddiensten weitere übernahm, um Schichten tauschen zu können und Freiräume für die verlängerten Rennwochenenden zu schaffen.
Kaum Tage auf dem Motorrad
Ihr Dilemma verdeutlichen die Tatsachen, dass sie vor Saisonbeginn nur zwei Tage in Spanien zusätzlich testen war. Beim offiziellen Vorsaison-Test in Portimao waren dann ohnehin alle dabei. Zwischen Portimao und dem nächsten Saisonrennen in Assen fügte sie mit ihrem Team TSL-Racing einen Test in Misano ein. Das war’s, denn seit dem, wir reden von Anfang April, saß sie nur bei den Rennen in Assen, auf dem Balaton Park Circuit und Mitte Juni in Misano im Sattel ihrer Yamaha YZF-R7.
Ihre besagte jüngste Ausfahrt im Rahmen eines Renntrainings war besser als nichts, mit Hobbyfahrern auf der Strecke aber nur bedingt zielführend. Wenngleich Michel, gemäß der Rundenzeiten, in eine theoretisch passende Gruppe einsortiert wurde, war augenscheinlich, dass sie in Bremszonen und Kurven immer wieder anstand und auf den Geraden wieder Meter verlor. «Dennoch hat mir das persönlich viel gebracht, einfach noch mal den Fluss vor dem nächsten Rennen zu haben. Aber natürlich ist es etwas anderes, wenn man auf einer Strecke trainiert, auf der man dann auch die Rennen hat und wo weniger Leute auf der Strecke sind. Aber was soll ich machen?»
Der Spaß kam nicht abhanden
Macht es noch Spaß, sich mit den unterschiedlichen Voraussetzungen der besser aufgestellten Konkurrenz, teilweise Profi-Rennfahrerinnen, zu stellen? «Na klar», kam es wie aus der Pistole geschossen. «Ich weiß ja, dass ich es eigentlich kann.» Demzufolge ist sie für die nächsten Wochen positiv gestimmt, weil sie dann nicht mehr zusätzliche Wochenenddienste übernehmen muss. «Da sind die Dienste besser verteilt. Wir wollen noch das eine oder andere Mal testen, und ich hoffe, dass dann auch bessere Ergebnisse kommen. Bei den letzten beiden Saisonrennen in Donington und beim Finale in Jerez will ich angreifen und regelmäßig in die Punkte.»
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